Verhandlungserfolg : Einigung in Chemie-Tarifverhandlungen

Für die rund 550.000 Beschäftigten in der chemischen Industrie gibt es einen neuen Tarifvertrag. Die Vertreter von Arbeitgebern und Gewerkschaften haben sich bei der zweiten bundesweiten Tarifrunde auf eine Entgelterhöhung von 2,7 Prozent geeinigt.

Lahnstein (16.06.2005, 19:42 Uhr) - Die Vertreter des Bundesarbeitgeberverbandes Chemie (BAVC) und der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) vereinbarten im rheinland-pfälzischen Lahnstein eine Entgelterhöhung um 2,7 Prozent bei einer Laufzeit von 19 Monaten. Dies teilten die Tarifparteien am Abend mit.

Zusätzlich einigten sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer auf eine Einmalzahlung von 1,2 Prozent des Monatsentgelts bezogen auf die tarifliche Laufzeit - also multipliziert mit 19. Die Einmalzahlung muss spätestens im Februar 2006 geleistet werden. Für diese Vereinbarung gibt es allerdings eine Öffnungsklausel: Bei einer entsprechenden Betriebsvereinbarung kann sie laut Mitteilung des BAVC aus wirtschaftlichen Gründen verschoben, gekürzt werden oder ganz wegfallen.

Der Tarifvertrag gilt bundeseinheitlich, tritt aber regional unterschiedlich zwischen 1. Juni und 1. August in Kraft. Die Auszubildenden erhalten Tariferhöhung und Einmalzahlung auf Basis der 2004 eingefrorenen Ausbildungsvergütung. Der Manteltarifvertrag wurde überarbeitet und um zwei Jahre verlängert. Er regelt unter anderem die Wochenarbeitszeit von 37,5 Stunden.

Mit ihrer Forderung nach einer Besserstellung von Gewerkschaftsmitgliedern, etwa mehr freien Tagen für Weiterbildung, scheiterte die IG BCE. «Das Thema war auf der Tagesordnung, wir konnten uns jedoch in dieser Runde nicht durchsetzen», sagte der Verhandlungsführer der Gewerkschaft, Werner Bischoff.

Dagegen gab es Einigungen bei Fragen der Ausbildung und der Altersvorsorge: Von 1. Januar 2006 an gilt in der Chemieindustrie ein Vertrag über die verbindliche tarifliche Altersvorsorge. Die Arbeitgeber erhöhen die Zahl der Ausbildungsplätze 2006 um 1,6 Prozent und 2007 um weitere 1,7 Prozent. «Die Arbeitgeber sind mit der Belastung des Tarifpaketes an die Grenzen des Machbaren gegangen», sagte der BAVC-Verhandlungsführer Hans-Carsten Hansen. Die Entgelterhöhung entspreche wegen der langen Vertragslaufzeit einer jährlichen Belastung von zwei Prozent. (tso)

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