Verkauf : GM will Opel-Verkauf schnell besiegeln

Bis Oktober sollen die Verträge zwischen GM und Magna unterzeichnet sein. Dabei gibt der US-Konzern Rückendeckung für Sanierungskonzept - und stellt Gewinne bis 2011 in Aussicht.

Carsten Herz

Frankfurt am MainFrankfurt am Main  - General Motors will beim geplanten Opel-Verkauf an den österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna schnell zur Sache kommen und hält die Vereinbarung trotz des Streits in Europa nicht für gefährdet. „Ich sehe momentan keine ernsthaften Hindernisse mehr für den Deal“, sagte GM-Chef Fritz Henderson am Mittwoch in Frankfurt am Main am Rande der IAA. „Wir wollen diesen Verkauf abschließen.“

Der bisherige Mutterkonzern der Rüsselsheimer will die Verträge mit dem Zulieferer Magna und dessen russischem Partner Sberbank Anfang Oktober unterschreiben. Den endgültigen Abschluss des Geschäfts erwartet der GM-Boss bis Ende November. Allerdings schloss er auch eine Verzögerung des sogenannten Closings um einen Monat nicht aus.

„Die wichtigsten vier Abkommen mit Magna sind bereits ausgehandelt“, sagte Henderson. Es gehe nur noch um vier Nebenabsprachen, bei denen er keine Probleme mehr erwarte. Sowohl das Thema Vorkaufsrecht als auch die für GM lange Zeit problematische Frage des Technologietransfers nach Russland seien geklärt, betonte Henderson. So werde GM lediglich das Recht erhalten, im Falle eines Weiterverkaufs der Opel-Anteile ein eigenes Angebot zu unterbreiten. GM-Verhandlungsführer John Smith hatte noch jüngst von einem Vorkaufsrecht gesprochen.

Es sei geregelt, dass neben Opel nur der russische Autobauer Gaz Patente und Lizenzen von GM nutzen könne, sagte Henderson in Frankfurt. Der Magna-Partner Sberbank und GM hätten sich auch darauf verständigt, dass die Opel-Anteile ohne Veto der Amerikaner später an Gaz weiterverkauft werden könnten. GM hatte lange massive Bedenken gegen die russischen Partner von Magna geäußert und befürchtet, Technologie und Know-how könnten nach Russland gelangen.

Nach monatelangem Gezerre zwischen Deutschland und den USA hatte der GM-Verwaltungsrat vergangene Woche grundsätzlich entschieden, 55 Prozent von Opel an Magna und dessen russischen Partner Sberbank abzugeben. GM bleibt mit 35 Prozent an Opel beteiligt. Die Bundesregierung sagte im Gegenzug staatliche Hilfen von 4,5 Milliarden Euro zu. Die EU muss die Hilfen noch prüfen. Inzwischen ist über die Beihilfen, an denen sich auch andere Regierungen beteiligen sollen, ein Streit zwischen den Regierungen entbrannt. Mehrere Länder argwöhnen, dass das Magna-Konzept, das einen Großteil des Stellenabbaus außerhalb Deutschlands vorsieht, auf deutscher Einflussnahme fußt. Am Dienstag hatte sich nach Belgien auch Spanien skeptisch über den Verkauf von Opel an das Konsortium aus Magna und der russischen Sberbank geäußert.

GM-Chef Henderson gab im Streit um die Lasten der Opel-Rettung sowohl dem Zulieferer Magna als auch der Bundesregierung Rückendeckung. Er glaube nicht, dass die von deutscher Seite zugesagten Gelder gefährdet seien, sagte er. Die Restrukturierungspläne des neuen Opel-Eigners unterstützte der Automanager: „Ich glaube, der geplante Stellenabbau von 10 500 Jobs in Europa ist ausreichend“, sagte der GM-Boss. Auch General Motors habe im Frühjahr mit einer ähnlichen Größenordnung geplant, um Opel wieder wettbewerbsfähig zu machen. Dem Magna-Plan zufolge sollen in Deutschland rund 4500 Stellen und im Ausland weitere 6000 Arbeitsplätze nach einem Einstieg bei Opel wegfallen. Das Werk Antwerpen soll geschlossen werden.

Auch Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz hält den Stellenabbau für unvermeidlich. Die Restrukturierung durch Magna bedeute Arbeitsplatzabbau, sagte Franz dem Deutschlandfunk. Alle europäischen Opel-Länder müssten sich vor Augen führen, dass die Werke in Spanien, Polen, Belgien und England heute nur noch dank der deutschen Brückenfinanzierung am Leben seien.

GM-Chef Henderson widersprach Angaben aus Belgien, dass das Werk Antwerpen rentabler als das deutsche Werk Bochum sei. „Ich kenne nicht die letzten Zahlen“, sagte Henderson. „Aber im vergangenen Jahr war das nicht so.“ Ein Aus für das Werk in Belgien sei noch nicht beschlossene Sache, sagte Henderson, aber das Werk sei gefährdet. Opel wird nach Worten von Henderson im kommenden Jahr voraussichtlich einen deutlich geringeren Verlust schreiben als 2009. In zwei Jahren könnte der Rüsselsheimer Konzern dann die Gewinnschwelle erreichen. GM selbst strebe für das Jahr 2010 an, wieder Gewinne einzufahren.

In der neuen Europa-Strategie von GM wird die Marke Chevrolet künftig eine größere Rolle spielen. Die Verkaufszahlen in Europa sollen sich bis 2013 auf eine Million verdoppeln, sagte Chevrolet-Markenchef Wayne Brannon. Henderson betonte, dass GM auch nach der Abgabe der Opel-Mehrheit in Europa eine Mehrmarkenstrategie verfolge.

Die neue Führungsstruktur von Opel nimmt derweil Kontur an. Nach Magna sprach sich auch GM dafür aus, dass der bisherige GM-Europachef Carl-Peter Forster die operative Führung bei Opel übernehmen soll. Den neuen Opel-Aufsichtsrat soll laut Unternehmenskreisen der Magna-Manager Herbert Demel führen. HB

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