Wirtschaft : Verleger sehen Vertrieb bedroht - 40000 Zeitungsboten haben gekündigt

mot

Die gesetzliche Neuregelung der 630-Mark-Jobs ist nach Einschätzung der deutschen Verleger zu einer ernsthaften Bedrohung für den Vertrieb von Zeitungen und Zeitschriften geworden. In diesem Jahr rechne die Branche mit rund 200 Millionen Mark zusätzlichen Kosten durch das neue Gesetz, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), Volker Schulze, am Dienstag in Berlin. Es sei davon auszugehen, dass seit Inkrafttreten des Gesetzes im April dieses Jahres rund 40 000 von 180 000 Zeitungsboten ihren Job gekündigt hätten. Mit "logistischen Notprogrammen" versuchten viele Verlage diese Lücke vergeblich zu schließen. "Das Gesetz muss bald geändert werden", forderte Schulze.

Die Stimmung in der Branche bezeichnete Schulze insgesamt als "optimistisch, jedoch nicht euphorisch". Die Umsätze der deutschen Zeitungen seien 1998 um 4,4 Prozent auf insgesamt 19,5 Milliarden Mark gestiegen. Davon entfielen auf den Vertrieb 7,35 Milliarden Mark. Das Anzeigengeschäft verbuchte 12,15 Milliarden Mark und damit eine Steigerung von 5,1 Prozent. Die Auflage der Zeitungen geht nach Angaben des BDZV weiter zurück. Im zweiten Quartal 1999 habe sie bei 31,1 Millionen Exemplaren gelegen, 1,6 Prozent oder 500 000 Exemplare weniger als im Vorjahreszeitraum. Ostdeutsche Zeitungen seien mit einem Minus von drei Prozent besonders stark betroffen gewesen. Gegenwärtig erscheinen in Deutschland 355 Tageszeitungen mit einer durchschnittlichen Auflage von 24,5 Millionen Exemplaren, 25 Wochenzeitungen mit einer Auflage von zwei Millionen Exemplaren und sieben Sonntagszeitungen mit 4,5 Millionen Exemplaren. Der wachsenden Konkurrenz im Internet wollen die Zeitungsverlage mit einer gemeinsamen nationalen Online-Plattform für Rubrikenanzeigen begegnen. In Kürze, so der BDZV, werde der Verband ein entsprechendes Angebot vorstellen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar