Verleumdungs-Vorwürfe : Christ erwägt Anzeige gegen Essing

Der Berliner Unternehmer Harald Christ prüft eine Strafanzeige gegen seinen ehemaligen PR-Berater Norbert Essing. Nach Informationen des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ wirft Christ ihm versuchte Erpressung und versuchte Nötigung vor. Der PR-Mann bestreitet das, gerät jedoch durch ein ominöses Fax unter Druck.

Düsseldorf


Christ wurde dem Bericht zufolge ab dem Frühsommer 2007 mehrfach anonym der Pädophilie und des sexuellen Missbrauchs bezichtigt. Diese Vorwürfe entbehrten jeder Grundlage, sagte Christ dem Magazin. Er selbst vermute hinter den Anschuldigungen seinen eigenen früheren PR-Berater Norbert Essing. Essing habe per Fax ein anonymes Schreiben an Christs damaligen Arbeitgeber, die Berliner Weberbank, geschickt. Als Beweis führt Christ das Video einer Überwachungskamera an, das am 26. Februar 2008 aufgenommen wurde und Essing zeigt, wie er um 12.13 Uhr mit einem Papier in der Hand die Tankstelle an der Autobahnraststätte Nievenheim West bei Düsseldorf betritt. Um 12.15 Uhr am gleichen Tag soll ein Fax mit anonymen Verleumdungen bei der Weberbank eingegangen sein. Auf der Fax-Kennung soll als Absender eben diese Raststätte Nievenheim angegeben sein. Christs Anwalt ließ dem Bericht zufolge die Aufnahmen der Überwachungskameras sicherstellen.

Essing erklärte dem „Spiegel“, er habe an dem Tag zwar tatsächlich ein Fax von der Tankstelle abgeschickt, aber nicht an die Weberbank. Er könne sich nicht mehr erinnern, an wen das Schreiben ging. Im zurückliegenden Bundestagswahlkampf soll Essing nach „Spiegel“-Informationen versucht haben, abträgliches Material über Christ zu verbreiten. Das hätten verschiedene Journalisten von unterschiedlichen Medien bestätigt. Essing bestreitet die Vorwürfe.

Christ, der auch Mitglied im Wahlkampfteam des SPD-Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier war, hat inzwischen den Anwalt und ehemaligen Bundesinnenminister Otto Schily mit seinem Fall beauftragt. Dass er erst heute eine Anzeige erwägt – zwei Jahre nachdem das besagte Fax einging – erklärte Christ im Interview mit dem „Handelsblatt“ damit, dass er „offenbar nicht entschlossen genug“ gewesen sei, früher zu handeln. „Alle, die mit Herrn Essing ebenfalls zu tun hatten, und die ich befragt habe, haben mir davon abgeraten. Nach dem Motto: Mit dem legst du dich besser nicht an.“ Er habe sich 2007 im Streit von seinem PR-Berater getrennt. Bis in den letzten Bundestagswahlkampf hinein seien die anonymen Anschuldigungen dann eskaliert, und zwar „in einer Art und Weise, die schier unerträglich wurde“. Zuletzt habe er ständig das Bild der Quandt-Erbin Susanne Klatten vor Augen gehabt, die von einem ehemaligen Liebhaber erpresst wurde. „Ihr Entschluss, ihre Peiniger anzuzeigen, hat mir im Nachhinein Mut gemacht. Ich dachte, es wäre gut, ihr zu folgen.“

In der Vergangenheit hat die Presse oft Christs Homosexualität zum Thema gemacht, Zeitungen nannten ihn in Titelzeilen einen „schwulen Millionär“. „Leider muss man in unserem Land so etwas immer noch erleben“, sagte Christ dazu. „Aber die sexuelle Orientierung, solange sie sich im rechtsstaatlichen Rahmen befindet, sollte eigentlich niemanden etwas angehen.“ men/HB

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