Verhandlungspoker : GM hält sich bei Opel alles offen

Weiter Verwirrung um die Zukunft von Opel: Der US-Konzern rückt offenbar von den Verkaufsplänen ab. Für die deutschen Werke hätte dies gravierende Folgen.

R. Obertreis,H. Mortsiefer
Opel
Das Opel-Spitzentreffen ist beendet. Eine schnelle Lösung wird es wohl nicht geben. -Foto: dpa

Berlin/Frankfurt am Main - Die Zukunft von Opel ist wieder offen. Meldungen, wonach General Motors (GM) seine deutsche Tochter nun komplett behalten wolle, wurden am Dienstag weder dementiert noch bestätigt. Automobilexperten zeigten Verständnis: Für Opel sei der Verbleib bei GM nicht die schlechteste Lösung. Einschnitte und eine Restrukturierung bei Opel seien unumgänglich. Dies werde auch notwendig, sollte das von Betriebsrat und Bundesregierung favorisierte Konsortium aus dem kanadisch-österreichischen Autozulieferer Magna, dem russischen Autobauer Gaz und der russischen Sberbank den Zuschlag bekommen oder der Finanzinvestor RHJ ins Boot geholt werden.

Nach einem Gespräch zwischen GM- Verhandlungsführer John Smith und der Opel-Verhandlungsgruppe von Bund und Ländern hieß es in Regierungskreisen, im Aufsichtsrat von GM gebe es noch erheblichen Informationsbedarf. Dies liege vor allem an der neuen Zusammensetzung des Gremiums nach Abschluss des Insolvenzverfahrens. Das Management von GM habe aber deutlich gemacht, dass man weiterhin an einer Investorenlösung interessiert sei.

Ein möglicher Verbleib von Opel bei GM stieß bei Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz auf Widerstand: „Wir Arbeitnehmer würden das nicht akzeptieren.“ Franz befürchtet dann Werksschließungen und Streichungen im Modellangebot.

Jürgen Pieper, Autoexperte beim Bankhaus Metzler, dagegen mahnt zu einer realistischen Einschätzung der Lage. „GM ist nach dem Insolvenzverfahren heute ein radikal anderes Unternehmen als noch vor sechs Monaten. Schulden und Pensionslasten sind deutlich reduziert. Schlechte Unternehmensteile wurden abgestoßen“, sagte Pieper. Nach seiner Auffassung ist Opel für GM die wichtigste Auslandsmarke, mit Blick auf Europa und den russischen Markt. Zum anderen sei der US-Konzern auf die Kompetenz der Opel-Ingenieure für die Entwicklung von Klein- und Mittelklassewagen angewiesen. „All das gibt man nicht einfach aus der Hand“, sagte Pieper. Dennoch sei die finanzielle Lage bei Opel katastrophal. Dem Vernehmen nach erwartet das Management 2009 einen Verlust von rund 2,4 Milliarden Euro bei europaweit 1,25 Millionen verkauften Autos (Marktanteil: sieben Prozent). Selbst das Mittelklasse-Modell Insignia ist nach Meinung von Jürgen Pieper zwar ein gutes Auto, komme aber trotz 140 000 Bestellungen in Europa nicht an den VW-Passat heran.

Ferdinand Dudenhöffer, Autoexperte der Universität Duisburg, hält indes wenig von GM. „GM hat 30 Jahre schlecht gearbeitet, warum soll es jetzt besser werden? Das Management ist auch nach der Insolvenz das alte.“ Dudenhöffer fürchtet, dass GM die Bundesregierung nach der Wahl unter Druck setzt und neue Kredite fordert, ansonsten werde Opel in die Insolvenz geschickt. Anders Willi Diez, Direktor des Instituts für Automobilwirtschaft in Nürtingen, der einen Verbleib von Opel im GM-Konzern positiv bewertet. „Das könnte auch eine Chance sein.“ GM werde allerdings nicht die finanziellen Ressourcen haben, um Opel zu sanieren. Diez hält deshalb einen Einstieg des Finanzinvestors RHJ für sinnvoll. Die Bundesregierung lehnt dies ab und hat nur Magna Unterstützung zugesagt. „Die Bundesregierung sollte ihre einseitige Position überprüfen und sich fragen, ob sie noch zeitgemäß ist“, kritisierte Diez.

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