Wirtschaft : Verkauf der Wasserbetriebe kurz vor dem Abschluß

BERLIN (dw).Die Teil-Privatisierung der Berliner Wasserbetriebe steht offenbar kurz vor dem Abschluß.Wie der Tagesspiegel am Mittwoch aus Senatskreisen erfuhr, finden die Schlußgespräche im Bieterverfahren "unmittelbar nach Pfingsten - wahrscheinlich am Dienstag kommender Woche" statt.Der Verkauf des 49prozentigen Aktienpaketes durch das Land Berlin ist der größte Privatisierungsfall eines städtischen Wasserversorgers überhaupt und soll nach Schätzungen weit mehr als zwei Mrd.DM einbringen.Die Berliner Wasserbetriebe erklärten unterdessen, sie würden bis zum Jahr 2005 rund 700 Arbeitsplätze abbauen.

In den letzten Tagen waren wiederholt Zweifel darüber aufgetaucht, ob die mehrfach verschobene BWB-Privatisierung überhaupt noch stattfindet.Während sich die Kauf-Interessenten bei den früheren Privatisierungen von Bewag und Gasag bis zuletzt auch öffentlich positionierten, herrscht beim BWB-Verkauf nach Insider-Meinung "eine gespenstische Ruhe".Das allzu komplizierte Privatisierungsmodell sei "ein Kompromiß vom Kompromiß" und den Käufern möglicherweise gar nicht mehr zu vermitteln.Einzelne Stimmen schätzten die Chancen der Privatisierung am Mittwoch auf "fifty-fifty" ein.Der Sprecher der Finanzsenatorin Annette Fugmann-Heesing wiegelte am Mittwoch jedoch ab: "Wenn man nichts hört, wird gearbeitet."

Hinter den Kulissen wird gefochten.Der französische Mischkonzern Suez Lyonnaise des Eaux trat am Mittwoch mit dem Versprechen hervor, daß rund 85 Prozent aller Fremdaufträge an Unternehmen "aus der Region" vergeben werden, wenn man bei den Wasserbetrieben den Zuschlag erhalte.Suez Lyonnaise bietet zusammen mit der Bankgesellschaft Berlin für das landeseigene Aktienpaket.Daneben sollen noch der US-Konzern Enron und ein Konsortium der französischen Vivendi-Gruppe mit dem Essener RWE-Konzern im Rennen sein.

PreussenElektra hatte ein von der Ausschreibung abweichendes Angebot vorgelegt - und vom Senat die Chance bekommen, dieses nachzubessern.PreussenElektra lehnte die Nachbesserung jedoch ab und erklärte, die Einstieg sei unter den gegenwärtigen Bedingungen für sie nicht attraktiv.

Unterdessen teilten die Berliner Wasserbetriebe mit, daß bis zum Jahr 2005 rund 700 Arbeitsplätze abgebaut werden.Der Stellenabbau sei "eine logische Folge des in Berlin stetig sinkenden Wasserverbrauchs, des technischen Fortschritts und anderer Rationalisierungsmaßnahmen", erklärte BWB-Sprecher Stephan Natz.Meldungen aus der Boulevard-Presse, die BWB wollten bis 2004 rund 1500 Arbeitsplätze abbauen, dementierte er nachdrücklich.

Natz betonte, daß Arbeitsplätze auch künftig "nur sozialverträglich, also durch Vorruhestands- und Altersteilzeitverträge, abgebaut werden können." Diese Praxis habe sich bei den Berliner Wasserbetrieben bei der Reduzierung von insgesamt 1200 Stellen seit 1994 bewährt.Während dieser Zeit seien rund 1000 BWB-Mitarbeiter inter auf neue Stellen umgesetzt worden.Gleichzeitig hätten die Berliner Wasserbetriebe seit 1994 in ihren deutschen Tochter- und Beteiligungsgesellschaften insgesamt rund 1100 neue Stellen geschaffen oder gesichert, darunter rund 480 in Berlin, hieß es.Der Berliner Senat hatte am Dienstag einen Tarifvertrag unterschrieben, wonach bei den BWB betriebsbedingte Kündigungen für die nächsten 15 Jahre ausgeschlossen werden.Diese Regelung sei für die anstehende Privatisierung "kein Problem" hieß es, da viele BWB-Mitarbeiter über 45 Jahre alt und länger als 15 Jahre im Unternehmen seien, was sie ohnehin "praktisch unkündbar" mache.

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