Verkauf von Neuwagen : Weniger Frauen am Steuer

Immer weniger Frauen schaffen sich ein neues Auto an. Die meisten Käuferinnen sind älter als 45 Jahre. Offenbar gibt es allerdings einige Automarken, die Frauen sehr wohl faszinieren.

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Klischee. Die junge, erfolgreiche Neuwagenkäuferin gibt es noch in der Werbung - im Autohaus wird sie immer seltener.
Klischee. Die junge, erfolgreiche Neuwagenkäuferin gibt es noch in der Werbung - im Autohaus wird sie immer seltener.Foto: imago

Die Scherze über Frauen am Steuer können selbst „Car Guys“ nicht mehr hören. In der von Männern dominierten Autobranche weiß man längst, dass Frauen beim Autokauf zu viel Einfluss haben, als dass man sich über ihre automobilen Unzulänglichkeiten lustig machen könnte. Kein Witz: Fragt man Autohändler, wer bei Paaren bei der Wahl der Farbe. der Ausstattung oder des Verbrauchs eines Neuwagens das letzte Wort hat, lautet die Antwort häufig: die Frau.

Allerdings wollen sich immer weniger Frauen überhaupt noch gerne mit einem neuen Auto beschäftigen. Im ersten Halbjahr 2015 sank ihr Anteil unter den Neuwagenkäufern auf 32,2 Prozent, wie eine am Donnerstag veröffentlichte Studie des CAR-Instituts der Universität Duisburg-Essen zeigt. Und: Weniger als 30 Prozent aller Frauen, die sich einen Neuwagen kauften, waren jünger als 45 Jahre alt. Nur 3,9 Prozent gehörten zur Kundengruppe der Zukunft, waren also jünger als 25 Jahre. Gut zehn Prozent der Frauen waren hingegen älter als 70. Fazit des Studienautors und CAR-Leiters Ferdinand Dudenhöffer: Obwohl Frauen in der Bevölkerung in der Mehrheit seien (51 Prozent) und „wichtige Positionen im Berufsleben stellen“, schafften es die Autobauer immer weniger, jüngere Frauen als Käuferinnen anzusprechen.

Mini zieht die meisten Frauen an, Rolls-Royce gar keine

Ausnahmen bestätigen die Regel. Einige Marken verstehen es sehr wohl, die weibliche Kundschaft zu faszinieren. Allen voran Mini: 51,4 Prozent der Käufer des BMW-Kleinwagens sind laut CAR Frauen. Gefolgt von Suzuki (42 Prozent) und Peugeot (40,8 Prozent). Neben dem Mini kommen kleine Modelle wie der Audi A1, Opel Adam, Fiat 500, Citroen C1 oder Renault Twingo auf einen Frauenanteil von mehr als 50 Prozent. Aus dem Kleinwagenraster fallen hingegen der Smart und der elektrische BMW i3. Rolls-Royce (ebenfalls eine BMW- Marke) wird von Frauen gänzlich gemieden, Aston Martin erreicht auf dem vorletzten Platz einen Anteil von 4,8 Prozent, die hippen US-Elektroautos von Tesla 4,9 Prozent. Es sei durchaus möglich, Frauen anzusprechen, „aber SUV, dicke Motoren, Sportwagen, breite Karosserien taugen dazu weniger“, schreibt Dudenhöffer. Auch seien die klassischen Vertriebsformen vor allem auf Männer zugeschnitten.

Der Trend wird von anderen Untersuchungen bestätigt. Nach einer Forsa-Umfrage aus dem Frühjahr ist 97 Prozent der Frauen, die ein Auto kaufen wollen, der Verbrauch „wichtig“ oder „sehr wichtig“. So interessieren sich Frauen eher für sparsame Klein- oder Kompaktwagen. Die regelmäßig von Aral erstellte Studie „Trends beim Autokauf“ kam 2014 ebenfalls zu dem Ergebnis, dass Preis, Verlässlichkeit und Verbrauch ganz oben auf der Einkaufsliste von weiblichen Autofahrern stehen. 38 Prozent der Kundinnen suchen einen preiswerten Kleinwagen mit verlässlicher Technik und Benzinmotor (62 Prozent). Für 67 Prozent ist das Preis-Leistungsverhältnis wichtig, die Hälfte achtet besonders auf den Verbrauch, 48 Prozent auf den Anschaffungspreis.

Wer will schon ein Rentnerauto kaufen?

Der „Methusalem-Effekt“, von dem in der CAR-Studie die Rede ist, sei bei Frauen „besonders sichtbar“, trifft aber auf Autokäufer generell zu. Im Schnitt sind Neuwagenkäufer 53 Jahre alt, wie eine frühere Studie des Instituts ergab. Das bereitet den Herstellern Imageprobleme. Wer will schon ein Rentnerauto kaufen? Modellen, die bei älteren Kunden beliebt sind, wird deshalb bewusst ein junges Image als „Familienwagen“ verpasst. So wurde der Golf Plus in der Neuauflage in „Sportsvan“ umbenannt. Die früher biedere A-Klasse von Mercedes verkauft sich nach der sportlichen Neuauflage auch bei jüngeren Kunden sehr gut.

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