Verhandlungspoker : Überraschung im AEG-Streit

Im AEG-Konflikt hat der Electrolux-Konzern überraschend seinen Verhandlungsführer ausgewechselt und damit die IG Metall unter Druck gesetzt.

Nürnberg/Stockholm - Ab sofort werde der Produktionschef für Europa, Horst Winkler, die Verhandlungen auf Konzernseite leiten, teilte Electrolux am Dienstag mit. AEG-Geschäftsführer Dieter Lange sei als bisheriger Verhandlungsführer zurückgetreten.

Die IG Metall hatte wiederholt beklagt, das AEG-Verhandlungsteam müsse sich ständig mit dem Konzern in Stockholm abstimmen, und gefordert, es sollten Manager «mit Entscheidungskompetenz» am Konferenztisch sitzen. Winkler erklärte: «Die IG Metall will unbedingt, dass ich am Tisch sitze - kein Problem.» Im Gegenzug erwarte er, «dass spätestens am Mittwoch endlich ernsthaft über konkrete Lösungen gerungen wird.» Der bisherige Verhandlungsführer Lange erklärte, er wolle die Gespräche nicht blockieren. «Jetzt hat die IG Metall eine Ausrede weniger, die Verhandlungen zu verschleppen.»

Die IG Metall reagierte überrascht. «Der Austausch von Personen bedeutet noch nichts», sagte Verhandlungsführer Werner Neugebauer der dpa. «Wenn Winkler die nötigen Kompetenzen hat, sollte es mich freuen.» Er selbst sei von Electrolux zunächst noch gar nicht über den Wechsel informiert worden. Ob bereits am Mittwoch verhandelt werden könne, bezweifle er stark, fügte Neugebauer hinzu.

Wegen hoher Kosten für die geplante Schließung des Nürnberger AEG-Werkes rutschte der weltweit größte Hausgerätehersteller Electrolux zum Jahresabschluss in die roten Zahlen. Konzernchef Hans Stråberg zeigte sich mit der Bilanz für 2005 dennoch zufrieden. Er sei «vor allem erfreut über den Trend zu höheren Ertragsraten, der sich bei Haushaltsgeräten über alle Regionen ausgebreitet hat», sagte Stråberg am Dienstag in Stockholm. Auch 2006 erwarte man eine positive Entwicklung.

In der Bilanz für das vierte Quartal schlugen die bereits reservierten Mittel für die Verlagerung der Produktion von Nürnberg nach Polen mit 2,1 Milliarden Kronen (224 Millionen Euro) zu Buche. Dadurch schloss Electrolux das Jahr mit einem Nettoverlust von 448 Millionen Kronen für die letzten drei Monate gegenüber 748 Millionen Kronen Gewinn im Vorjahreszeitraum ab. Im Jahresverlauf blieb nach Abzug von insgesamt drei Milliarden Kronen für Strukturmaßnahmen ein Reingewinn von 1,8 Milliarden Kronen gegenüber 3,3 Milliarden Kronen 2004. Der Umsatz legte um 7,3 Prozent auf 129,5 Milliarden Kronen zu. Wichtigster Anteilseigner ist die schwedische Industriellenfamilie Wallenberg mit 27 Prozent.

Electrolux-Chef Stråberg warf der IG Metall vor, die Beschäftigten im AEG-Konflikt als «Geiseln» zu nehmen. «Für unsere Beschäftigten hoffe ich, dass es ein Resultat gibt. Es ist nicht fair, wenn sie als Geiseln benutzt werden», sagte er in einem dpa-Gespräch. Stråberg bekräftigte zugleich, dass an der Schließung des seit 20. Januar bestreikten Nürnberger AEG-Hausgerätewerks kein Weg vorbei führe. Selbst ein mehrmonatiger Streik ändere nichts daran, «dass es hier um eine Fabrik geht, die nicht konkurrenzfähig ist», unterstrich der Electrolux-Chef. «Da können wir nicht weitermachen.» (tso/dpa)

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