Verkäufe : Deutsche Bank wirft Ballast ab

Das Institut fädelt den Verkauf von Kreditpaketen in Höhe von bis zu 20 Milliarden Dollar ein. Käufer sollen Finanzinvestoren sein.

Stefan Kaiser

Berlin - Die Deutsche Bank steht offenbar kurz vor dem Verkauf eines milliardenschweren Kreditpakets. Finanzkreisen zufolge will sich das größte deutsche Geldhaus von Darlehen zur Finanzierung von Übernahmen im Volumen von bis zu 20 Milliarden Dollar (rund 13 Milliarden Euro) trennen. Möglicher Käufer sei eine Gruppe verschiedener Finanzinvestoren, hieß es. Die Deutsche Bank wollte sich am Montag nicht zu dieser Meldung äußern.

Wenn der Verkauf gelänge, wäre die Deutsche Bank auf einen Schlag einen großen Teil ihrer Belastungen durch die Finanzkrise los. Die Kreditzusagen für Firmenübernahmen, die vor allem an Finanzinvestoren gewährt wurden, sind das größte Risiko in den Geschäftsbüchern der Deutschen Bank. Für Ende 2007 hat die Bank das Volumen solcher Kredite und Kreditzusagen auf 36 Milliarden Euro beziffert. Bis zu einem Drittel davon soll nun zum Verkauf stehen.

So viele Übernahmekredite wie die Deutsche Bank dürfte weltweit kaum ein anderes Institut in den Geschäftsbüchern haben. Ähnliche Größenordnungen erreicht sonst nur noch die amerikanische Citigroup. Auch sie ist nach Informationen aus Finanzkreisen dabei, ein Kreditpaket zu verkaufen. Dabei soll es um zwölf Milliarden Dollar (rund acht Milliarden Euro) gehen, die von einer Gruppe von Finanzinvestoren übernommen werden sollen. Als Interessenten gelten Blackstone, KKR, Apollo Management und TPG. Sie sind auch als mögliche Käufer des Kreditpakets der Deutschen Bank im Gespräch.

Dass die Banken offenbar wieder Abnehmer für ihre Kredite finden, wird in Finanzkreisen als gutes Zeichen gewertet. Es zeige, dass der Markt für diese Kredite allmählich wieder zurückkehre, urteilte Analyst Konrad Becker von Merck Finck am Montag. Bernd Knobloch, Chef von Europas größtem Immobilienfinanzierer Eurohypo sieht „ein erstes Zeichen, dass das Vertrauen in die Märkte wieder zurückkommt.“ Auch die Größenordnung der Verkäufe sei wichtig, damit die Banken wieder neues Geschäft aufnehmen könnten.

Seit Ausbruch der Finanzkrise im vergangenen Sommer war der Handel mit Krediten international praktisch zum Erliegen gekommen, weil sich die Banken untereinander nicht mehr trauten. Auch neue Kredite für Firmenübernahmen wurden nicht mehr gewährt. Darunter hatten vor allem die Finanzinvestoren zu leiden. Sie sind in Deutschland auch als „Heuschrecken“ bekannt, ein Wort, das der ehemalige SPD-Vorsitzende Franz Müntefering im Wahlkampf 2005 geprägt hatte. Das Geschäftsmodell der meisten Finanzinvestoren besteht im Wesentlichen darin, Unternehmen oder Unternehmensteile mit einem hohen Anteil an geliehenem Geld zu übernehmen und später mit Gewinn weiterzuverkaufen. Weil keine Kredite mehr flossen, mussten sie dieses Geschäft in den vergangenen Monaten weitgehend einstellen. Nun sorgen ausgerechnet diese Finanzinvestoren dafür, dass sich der Kreditmarkt wieder entspannt. Sie kaufen den Banken die Kredite ab, die diese zuvor an andere Finanzinvestoren vergeben hatten.

Doch für die Banken hat der Verkauf nicht nur Vorteile. Sie dürften dabei Geld verlieren. Es sei nicht davon auszugehen, dass die Kredite verkauft werden könnten, ohne einen Abschlag hinnehmen zu müssen, sagte Analyst Konrad Becker. Die Citigroup etwa bekommt angeblich nur 90 Prozent des Nennwerts der zu verkaufenden Kredite zurück. In Finanzkreisen ist von Abschlägen bis zu 20 Prozent die Rede. Dadurch könnten neue Wertberichtigungen in den Bankbilanzen notwendig werden. Das fürchten offenbar auch die Börsianer. Die Aktie der Deutschen Bank gab am Montag um 1,2 Prozent nach.

Deutschlands größtes Kreditinstitut hat t bisher im Zuge der Finanzkrise rund 4,8 Milliarden Euro abgeschrieben – davon 2,5 Milliarden Euro in den ersten drei Monaten 2008. Ein Großteil der Wertverluste ist dabei auf die Übernahmekredite zurückzuführen. Ob durch den geplanten Verkauf neue Belastungen hinzukommen, hängt davon ab, zu welchem Wert die Bank die Kredite bisher bilanziert hat und zu welchem Wert sie diese nun tatsächlich verkauft. Klarheit darüber könnte es am 29. April geben. Dann legt die Bank offiziell ihre Zahlen für das erste Quartal des Jahres vor und wird sich vermutlich auch zu den aktuelleren Entwicklungen aus dem zweiten Quartal äußern.

Neben den Krediten für Firmenübernahmen belasten auch Wertpapiere aus dem Immobilienbereich die Bilanz der Bank – allerdings weniger stark als bei den meisten Konkurrenten.mit HB

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