Wirtschaft : Verleger für die Zukunft zuversichtlich

BONN (wei).Die Zeitungsverleger rechnen mit einem guten Geschäft in diesem Jahr.In den ersten sechs Monaten konnten sie ihre Umsätze um 2,7 Prozent auf 18,2 Mrd.DM steigern.Die Kosten lagen um 0,5 Prozent über dem Niveau des Vorjahres.Die geringe Kostensteigerung ist vor allem auf den Rückgang der Papierpreise zurückzuführen.Dagegen stiegen die Kosten für die Redaktionen, die Anzeigen und die Verwaltung um rund vier Prozent.Der Hauptgeschäftsführer des Verlegerverbandes (BDZV), Volker Schulze, sagte am Donnerstag in Bonn, er gehe davon aus, daß sich die günstige Entwicklung bis zum Jahresende fortsetze.Die Zahl der Anzeigen wuchs nach seinen Angaben sogar um fünf Prozent.Besonders Stellen- und überregionale Anzeigen hätten deutlich zugelegt, sagte Schulze.Dagegen inserierte die lokale Wirtschaft nur wenig mehr und Reiseveranstalter sogar deutlich weniger.Nach wie vor sind die Anzeigenumfänge in Ostdeutschland geringer als im Westen.Dieses Gefälle hat sich im ersten Halbjahr wieder verstärkt.

Die Auflagenentwicklung hat sich beinahe stabilisiert.Im zweiten Quartal erschienen die Tages-, Wochen- und Sonntagszeitungen mit einer Gesamtauflage von 31,6 Mill.Exemplaren, das waren 0,7 Prozent weniger als im zweiten Quartal 97.Der Rückgang ist vor allem auf den anhaltenden Bereinigungsprozeß in Ostdeutschland zurückzuführen, wo die Gesamtauflage um mehr als drei Prozent zurückging.Dort kommen auf jede verkaufte Zeitung vier, im Westen fünf Einwohner.Zulegen konnten nur die überregionalen und die Sonntagszeitungen.Unter den Werbeträgern behaupten die Zeitungen weiter den ersten Platz.Die Erlöse aus dem Anzeigengeschäft beliefen sich auf 11,6 Mrd.DM, das waren knapp zwei Drittel des gesamten Umsatzes.Die höchsten Umsatzuwächse erzielten die Wochen- und Sonntagszeitungen, die Tageszeitungen verbuchten nur ein leichtes Umsatzplus.

Als einen "Anschlag auf die Informationsfreiheit" betrachtet der BDZV das von der EU beschlossene Werbeverbot.Es gefährde die wirtschaftliche Grundlage der Verlage, zumal der befürchtete "Domino-Effekt" längst eingetreten sei und über weitere Werbeverbote nachgedacht werde.Schulze nannte in diesem Zusammenhang Autos, alkoholische Getränke, Süßigkeiten und Spielwaren.Die Verleger begrüßten die Entscheidung der Bundesregierung, das Tabakwerbeverbot vor dem Europäischen Gerichtshof anzufechten.Gleichzeitig stellte Schulze eine Klage der Verleger vor dem Bundesverfassungsgericht in Aussicht, falls dieses Verfahren nicht zu dem gewünschten Ergebnis führt.Scharfe Kritik übte der Manager des Verlegerverbandes auch an den Plänen, das Urheberrecht im Internet einzuschränken.Die Verleger würden danach den Einfluß darauf verlieren, in welchem Medium die Texte ihrer Zeitungen verbreitet werden.Das käme einer Enteignung gleich.

Kritik übte Schulze an Plänen, die versicherungsfreien 620-DM-Jobs abzuschaffen.Dadurch werde die Zustellung der Abonnementszeitungen in Frage gestellt.Die überwiegende Zahl der etwa 100 000 Zeitungszusteller übe diese Tätigkeit nur als Zweitbeschäftigung etwa zwei Stunden am Tag aus.Sie seien an Ansprüchen gegenüber der Sozialversicherung nicht interessiert.Für die Verlage würde es zu einem drastischen Anstieg der Lohnkosten führen, wenn sie für die Zusteller Sozialversicherungsbeiträge abführen müßten.Versuche, die Zustellung im Rahmen von Vollzeitarbeitsverhältnissen zu organisieren, seien bisher gescheitert.

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