Wirtschaft : Verkauf der Marke scheitert am Geld - BMW und Alchemy zerstreiten sich wegen Zahlung von Abfindungen

Die Gespräche zwischen BMW und der Investmentgruppe Alchemy über einen Verkauf von Rover sind am Freitag überraschend geplatzt. Britischen Medien zufolge konnten sich BMW und Alchemy nicht darauf verständigen, wer in welcher Höhe für Abfindungen aufkommen solle. Einigen tausend Rover-Mitarbeitern droht nun die Entlassung. Analysten werteten das Scheitern der Übernahme als schweren Schlag für BMW.

Ein BMW-Sprecher betonte am Freitag, auch für den Fall einer Schließung von Rover seien in der 1999er Bilanz ausreichend Rückstellungen getroffen worden. Der Konzern schloss das vergangene Jahr wegen der Rover-Krise zum ersten Mal seit Jahrzehnten mit einem Milliardenverlust. Das Minus belief sich auf knapp 4,9 Milliarden Mark. Rover rutschte tiefer in die roten Zahlen und steigerte seine Verluste auf rund 2,4 Milliarden Mark. Nach Schätzungen von Analysten kostete das Rover-Debakel den BMW-Konzern bis zu zehn Milliarden Mark. Mehrere Vorstandsmitglieder des Münchener Autobauers, darunter auch Bernd Pischetsrieder als Vorstandsvorsitzender, mussten im Zuge der Krise das Unternehmen verlassen.

BMW-Chef Joachim Milberg hatte Mitte März die Trennung von Rover angekündigt. Wegen des hohen Pfundkurses und des schwachen Rover-Absatzes sei der Verkauf die beste Lösung. Die britische Regierung und Gewerkschaften kritisierten die geplante Trennung, da Alchemy viele Arbeitsplätze abbauen wollte. Die britische Regierung sieht im Scheitern der Verhandlungen zwischen BMW und Alchemy eine neue Gelegenheit für bessere Angebote zur Übernahme von Rover. Das Industrie- und Handelsministerium in London teilte mit, neue Übernahmeinteressenten könnten möglicherweise mehr Arbeitsplätze bei Rover sichern als Alchemy. Industrieminister Stephen Byers wollte noch am Freitag mit dem früheren Rover-Manager John Towers sprechen, dessen Phoenix-Konsortium BMW ein Angebot zur Übernahme von Rover gemacht hatte. Die britischen Gewerkschaften und die Regierung unterstützten Towers, weil er nur 2000 Arbeitsplätze bei Rover streichen will.

Noch am Donnerstag hatte sich Alchemy sehr optimistisch über einen erfolgreichen Abschluss der Verhandlungen geäußert. Auch BMW erklärte bis zuletzt, die Gespräche mit Alchemy verliefen "viel versprechend" und "zielgerichtet". Nach dem Rückzug von Alchemy ist nun zunächst das Phoenix-Konsortium der einzige Kaufinteressent. BMW hatte allerdings bisher erklärt, das Phoenix-Konsortium habe trotz einer Aufforderung bisher keine ausreichende finanzielle Absicherung für sein Angebot unterbreitet. In der BMW-Konzernzentrale verwies man nun allerdings auch darauf, die britische Regierung habe immer wieder betont, sie unterstütze die Phoenix-Offerte.

In Rovers größter Fabrik Longbridge bei Birmingham wurde die Nachricht von Alchemys Rückzug mit Jubel aufgenommen. "Ich schwebe im siebten Himmel. Das ist die Nachricht, auf die wir alle gewartet haben", sagte der Betriebsrat Ian Robinson, der noch am Tag zuvor in München demonstriert hatte. Er und andere Gewerkschaftssprecher äußerten die Hoffnung, dass BMW jetzt ernsthaft mit Phoenix verhandeln werde. Im Gegensatz zu den nun obsoleten Plänen von Alchemy will Phoenix die Massenproduktion von Autos bei Rover aufrechterhalten und den Großteil der Arbeitsplätze nach jetzigen Plänen sichern.

Trotz der neuen Situation will BMW den Verkauf der Marke Land Rover an Ford planmäßig bis Mitte des Jahres abschließen. Dann soll auch die Zukunft von Rover endgültig geklärt sein. BMW steigerte den Konzernumsatz im vergangenen Jahr um 6,6 Prozent auf 66,5 Milliarden Mark. Mit seiner Stammmarke BMW erzielte der Konzern einen Rekordgewinn von 4,1 Milliarden Mark, gut fünf Prozent mehr als im Vorjahr. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit stieg im Konzern trotz der Rover-Verluste um 4,7 Prozent auf 2,2 Milliarden Mark.

Analysten bezweifelten, dass BMW einen Käufer für Rover finden wird. Sie sähen niemanden, sagten Peter Worel von der Bayerischen Landesbank und Gilly Filsner von Ludvigsen Associates. Gavin Launder von Warburg Dillon Read sagte, vielleicht würde BMW jetzt von Ford übernommen. "Das Timing wäre perfekt, und Ford hatte immer schon ein Auge auf BMW." Der amerikanische Autokonzern könnte Rover mit geringerem politischen Widerstand schließen. Die Familie Quandt, die die Hälfte der BMW-Aktien besitzt, lehnte am Freitag jeden Kommentar ab.

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