Verkehr : Bahn: Züge werden unpünktlicher

Die Pünktlichkeit der Eisenbahn könnte in Zukunft deutlich schlechter werden, sowohl im Nah- als auch im Fernverkehr. Die Bahn warnt vor einer EU-Regel, die dem Gütertransport den Vorrang vor ICEs geben soll.

Carsten Brönstrup

Berlin -  Schon ab 2011 könnte der Fahrplan massiv durcheinander geraten – nicht nur bei der Deutschen Bahn, sondern auch bei Konkurrenten des Staatskonzerns. Schuld daran sei ein Gesetzesvorhaben der Europäischen Kommission, sagte Joachim Fried, der Wettbewerbsbeauftragte der Bahn, am Montagabend in Berlin. Darin will die Behörde auf bestimmten Strecken generell Güterzügen Vorfahrt vor Personenzügen einräumen. „Eine solche Regelung ist überflüssig und schädlich, denn sie macht die Bahn als Verkehrsmittel unattraktiver“, bemängelte Fried.

Hintergrund des EU-Plans ist es, den Güterverkehr auf der Schiene zu beschleunigen und angesichts der in Zukunft weiter wachsenden Warenströme mehr Kapazitäten auf den Gleisen zu schaffen. Auf einigen Strecken sind die Trassen bereits jetzt extrem beansprucht, etwa entlang des Rheins im Südwesten Deutschlands. Die langsamen Güterzüge fahren zumeistens nachts – tagsüber haben Personenzüge Vorrang, die den Fahrplan einhalten müssen. Die erste Lesung des Gesetzes im EU-Parlament hat bereits stattgefunden, im Juni wollen die Staats- und Regierungschefs die Regelung endgültig verabschieden.

Deutschland ist wegen seiner zentralen Lage von dem Gesetz stärker betroffen als andere EU-Länder. Es geht um die wichtigen Güterstrecken von Hamburg nach München, von Duisburg und Karlsruhe nach Basel sowie von Duisburg Richtung Berlin. Die Bahn würde durch das Gesetz verpflichtet, für Güterzüge Trassen zu reservieren, die sie nicht mehr an Nah- und Fernverkehrszüge vergeben könnte. „Das bedeutet, dass wir wertvolle Kapazitäten auf der Schiene sinnlos verbrennen“, sagte Fried. Probleme brächte der Vorrang der Güterzüge vor allem, wenn sich wegen einer Störung die Züge stauten, erklärte der Manager. Dann müssten sich die schnellen ICEs hinter den langsamen Güterzügen einreihen. „Damit würden Verspätungen in das gesamte deutsche Schienennetz getragen“, warnte Fried.

Die Bahn müsste zudem auf viel Geld verzichten – zum einen wegen der Fahrgäste, die wegen der womöglich schlechteren Pünktlichkeit ausbleiben könnten. Zum anderen müsste sie vermutlich Verspätungsstrafen im Regionalverkehr an die Länder zahlen, die diese Züge bestellen und bezahlen. Obendrein kommen Einbußen bei den Trassengebühren auf sie zu, da für einen Güterzug geringere Streckenpreise zu zahlen sind als für einen Personenzug.

In Kreisen der Bundesregierung hieß es am Freitag, man teile die Befürchtungen der Bahn, das letzte Wort sei hier noch nicht gesprochen. Man hoffe, noch Änderungen an dem Gesetz durchsetzen zu können. Carsten Brönstrup

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