Verkehr : Der Transrapid und die verpasste Zukunft

Der Berliner Professor Peter Mnich gilt als Vater des Magnetzugs – er hofft, dass nun wenigstens die Chinesen zu der Technik stehen.

Verena Friederike Hasel
Transrapid
Der Transrapid in München in einer Simulation. -Foto: ddp

Berlin - Zur Zukunft kann man zwei Arten von Verhältnis pflegen, entweder man sieht sie als Fortsetzung der Gegenwart, die unweigerlich passiert, oder als Kostbarkeit, die man auch verpassen kann. Peter Mnich gehört zur zweiten Sorte, und so schaut er seit dem 27. März nach China. Seitdem Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) das Aus für den Transrapid verkündet hat, vermutet er die Zukunft dort – vor allem in Schanghai, dem einzigen Ort auf der Welt, wo die Magnetschwebebahn fährt.

Peter Mnich ist so etwas wie der Vater des Transrapid, wenn man ihn so nennt, lächelt er. Vatergemäß umgibt er sich mit Gegenständen, die an den Zug erinnern: In seinem Arbeitszimmer in Berlin-Charlottenburg hängt ein Gemälde, in blau und gelb, darauf ein Transrapid, auf dem Regal steht ein Modell der Bahn. Selbst Mnichs Krawattennadel ist geformt wie ein Zug. Gleich nach seinem Studium an der TU Berlin fing es an mit Peter Mnich und der Schwebebahn. Sie war sein erstes Projekt nach der Uni; er war dabei, als die Bahn 1979 auf der Verkehrsausstellung in Hamburg vorgestellt wurde. Dieselbe Stadt, die 21 Jahre später mit der ersten großen Schlappe des Transrapid verbunden sein sollte: der Entscheidung, dass er zwischen Hamburg und Berlin nicht zum Einsatz kommen würde.

Da war Mnich längst selbst Professor an der TU Berlin, Schwerpunkt „Neue Bahntechnologien“, und Leiter des Instituts für Bahntechnik – und jede Niederlage des Transrapid war auch seine eigene. Die Hamburg-Berlin-Strecke sollte der Anfang einer Zukunft sein, die sich Mnich über Prag und Wien bis nach Budapest gedacht hatte – in drei Stunden. Kürzlich ist Mnich wieder einmal mit dem ICE nach Hamburg gefahren, anderthalb Stunden lang. Viel Zeit, um an den Transrapid zu denken. Den Peter Mnich sich wenigstens für München noch erhoffte.

Nun ist auch dieser auf 37 Kilometer heruntergeschrumpfte Traum geplatzt. „Der Entscheidungsprozess ist undurchsichtig gelaufen“, sagt der Ingenieur. „Die hohen Kosten erscheinen mir nicht plausibel.“ Eine Variante über der Erde sei günstiger gewesen. Fast scheint es Mnich, als hätten die Menschen nach Gründen gesucht, gegen den Zug zu sein, nach dem Unglück auf der Strecke im Emsland etwa. „Ich bitte, das nicht falsch zu verstehen“, fügt er hinzu. Das sagt Mnich oft – als fühle er sich und seine Schwebebahn missverstanden. Peter Mnich wiederum versteht Deutschland nicht mehr. 1958 kam er mit den Eltern aus Oberschlesien. „In Deutschland ist die Zukunft“, sagte sein Vater damals. Was Deutschland jetzt tut, passt nicht zu Mnichs Bild von diesem Land. „Der Transrapid ist doch die Zukunft vom Verkehr.“

Es kommt selten vor, dass Menschen mit solcher Hochachtung von ihrem Widersacher sprechen wie Michael Cramer, wenn es um Mnich geht: „Ich schätze ihn sehr“, sagt Cramer, der für die Grünen im Europaparlament sitzt und vehementer Transrapid-Gegner ist. Mit Mnich habe er immer toll gestritten, sagt er. „Er ist eben verliebt in die Technik.“ Sein gutes Recht als Wissenschaftler, findet Cramer.

Neben dem Schwebebahn-Modell in Mnichs Büro liegt ein Buch, es heißt „Der China Code“. Gerade war Mnich da, er hat Fotos mitgebracht – zum Beispiel er neben dem Transrapid. Mnich unterrichtet an der Universität in Schanghai. Seine Studenten dort hat er zum Transrapidfahren eingeladen, sie können sich das selbst nicht leisten. Mnich ist in Sorge, ob China die Trasse ausbauen wird; die Menschen könnten sich ja auch fragen, warum die Deutschen den Zug nicht selbst bauen, wenn er wirklich so gut ist. An diesem Morgen hat Mnich den Chinesen geschrieben. Sie sollten doch bitte festhalten am Transrapid. Verena Friederike Hasel

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