Wirtschaft : Verhinderter Weltkonzern

Wirtschaftlich steht EADS so gut da wie lange nicht. Da kommt der Einstieg des Staates gar nicht recht

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Bisher nur ein Modell. Der A350 soll jetzt erst im ersten Halbjahr 2014 statt Ende 2013 ausgeliefert werden. Foto: AFP
Bisher nur ein Modell. Der A350 soll jetzt erst im ersten Halbjahr 2014 statt Ende 2013 ausgeliefert werden. Foto: AFPFoto: AFP

Aschau im Chiemgau - Ein neuer Großaktionär kommt. Da gehört es zum Ritual in jedem normalen Unternehmen, dass ein Chef diesen freundlich begrüßt. Auf eine gute gemeinsame Zukunft, wäre die übliche Floskel. Beim Luft- und Raumfahrtkonzern EADS aber ist wenig normal. Dort ist man mehr als unglücklich darüber, dass nun die staatseigene KfW 7,5 Prozent der Aktien übernehmen soll: „Davon halte ich überhaupt nichts. Das geht in die völlig falsche Richtung“, sagte Tom Enders, Chef der größten EADS- Tochter Airbus, am Donnerstag im bayerischen Aschau. „Wir brauchen nicht mehr staatliche Aktionäre, nicht mehr staatliche Einflussnahme, sondern weniger – das habe ich schon immer gesagt.“

Dieser auf rund 1,3 Milliarden Euro geschätzte Anteil, der Anfang kommenden Jahres in Staatshand gehen soll, gehört Daimler. Und Daimler-Chef Dieter Zetsche hatte in den vergangenen zwei Jahren mehrfach klargemacht, dass er sich davon trennen will. Luft- und Raumfahrt gehörten nicht zum Kerngeschäft eines Autobauers, lautet ein Argument. Damit rüttelte Zetsche an der einst sorgfältig ausgehandelten Aktionärsstrukur, die zum Ziel hatte, dass Deutsche und Franzosen gleich große Anteile an dem EADS-Konzern halten, der auch diverse Rüstungsgüter herstellt. Auch daher ist der Fall politisch sensibel.

Deutsche und Franzosen – für Enders sind das nicht mehr die ausschlaggebenden Kategorien. Berechtigte nationale Interessen, strategisch wichtige Industrien gegen feindliche Übernahmen zu schützten, ließen sich auch auf anderem Wege gewährleisten, sagte er.

Und Beteuerungen des Wirtschaftsministeriums, es handele sich nur um einen vorübergehenden Einstieg, mag er auch nicht so recht glauben. „Sogenannte vorübergehende Lösungen haben die unangenehme Eigenschaft, sich langfristig zu verfestigen“, sagte Enders und erinnerte an das EADS-Gründungsjahr 1999. Damals seien die französischen und spanischen Staatsanteile auch als „nur vorübergehend“ deklariert worden.

Bei EADS fürchtet man jetzt gar, dass wenn Daimler auch seine restlichen Aktien abgibt, EADS irgendwann zu mehr als 50 Prozent in Staatsbesitz sein könnte. Für Airbus-Chef Enders, der im kommenden Sommer Louis Gallois als Chef der Muttergesellschaft ablösen könnte, keine schöne Vorstellung. Kurzum, der deutsche Staatseinstieg kommt für den Luft- und Raumfahrtkonzern in einer Zeit, in der EADS sich immer globaler aufstellen will: Gallois definierte in Aschau Europa, Nordamerika und Schwellenländer als drei starke Säulen, auf denen EADS stehen solle. Während Russen, Chinesen, Brasilianer, Kanadier und – mit Abstrichen – auch US-Amerikaner mit sehr national gefärbten Unternehmen auf dem Markt für Luft-, Raumfahrt und Rüstung präsent sind, sei es eigentlich die Stärke von EADS, als echter Weltkonzern auftreten zu können.

Und derzeit läuft das Geschäft gut. Wie EADS am Donnerstag mitteilte, konnte der Konzern in den ersten neun Monaten Aufträge im Wert von 93,3 Milliarden Euro verbuchen – 63 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Das Auftragsbuch ist mit Bestellungen im Wert von 503 Milliarden jetzt so dick wie nie: Die Gesellschaft hat Arbeit für sechs bis sieben Jahre. Der Umsatz stieg von Januar bis September auf 32,7 Milliarden Euro, das waren vier Prozent mehr als im Vergleichzeitraum 2010. Zwar drückt eine Verzögerung bei der Entwicklung des neuen Langstreckenfliegers A350 das Ergebnis um 200 Millionen, trotzdem stieg der Gewinn vor Einmaleffekten (bereinigtes Ebit) um 29 Prozent auf 1,1 Milliarden, Daher erhöhte der Vorstand die Prognose auf 1,45 Milliarden Euro Gewinn.

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