Verkehrspolitik : Neun Cent mehr - pro Kilometer im Auto

Autofahren und Flugreisen sind zu billig. Das findet jedenfalls der Lobbyverband Allianz pro Schiene. Deshalb müsse etwa die Lkw-Maut steigen, der Steuervorteil bei Flugreisen abgeschafft werden und mehr Geld in die Bahn fließen.

Carsten Brönstrup

Berlin - Autofahren und Flugreisen sind zu billig. Das findet jedenfalls der Lobbyverband Allianz pro Schiene. „Eigentlich müsste jeder gefahrene Kilometer im Auto neun Cent teurer sein“, findet Dirk Flege. Er ist Geschäftsführer der Organisation und hat eine Studie über die tatsächlichen Kosten der Verkehrsträger Straße, Schiene und Luft erarbeiten lassen. Am Dienstag wurde sie in Berlin vorgestellt. Fleges Bilanz: „Die Erhöhung der Mineralölsteuer wäre ein Weg, zu mehr Kostenwahrheit zu kommen.“

Nach Berechnungen des Züricher Infras-Instituts verursachte der Verkehr in der Bundesrepublik im Jahr 2005 insgesamt gut 80 Milliarden Euro an sogenannten externen Kosten. Dazu zählen die Wissenschaftler alle Ausgaben, die die Mobilität nach sich zieht, die aber nicht von den Reisenden bezahlt werden: etwa für Umweltverschmutzung und Klimaschäden, den Bau von Infrastruktur, Landschaftsverbrauch, für Lärm oder Gesundheitsschäden und -ausgaben als Folge von Unfällen.

Der größte Teil dieser Kosten geht auf das Konto des Autos – es zeichnet für mehr als 53 Milliarden Euro verantwortlich. Hinzu kommen 11,6 Milliarden Euro durch Lastwagen und weitere Posten für Motorräder, Lieferwagen und Busse. Die Schiene schneidet dagegen sehr viel besser ab – im Personenverkehr etwa fallen nur Kosten von 1,6 Milliarden Euro an, im Güterverkehr sind es 900 Millionen. Bei den Flugzeugen sind es knapp 500 Millionen Euro – allerdings sind dies nur die Inlandsflüge. Entsprechend fallen die Kosten eines Reisenden bei einer 1000 Kilometer langen Strecke aus: Auf der Straße seien es 61,60 Euro, im Luftverkehr 51,80 und bei der Bahn 21,20 Euro.

Für die Allianz pro Schiene, die maßgeblich von der Deutschen Bahn, der Bahnindustrie, Gewerkschaften und Umweltverbänden finanziert wird, ist die Sache damit klar. „Es kann nicht sein, dass sich ausgerechnet die Verkehrsträger mit der schlechtesten Ökobilanz und den höchsten Folgekosten von der Allgemeinheit subventionieren lassen“, befindet Flege. Die Folgekosten würden nicht von den Verursachern, sondern über Steuern und Krankenkassenbeiträge weitergegeben sowie kommenden Generationen aufgebürdet. Die Kosten müssten sich überdies stärker in den Preisen der Verkehrsmittel niederschlagen. Flege: „Straßen- und Flugverkehr sind definitiv zu billig.“ Deshalb müsse etwa die Lkw-Maut steigen, der Steuervorteil bei Flugreisen abgeschafft werden und mehr Geld in die Bahn fließen.

Eine Sprecherin von Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) lehnte es ab, den Straßenverkehr zu verteuern. „Autofahren muss erschwinglich bleiben, es darf nicht sein, dass es für Geringverdiener zum Luxusgut wird“, sagte sie. Der Verband der Automobilindustrie erklärte, Autofahrer zahlten 53 Milliarden Euro an Steuern, aber nur ein Drittel davon komme der Straße zugute. Damit sei genug Geld da, um die gesellschaftlichen Kosten zu tragen. Carsten Brönstrup

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