Wirtschaft : Verliebt, verlobt, verheiratet

Tewe Pannier

Dr. Khalid ist ein rundlicher Mann und sehr vermögend. Auf seinem Siegelring steht „Mohammed ist der Prophet Allahs“. Dr. Khalid macht Geschäfte in Riad und in Paris, in London und in Seoul. Er wohnt an der Ostküste von Saudi-Arabien mit Frau und sechs Kindern – damit liegt die Familie genau im Nachwuchs-Durchschnitt des Königreichs. Ich treffe Dr. Khalid in einer Berliner Hotellobby. Er lehnt sich zufrieden in den Sessel zurück, hat er doch eine wochenlange und äußerst wichtige Operation hinter sich: die Verheiratung seiner ältesten Tochter.

„Mit 17 Jahren“, sagt Dr. Khalid in geschliffenem Englisch, „kommt die Lust, die erste Liebe.“ Da könne man nichts gegen machen. Soll er seiner Tochter das Handy wegnehmen, auf dem die Männer anrufen? Nein, Dr. Khalid ist ein moderner Saudi, und er sagt: „Meine Tochter soll vor allem glücklich sein!“ Also hat er ihr den Mann ausgesucht, in den sie sich verlieben soll. „Der Bräutigam kommt aus sehr guter Familie, er ist der Sohn meines Onkels“, sagt Dr. Khalid. „Mein Onkel hat sich mit der Verlobung einverstanden erklärt. Also habe ich seinem Sohn sogar erlaubt, meine Tochter anzurufen.“ Dr. Khalids Frau protestierte, das gehöre sich doch nicht! Aber Dr. Khalids Plan geht auf: Der junge Mann und das Mädchen bauen eine Handy-Beziehung auf. Auf einer Familienfeier das erste Herzklopfen – sie verschleiert bei Mutter und Tanten, er im Kreis seiner Brüder und Cousins. „Da schimpft meine Frau wieder, unsere Tochter sei viel zu jung! Ich sage ihr: Halt dich da raus!“, erzählt Dr. Khalid.

Er verabredet sich mit dem Bräutigam/Cousin in einem Wasserpfeifen-Café an der Küste – und nimmt seine Tochter einfach mit. Er erlaubt den beiden gar kurze Spaziergänge an der Uferpromenade. Dr. Khalid strahlt heute noch. „Sie haben sich tatsächlich schwer verliebt!“ Er hat gleich Nägel mit Köpfen gemacht. „Da ist ja diese Lust, diese Verliebtheit. Also haben wir sie schnell verheiratet. Jetzt können sie sich vor Allahs Augen treffen. Im Herbst feiern wir die Hochzeit richtig.“ Und die Mutter? „Sie schimpfte, es ginge ihr alles viel zu schnell“, sagt Dr. Khalid. „Ich habe ihr gesagt: Hauptsache, unsere Tochter ist glücklich!“

Der Autor (45) betreibt eine Medienfirma in Dubai und lebt abwechselnd dort und in Berlin.

ein Geschäftsmann

aus Berlin, erzählt von Arabien

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