Wirtschaft : Verkauf von Heiligendamm geplatzt

Investoren bleiben 30 Millionen schuldig. Neue Käufer sind schon in Aussicht.

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Verschmäht und begehrt. Nach dem Aus der Berliner Investoren ist ein neuer Interessent für das Grandhotel Heiligendamm in Aussicht. Und der bringt Erfahrung mit. Foto: dpa
Verschmäht und begehrt. Nach dem Aus der Berliner Investoren ist ein neuer Interessent für das Grandhotel Heiligendamm in...Foto: picture alliance / dpa

Heiligendamm - Das Grandhotel Heiligendamm bei Rostock geht endgültig nicht in Berliner Hände, sondern wird wahrscheinlich künftig von einem Schokoladenhersteller aus Halle an der Saale geführt. Einzelheiten will der Insolvenzverwalter Jörg Zumbaum an diesem Donnerstag vor der 240-köpfigen Belegschaft und anschließend der Presse mitteilen. Wie aber am Mittwoch aus dem Luxusressort verlautete, soll der Aufsichtsratschef des Schokoproduzenten „Halloren“, Paul Morzynski, die besten Chancen auf einen Erwerb des Luxusressorts an der Ostsee besitzen. Die Sprecherin des Grandhotels wollte diese Spekulationen nicht bestätigen, aber auch nicht dementieren. „Sie wissen ja, wie schnell sich die Situation in Heiligendamm ändern kann“, sagte Dorit Wehmeyer.

Seit dem Wochenende hatte Insolvenzverwalter Zumbaum, der die Geschäfte nach der Pleite des Eigentümers Anno August Jagdfeld im Februar vergangenen Jahres leitet, besonders aufmerksam die Bewegungen auf dem Konto des Hotels beobachtet. Immerhin 30 Millionen Euro sollten hier eingehen. Versprochen hatten diese Summe, die offiziell aber nie bestätigt worden war, zwei Berliner Firmen. Ende Mai waren in vornehmen Räumen des Hotels die Vertreter der Beratungs- und Immobilienfirma Palladio AG und der Investitionsgesellschaft De & De Holding GmbH ziemlich vollmundig zuerst vor die Angestellten und dann vor die Presse getreten. „Wir wollen diese Perle weiter auf dem Niveau eines Fünf-Sterne-Plus-Hotels entwickeln“, sagte damals der Palladio-Chef Michael Stehr. Seine Geldgeber würden in der Türkei, konkret in Istanbul, sitzen. Doch selbst die Anzahlung von rund zwei Millionen Euro waren die Investoren schuldig geblieben. Stattdessen ließ die Staatsanwaltschaft Rostock Mitte Juli Büroräume der beiden Firmen sowie mehrere Wohnungen in Berlin durchsuchen. „Wir ermitteln wegen des Verdachts des banden- und gewerbsmäßigen Betruges gegen sechs am Hotelkauf beteiligte Personen“, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Darunter befand sich offenbar auch ein Berliner Notar, der den Käufern eine falsche Finanzierungsbestätigung ausgestellt haben soll. Die Auswertung der sichergestellten Dokumente dauert nach Angaben der Staatsanwaltschaft noch an. Die Berliner Investoren wollten sich zu den Vorwürfen und dem geplatzten Deal nicht äußern.

In Heiligendamm selbst vermutet man, dass sie das Hotel noch im Juni stückweise veräußern und mit dem eingenommenen Geld die Forderungen des Insolvenzverwalters bedienen wollten. Für sie selbst wäre bei diesem Coup dann eine beträchtliche Summe abgefallen. Die potentiellen Käufer sollen am Persischen Golf, konkret im Emirat Katar, beheimatet gewesen sein. Zumbaum äußerte sich zu diesen Spekulationen nicht. Seine Sprecherin bestätigte lediglich, dass der vereinbarte Kaufpreis nicht überwiesen worden sei. Daher sei der Insolvenzverwalter vom Kaufvertrag zurückgetreten. Er habe noch am Dienstag Gespräche mit weiteren Interessenten am Hotel geführt.

Der jetzt im Fokus des Interesses stehende Paul Morzynski kann im Unterschied zur Palladio AG durchaus auf Erfahrungen im Hotelgeschäft verweisen. Er ist am Hotel Upstalsboom in Kühlungsborn und damit in der Nachbarschaft von Heiligendamm beteiligt. Beim Amtsgericht Hannover ließ er kürzlich eine Firma „Grand Resort Heiligendamm GmbH & Co KG“ eintragen.

Die Gäste im Grandhotel selbst sind von den Querelen um den missglückten Verkauf nicht betroffen. Die 180 Zimmer seien zum größten Teil seit Wochen ausgebucht, hieß es. Claus-Dieter Steyer

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