Wirtschaft : Verkauf der Weberbank kommt nicht voran

Tochter der Bankgesellschaft verstärkt ihr Investmentbanking

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Berlin (dr). Bei der Berliner Weberbank ist man optimistisch für das Geschäftsjahr 2004. Die Entscheidung der EUKommission, dass die Bankgesellschaft Berlin die Privatbank verkaufen müsse, gebe Planungssicherheit, und er sei „zuversichtlich, dass die Beteiligten eine vernünftige Lösung finden werden“, sagte Christian Grün, Sprecher der Geschäftsleitung und einer der persönlich haftenden Gesellschafter. Die Bankgesellschaft hält über die Landesbank Berlin (LBB) rund 95 Prozent an der Privatbank.

Bisher scheitert ein Verkauf allerdings daran, dass die drei persönlich haftenden Gesellschafter auf ihren Verträgen beharren. Diese Verträge – so die Sicht der LBB – sichern ihnen eine sehr „vorteilhafte Situation“ und schrecken potenzielle Käufer ab. Als Vermittler ist zwar inzwischen der Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Bank und Präsident des Bundesverbandes der deutschen Banken, Rolf E. Breuer eingeschaltet, die Gespräche kommen aber offenbar nicht voran. Über Ergebnisse wurde Stillschweigen vereinbart.

Für das abgelaufene Geschäftsjahr 2003 weist die Weberbank einen Bilanzgewinn von 9,88 Millionen Euro aus. Trotz eines Rückgangs um 3,6 Millionen Euro bezeichnete Grün dies als „zufriedenstellend“. So müssten dem Ergebnis rund 1,6 Millionen Euro zugerechnet werden, die die Bank für eine noch nicht abgeschlossene Betriebsprüfung zurückgestellt hat. Rein rechnerisch ließe sich damit eine Dividende von 22 Prozent ausschütten. De facto werden 19 Prozent gezahlt, für 2002 waren es auf Grund von Sonderfaktoren sogar 26 Prozent. Die Cost-Income-Ratio, das Verhältnis von Verwaltungsaufwendungen zu ordentlichen Erträgen, gab Grün mit 55 Prozent an.

Der Rückgang des Zinsüberschusses einschließlich der laufenden Erträge aus Wertpapieren (58,6 Millionen Euro) um acht Prozent auf 65,7 Millionen Euro konnte durch den Anstieg des Provisionsergebnisses um acht Prozent auf 10,5 Millionen Euro nicht ganz ausgeglichen werden. Den Konkurrenzkampf unter den Banken bezeichnete Grün als „knallhart“, es sei sehr schwierig gute Margen zu erwirtschaften. Der Anstieg des Provisionsüberschusses zeige aber, dass es dem Institut gelungen sei, den Beitrag provisionspflichtiger Mandate für Unternehmen zu erhöhen. „Wir sind zuversichtlich, uns im lukrativen M&A-Geschäft mehr und mehr zu etablieren“, sagte Grün. Die Weberbank hat sich vor allem auf inhabergeführte Berliner Unternehmen konzentriert und hier laut Grün eine lukrative Nische erschlossen.

Das Kreditvolumen war im vergangenen Jahr leicht rückläufig, darin spiegelt sich die „sehr vorsichtige Kreditpolitik der Bank wider“, sagte Grün. Die Risikovorsorge konnte auf 11,7 (Vorjahr 15,5) Millionen Euro vermindert werden. Die Verwaltungsaufwendungen konnten um fünf Prozent auf 42,2 Millionen Euro gedrückt werden, die Mitarbeiterzahl sank bis zum Jahresende um sechs auf 323.

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