Wirtschaft : Verkehrslage top, Steuerlast flop

Berliner Unternehmer geben ihrem Standort in fünf von zwölf Kategorien Bestnoten

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Kurze Wege. Berlins Unternehmer sind zufriedener als andere – auch weil es hier nie weit zum Kunden ist.Foto: Caro Fotoagentur/C.Hechtenberg
Kurze Wege. Berlins Unternehmer sind zufriedener als andere – auch weil es hier nie weit zum Kunden ist.Foto: Caro...Foto: Caro Fotoagentur/C.Hechtenberg

Berlin - Die Verkehrsanbindung ist spitze und auch die Nähe zu den Forschungsinstituten ist ein entscheidender Vorteil: Das sind einige der Punkte, die Berlins Unternehmer besonders an ihrem Standort schätzen. Zugleich beklagen sie sich über die hohen Energiepreise der örtlichen Versorger und die hohen kommunalen Steuern. Unterm Strich aber zog Berlins Arbeitssenatorin Carola Bluhm (Linke) ein rundweg positives Fazit: „Berlin ist eine attraktive und dynamische Wirtschaftsmetropole – nirgendwo sonst sind Unternehmer so zufrieden mit dem eigenen Standort“.

Bluhms Verwaltung hat am Freitag die Ergebnisse einer Langzeitstudie veröffentlicht, die das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ausgearbeitet hat. Das IAB gehört zur Bundesagentur für Arbeit. Die Methode ist besonders aufwendig und in der Form einzigartig: Für sein „Betriebspanel“ befragt das IAB seit 1996 jedes Jahr dieselben 15 500 Betriebe aller möglichen Größen und Branchen in ganz Deutschland, 875 davon in Berlin. Das macht die Ergebnisse statistisch besonders wertvoll.

Allerdings sind die Zahlen nicht mehr ganz frisch: Die letzte Befragung fand zwischen Juli und Oktober 2009 statt, als die Unternehmer noch unter dem Eindruck der Wirtschaftskrise standen. Im Juni legten das IAB und das kleinere Institut Söstra, das die Auswertung für Berlin vornahm, ihre 98 Seiten dicke Analyse vor. Weitere Monate vergingen, bis Bluhms Verwaltung sich nun entschloss, die Zahlen zu veröffentlichen – warum es so lange dauerte, konnte man dort am Freitag nicht sagen.

Die Studie ergab, dass Berlins Unternehmer ihren Standort immerhin bei fünf von zwölf untersuchten Standortfaktoren besser bewerten als die Unternehmer in allen anderen Ländern: Spitzennoten gab es für die Nähe zu Kunden und Lieferanten, die Attraktivität für Arbeitskräfte, die Nähe zu Forschungs- und Technologiezentren beziehungsweise Hochschulen, die Verfügbarkeit von Gewerbeflächen sowie die überregionale Verkehrsanbindung. Bei dem Fachkräfteangebot erreichte Berlin in der Studie immerhin den zweiten Platz. Weniger gut schnitt Berlin bei dem Preisniveau für Energie und Wasser ab – Platz zehn. Besonders unzufrieden sind Berlins Unternehmer mit der Höhe der kommunalen Steuern. Das bezieht sich vor allem auf die Höhe der Gewerbesteuer, deren Höhe regional unterschiedlich ist.

Zieht man den Schnitt durch alle zwölf Faktoren, geben Berlins Unternehmer ihrem Standort bei dieser letzten Befragung die Schulnote 2,6. Nur Unternehmer in Sachsen-Anhalt bewerteten ihren Standort ähnlich gut. Die Unternehmer in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern bewerteten ihren Standort in dieser Studie am schlechtesten. Das wichtigste und bevölkerungsreichste Industrieland Nordrhein-Westfalen landete im unteren Drittel.

Viele der Ergebnisse überraschen nicht wirklich. So liegt es in der Natur der Sache, dass die Wege zum Kunden in einer Millionenstadt kürzer sind als in einem Flächenland wie Niedersachsen. So mochte man die Ergebnisse bei der Berliner Industrie- und Handelskammer auch nicht zu hoch hängen. „Wir freuen uns, wenn die Berliner Unternehmer den Standort gut bewerten“, sagte eine Sprecherin der Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK). Allerdings wolle man die Ergebnisse der Studie noch im Einzelnen analysieren, um sie abschließend zu bewerten.

Nach Auskunft der Senatsverwaltung für Wirtschaft werden jährlich rund 20 Standortranglisten mit Berlin-Bezug veröffentlicht. Sie bringen in der Summe ein sehr uneinheitliches Bild. Im „Dynamikranking“ der wirtschaftsliberalen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft landete Berlin 2009 auf dem 15. von 16 Plätzen – weil sich in Berlin offenbar wenig bewegt. Im jüngsten „Zukunftsatlas“ des Prognos-Institutes, der Standorte für technologieintensive Branchen bewertet, landete Berlin hinter Hamburg wiederum auf Platz zwei von 413 Städten und Landkreisen. Insofern lohnt es sich, sehr genau zu schauen, wer hier was bewertet.

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