Verkehrsmittel : Einer von fünf Bussen fällt beim TÜV durch

Der TÜV-Verband hat sich die Hauptuntersuchungen von Reise- und Linienbussen genauer angeschaut. Es zeigt sich: Das Verkehrsmittel weist weniger gravierende Mängel auf als Pkw und Lkw.

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Busse der BVG. Je älter der Fuhrpark, desto häufiger treten Mängel bei Bremsen und Beleuchtung auf.
Busse der BVG. Je älter der Fuhrpark, desto häufiger treten Mängel bei Bremsen und Beleuchtung auf.Foto: ZB

Busse sind seit der Öffnung des deutschen Fernbusmarktes bei Reisenden beliebt wie nie – und im Vergleich zum Pkw sicherer. Dies stellt der Verband der Technischen Überwachungsvereine (TÜV) nach einer Auswertung von 50 000 Hauptuntersuchungen von Reise- und Linienbussen fest. Am Freitag wurde die Analyse in Berlin vorgestellt. Danach bestehen mehr als 80 Prozent aller Busse die TÜV-Untersuchung auf Anhieb. Knapp 19 Prozent weisen allerdings erhebliche Mängel auf. Zum Vergleich: Bei den Pkw sind es laut TÜV fast 24 Prozent, bei Nutzfahrzeugen gut 25 Prozent.

Deutsche Reise- und Linienbusse hätten bei der technischen Sicherheit ihr hohes Niveau gehalten, stellte der TÜV-Verband fest. Bei der jüngsten Auswertung für die Jahre 2013 und 2014 waren 66,9 Prozent der Busse mängelfrei, 14,5 Prozent hatten geringe Mängel. Lediglich 0,1 Prozent wurden als verkehrsunsicher beurteilt und mussten sofort stillgelegt werden. Die meisten Mängel stellten die Prüfer bei der Beleuchtung fest. Auch defekte Bremssysteme und häufiger Ölverlust bereiteten dem TÜV Sorgen. Letzteres belaste nicht nur die Umwelt, sondern gefährde auch wegen möglicher Brände die Passagiere.

Erhebliche Mängel traten auch bei zunehmendem Alter der Fahrzeuge auf: Nach zehn Jahren bekommt laut TÜV bereits jeder fünfte Bus die TÜV-Plakette im ersten Anlauf nicht, nach 20 Jahren ist es fast jeder dritte Bus. Busse aus dem Ausland wurden in der Studie nicht erfasst.

Der Fernbusmarkt ist seit der Liberalisierung im Jahr 2003 massiv gewachsen. Im laufenden Jahr dürften etwa 20 Millionen Fahrgäste das Verkehrsmittel in Deutschland auf mehreren hundert Linien nutzen. 2014 waren es rund 18 Millionen. Marktführer mit einem Anteil von rund 75 Prozent ist der Anbieter MeinFernbus Flixbus. Mit Blick auf den extremen Preiskampf und Dumpingkonditionen auf dem Markt warnen Experten vor schlampigen Sicherheitskontrollen.

„Rein statistisch ist der Bus eines der sichersten Verkehrsmittel überhaupt“, sagte das Präsidiumsmitglied des Verbandes, Klaus Brüggemann. Das zeige ein Vergleich mit den anderen Fahrzeugkategorien. Unter den Lkw schnitten Kleintransporter bis 3,5 Tonnen (26,0 Prozent mit erheblichen Mängeln) und Transporter von 7,5 bis 18 Tonnen Gewicht (26,9 Prozent) am schlechtesten ab. Viel besser ist die Bilanz bei den schweren Lkw ab 18 Tonnen mit einer Mängelquote von 21,8 Prozent. Hier zeigt sich nach Einschätzung des TÜV eine strengere Sicherheitsphilosophie: „Schwere Lkw, die im Güterverkehr häufig just in time eingetaktet sind, müssen in einem Top-Zustand sein.“ Blieben sie liegen, koste das die Speditionen eine Menge Geld. Rund 2,5 Millionen Transporter, Kleintransporter, leichte und schwere Lkw sind in Deutschland zugelassen. Für den Report wurden etwa 1,2 Millionen Hauptuntersuchungen aus den Jahren 2014 und 2013 ausgewertet. mit dpa

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