Verlust : Gastwirte leiden unter Inflation

Keine Trendwende in der Gastronomie: Zu sehr kämpfen die Betreiber von Kneipen, Restaurants und Hotels mit den hohen Energiepreisen, der Konsumzurückhaltung der Verbraucher und nicht zuletzt mit dem Rauchverbot. Die Kunden halten ihr Geld zusammen

Yasmin El-Sharif

Berlin - In der deutschen Gastronomie ist trotz des sommerlichen Wetters und der anstehenden Fußball-Europameisterschaft (EM) keine positive Trendwende in Sicht. Zu sehr kämpfen die Betreiber von Kneipen, Restaurants und Hotels mit den hohen Energiepreisen, der Konsumzurückhaltung der Verbraucher und nicht zuletzt mit dem Rauchverbot. Das geht aus dem am Dienstag in Berlin vorgestellten Branchenbericht des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) hervor. „Die privaten Haushalte, die wie unsere Unternehmer unter der steigenden Inflation leiden, halten ihr Geld zusammen. Das bekommt unsere Branche stark zu spüren“, sagte Ingrid Hartges, Dehoga-Hauptgeschäftsführerin.

Die Feststellung spiegelt sich in einer aktuellen Umfrage des Verbandes wider. Der Dehoga hat rund 3000 der bundesweit 245 000 Unternehmen aus dem Gastgewerbe und der Hotellerie nach ihren Erwartungen für die kommenden Monate gefragt. Demnach rechnen nur 17 Prozent der Gastwirte in diesem Sommer mit steigenden Erträgen. Jeder Zweite erwartet dagegen geringere Gewinne als im Vorjahreszeitraum. Bei den Hoteliers ist in dieser Hinsicht immerhin jeder Vierte zuversichtlich. Aber auch hier rechnen 35 Prozent mit sinkenden Erträgen. Ein Grund für die pessimistischen Erwartungen könnte das vergangene Winterhalbjahr 2007/2008 sein, in dem laut Dehoga die Umsätze und Erträge im Gastgewerbe im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bereits deutlich zurückgegangen waren. So mussten fast 52 Prozent der Gastronomen Umsatzeinbußen hinnehmen, zwei Drittel der Gaststättenbetriebe beklagten Ertragsrückgänge.

Dass die EM, die am kommenden Samstag beginnt, nun zu einer Trendwende führen könnte, bezweifelt Dehoga-Hauptgeschäftsführerin Hartges. Nicht jeder Betrieb habe entsprechende Vorrichtungen wie TV-Leinwände, um dort Fußball schauen zu können, außerdem müsse auch das Wetter gut sein, um Bedingungen wie bei der „Sommermärchen-WM 2006“ zu haben. Immerhin: „Die Europameisterschaft könnte womöglich gewisse Umsatzimpulse bringen“, sagte Hartges.

Doch neben den Umsatzsorgen hat die Branche mit ihren mehr als eine Million Beschäftigten noch mit einem anderen Problem zu kämpfen. Das Rauchverbot, das inzwischen in 14 Bundesländern gilt, wirke sich teils stark auf die Geschäftslage der Unternehmen aus. Besonders hart trifft es demnach Betriebe, die hauptsächlich Getränke verkaufen, wie Bars oder Einraumkneipen. In dieser Branche hätten seit der Einführung der Gesetze fast zwei Drittel der Unternehmen hohe Umsatzeinbußen verbucht, manchmal von 20 Prozent oder mehr. „Diese Betriebe haben teilweise große Existenzängste.“

In der Gastronomie insgesamt, worunter auch Fast-Food-Ketten und Restaurants fallen, vermeldeten jedoch rund 42 Prozent keine Auswirkungen, zehn Prozent konnten sogar von der neuen Situation profitieren. In Hotels ist die Situation dagegen deutlich entspannter. So verzeichneten rund 63 Prozent der Hotels keine Auswirkungen durch das Rauchverbot, elf Prozent sehen ihre Geschäftslage derzeit positiver als vor der Einführung der Regeln.

Rundum zufrieden ist die Branche mit ihrer Leistung beim Thema Ausbildung. Im vergangenen Jahr habe die Hotellerie und Gastronomie erneut mehr Lehrstellen anbieten können als 2006. Insgesamt 46 345 junge Leute starteten im Vorjahr ihre Karriere in der Branche. Das sei ein Plus von 1,7 Prozent, sagte Hartges. Die Unternehmen setzten zunehmend auf die Eigenausbildung, auch vor dem Hintergrund schrumpfender Schuljahrgänge und des sich abzeichnenden Fachkräftemangels.

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