Wirtschaft : Verlängerte Handelszeiten: Börsenhandel am Abend kritisiert - Kaum Umsatz, schwankende Kurse

Die verlängerten Handelszeiten an der Börse stoßen auf wachsende Kritik bei Aktionärsvertretern und Gewerkschaften. Das Deutsche Aktieninstitut (DAI) stellte am Freitag den Sinn weiter längerer Handelszeiten in Frage. Schon der erste Feiertagshandel an Christi Himmelfahrt habe nur magere Umsätze erbracht, erklärte DAI-Chef Rüdiger von Rosen in Frankfurt. Nach Angaben der Deutschen Börse hatte das Handelsvolumen am Donnerstag bei der Hälfte des sonst üblichen Durchschnittswertes gelegen. Dies sei für einen einzelnen Handelstag "zu gering", betonte Rosen. Auch die Verlängerung des Handels am Abend, der am Freitag erstmals bis 20 Uhr lief und damit zweieinhalb Stunden länger als bislang, werde keine zusätzlichen Umsätze bringen. Auch die Deutsche Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) rechnet in der ersten Zeit des Abendhandels eher mit geringen Handelsumsätzen. Hohe Kursausschläge seien daher nicht auszuschließen. Anleger sollten bei ihren Kauf- und Verkauforders enge Limits vorgeben, um böse Überraschungen zu vermeiden. Das Vorstandsmitglied der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft Gerhard Renner kritisierte die Verlängerung bis 20 Uhr als nicht erforderlich. Dies hätten Erfahrungen aus Nachbarländern gezeigt. Für die Mitarbeiter führe die Verlängerung der Öffnungszeiten zu zusätzlichen Belastungen durch verlängerten Schichtbetrieb.

Ein Sprecher der Deutschen Börse AG sagte zu Berichten, im Zuge der Fusion mit der Londoner Börse zum größten Handelsplatz Europas solle in naher Zukunft sogar bis 22 Uhr gehandelt werden, dies sei "theoretisch nicht undenkbar". Derzeit könne er aber vor dem Hintergrund der laufenden Verhandlungen zur Gründung der neuen Superbörse iX keinen Kommentar dazu abgeben.

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