Verkauf : Höllenhund schluckt Chrysler

Daimler trennt sich endgültig von Chrylser und verkauft das Sorgenkind an den New Yorker Finanzinvestor Cerberus. Laut Daimler-Chrysler-Chef Dieter Zetsche soll die Trennung von Chrysler keinen personellen Kahlschlag mit sich bringen.

Berlin - Als "Hochzeit im Himmel" wurde die Fusion von Daimler und Chrysler einst gefeiert. Doch danach ging es fast nur bergab. Nach neun Jahren turbulenter Ehe trennt sich das ungleiche Paar aus Deutschland und den USA wieder. Und zumindest Chrysler findet sich nun statt im Himmel in der Unterwelt wieder. Der neue Besitzer des US-Konzerns heißt Cerberus - jener New Yorker Finanzinvestor, der sich nach dem Höllenhund der griechischen Sage nennt. Doch die Gewerkschaften warnen nicht vor dem neuen Besitzer. Und die Aktionäre klagen nicht über die Milliarden, die Daimler wegen Chrysler unter dem Strich verlor. Es scheint die Devise zu gelten: Hauptsache vorbei.

Am Valentinstag hatte Daimler-Chrysler-Chef Dieter Zetsche die Trennung von der US-Sparte erstmals ins Spiel gebracht. Nach Geheimverhandlungen teilt Zetsche exakt drei Monate später mit: Cerberus zahlt 5,5 Milliarden Euro für Chrysler, der Stuttgarter Konzern nimmt seinen Mädchennamen wieder an und wird Daimler AG heißen. Zetsche, einst selbst Chef der US-Sparte, sagt: "Persönlich ist mir die Entscheidung durch meine Verbindung nicht leicht gefallen". Aber, sagt er: "Wir mussten eine Lösung finden und wir haben die richtige Entscheidung getroffen."

Deutsche Arbeitnehmervertreter optimistisch

Neben Zetsche sitzt der Chef von Cerberus, John Snow, der vor kurzem noch US-Finanzminister war. Der macht sich sofort daran, die Vorbehalte gegen seine Firma - einer der als "Heuschrecken" geschmähten Fonds - zu zerstreuen. "Es geht um die Belegschaft und um ihr langfristiges Wohl", sagt Snow und wendet sich immer wieder lächelnd zu Zetsche und Chrysler-Chef Tom La Sorda neben ihm.

Die Gewerkschaften scheinen ihm zu glauben. "Die Transaktion mit Cerberus wird den Interessen unserer Mitglieder, der Chrysler Group und von Daimler am besten gerecht", lässt Ron Gettelfinger, Chef der Gewerkschaft UAW erklären. Zuvor hatte er sich noch gegen einen "Heuschrecken"-Einstieg gewehrt. Die deutschen Arbeitnehmervertreter stimmen mit ein: "Bei der Bewertung der Entscheidung war uns das Urteil unserer amerikanischen Freunde besonders wichtig", erklärt Gesamtbetriebsratschef Erich Klemm: "Wir denken, dass die Belegschaften auf beiden Seiten des Atlantiks in eine gesicherte Zukunft gehen können."

Die Daimler-Chrysler-Aktionäre wiederum hatten sich ohnehin nie besonders um das Schicksal der US-Sparte gesorgt. Auf der Hauptversammlung vor rund einem Monat forderten die meisten von ihnen vehement den Verkauf der Sparte, die den Kurs ihrer Aktien über Jahre ins Minus drückte. Schon in den vergangenen Wochen, als sich der Verkauf abzeichnete, stieg das Papier nach jahrelangem Dümpeln. Nach der Nachricht von der endgültigen Trennung schoss es weiter nach oben.

"Der Markt feiert das nicht umsonst"

"Der Verkauf von Chrysler ist sicher richtig", sagt Jürgen Kurz von der Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. "Der Markt feiert das nicht umsonst." Außerdem sei mit Cerberus ein guter Partner gefunden worden. Die vor 15 Jahren gegründete New Yorker Firma zähle zu den älteren Finanzinvestoren. Die Branchen-Urgesteine seien oft nicht mehr auf den schnellen Profit aus. Cerberus werde versuchen, Chrysler zu sanieren und an die Börse zu bringen.

Doch nicht alle sehen den Fonds mit dem Namen des Wachhundes, der in der Sage die Toten nicht zurück auf die Erde ließ, so positiv. "Der Verkauf an die Heuschrecke Cerberus wäre ein Schlag ins Gesicht der Mitarbeiter", erklären die Kritischen Aktionäre Daimler-Chrysler. Die Aktionärsschützer fordern vom Daimler-Aufsichtsrat, dem Deal nicht zuzustimmen. Sie fürchten weitere Massenentlassungen. "Mittelfristig könnte Chrysler in den Bankrott geführt werden", erklärt KADC-Sprecherin Beate Winkler-Pedernera.

In Stuttgart scheint dies niemanden zu interessieren. Dort sitzt Cerberus-Chef John Snow auf dem Podium, lächelt weiter verbindlich zu Zetsche und La Sorda und sagt: "Es wird sehr gut sein für Daimler und Chrysler." (Von Klaus Geiger, AFP)

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