Wirtschaft : Verhandlungen um Preise auf liberalisiertem Strommarkt

Großunternehmen erhoffen sich Millioneneinsparungen durch freie Lieferantenwahl DÜSSELDORF / BERLIN (fmd/jsn/mhm/wt/HB/alf).Industrie, Handel und Dienstleistungsunternehmen versprechen sich Einsparpotentiale in Millionenhöhe auf dem liberalisierten Strommarkt.Zwar hängt das Gesetz über den freien Wettbewerb derzeit noch im Bundesrat, doch viele Unternehmen bereiten sich schon auf die freie Wahl des Lieferanten vor.Die Telekom verhandelt bereits mit Energieversorgern.Dabei verfolgen Unternehmen mit mehreren Standorten die Strategie, sich künftig nur noch von einem Versorger den Strom liefern zu lassen. Während Deutschlands Stromkonzerne noch über Details zur Durchleitung "fremden" Stroms durch ihr Netz verhandeln und das Gesetz zur Öffnung der Energiemärkte letzte parlamentarische Hürden nimmt, handeln die Großkunden.Allen voran geht die Deutsche Telekom, die von der anstehenden Liberalisierung kräftig profitieren will."Wir verhandeln zur Zeit mit jedem der großen deutschen Energieversorger", bestätigt Telekom-Sprecher Ulrich Lissek auf Anfrage des Handelsblatts.Erste Gespräche hätten schon gezeigt, daß es interessante Bewegungsspielräume gebe.Die Telekom setzt darauf, künftig unabhängig von ihren über das gesamte Bundesgebiet verteilten Standorten nur mit einem Stromlieferanten über Mengen, vor allem aber über Preise verhandeln zu können.Auch große in Berlin ansässige Großunternehmen verfolgen diese Strategie.Bislang war es nur möglich, Strom von demjenigen Versorger zu beziehen, der über das Gebietsmonopol am jeweiligen Firmenstandort verfügt.Die Deutsche Telekom rechnet aufgrund der künftig freien Wahl ihres Stromlieferanten mit einem Sparpotential in zweistelliger Millionenhöhe.Die gesamte Stromrechnung der Telefongesellschaft beläuft sich derzeit nach Unternehmensangaben auf rund eine halbe Mrd.DM jährlich, das entspricht rund 2,5 Mrd.Kilowattstunden. Auf Auslandsmärkten sind die Strompreise für große und mittlere Industriekunden nach der Liberalisierung um bis zu einem Drittel gesunken.Veba-Chef Ulrich Hartmann warnt allerdings vor allzu großen Hoffnungen.In den letzten Jahren seien die Preise in Deutschland schon kräftig gesunken.Gleichwohl erwartet Hartmann, daß "Großkunden mit Standorten in ganz Deutschland für alle ihre Standorte möglichst einen Produzenten aussuchen, und zwar den, der am günstigsten liefert." RWE-Chef Dietmar Kuhnt sagte am Donnerstag, bei sogenannten Kettenkunden (Betriebe mit mehreren Abnahmestellen) seien in den vergangenen Monaten erste Abschlüsse mit Rabattregelungen und längerfristigen Kundenbindungen abgeschlossen worden.Auch die großen Handelskonzerne sind dabei, ihren bundesweiten Energiebedarf zu bündeln und zentrale Stromeinkaufsorganisationen zu bilden. Die Daimler-Benz AG, will dagegen keine bundesweite Ausschreibung der Energieversorgung starten.Das sei Sache der einzelnen, als Profitcenter arbeitenden Werke, hieß es auf Anfrage.Das größte Daimler-Werk im Konzernverbund, Sindelfingen, rechnet nach Aussagen eines Sprechers mit Einsparungen von 20 Prozent.Es werde ausgelotet, "was der Markt hergibt".Dennoch macht sich die Energie Baden-Württemberg AG (EBW) Hoffnungen, auch die nicht in Baden-Württemberg angesiedelten Daimler-Betriebsstätten demnächst mit Energie zu versorgen. Die Berliner Großverbrauchern Schering, Herlitz und Siemens sondieren gegenwärtig den Markt.Schering verbraucht jährlich rund 80 Mill.Kilowattstunden am Standort Berlin, davon stammt rund die Hälfte aus dem eigenen Kraftwerk.Für die Zukunft wird erwogen, die Versorgung aller fünf deutschen Schering-Standorte bei einem Lieferanten zu konzentrieren.Ähnliche Überlegungen gibt es bei Herlitz, die derzeit die Werke in Tegel und Falkensee von unterschiedlichen Energieversorgern "unter Strom" setzen lassen und bei Siemens, die gegenwärtig mit der Bewag verhandeln.

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