Wirtschaft : Verlust von 1,8 Millionen Mark - Konzernumsatz sinkt - Keine Dividende

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Der Preiskampf im Lebensmitteleinzelhandel hat der Otto Reichelt AG stark zugesetzt. "Der wachsende Anteil der Niedrigpreisanbieter engt Spielraum und Marktanteil der servicebetonten Supermärkte immer mehr ein", sagte Vorstandsvorsitzender Uwe-Jens Beister bei der Vorstellung des Geschäftsberichts am Dienstag in Berlin. Die Verkaufsflächen seien im vergangenen Jahr weiter gewachsen, die Nachfrage sei im Gegensatz dazu jedoch rückläufig gewesen, umriss Beister die Lage im Einzelhandel. "Zwei Drittel des Marktes werden von Billiganbietern beherrscht. Wir müssen Wege finden, uns da zu behaupten." Profilieren wolle man sich vor allem durch gute Qualität und Service.

Die Brutto-Filialeinnahmen der Otto Reichelt AG sanken im vergangenen Jahr durch den stärkeren Wettbewerb und eine Umsatzverlagerung zu den Tochtergesellschaften um 20 Prozent auf rund eine Milliarde Mark. Seit einiger Zeit gehören neben der Otto Reichelt AG, die 103 Supermärkte betreibt, auch die Otto Thürmann GmbH und die Otto Reichelt Fleisch- und Wurstwaren GmbH zum Konzern. Für das Berichtsjahr wurde daher erstmals auch ein Konzern-Jahresabschluss erstellt. Demnach sind die Brutto-Außenumsätze aller drei Gesellschaften um 10,4 Prozent auf 1,263 Milliarden Mark gesunken. Es wurde ein Verlust von 1,8 Millionen Mark erwirtschaftet.

Der Umsatz der Otto Thürmann GmbH, die 111 Bäckereifilialen betreibt, stieg im vergangenen Jahr um 15,6 Prozent auf 61,6 Millionen Mark. Die Otto Reichelt Fleisch- und Wurstwaren GmbH verbuchte einen Umsatz von 218,9 Millionen Mark. Im gesamten Konzern gab es zum Jahresende 4843 Vollzeitarbeitsplätze, das entspricht einer Abnahme um 1,3 Prozent. Auch in Zukunft wolle die Unternehmensgruppe die Mitarbeiterzahl weiter senken. Betroffen seien in den nächsten zwei Jahren 80 Arbeitsplätze, vor allem im Verwaltungsbereich, sagte Beister.

Für das Jahr 2000 rechnet der Vorstand mit einem weiteren Umsatzrückgang um insgesamt zwei Prozent. Im ersten Quartal habe es im Vergleich zum Vorjahreszeitraum allerdings Einbußen von etwa sechs Prozent gegeben. Auch was den Gewinn betrifft, ist der Konzern wenig optimistisch. "Wir erwarten nur ein ausgeglichenes Ergebnis, und selbst das ist schon ein Erfolg." Eine Dividende wird wie in den beiden Vorjahren voraussichtlich auch im Jahr 2000 nicht ausgeschüttet.

Um die Attraktivität der Ladenkette zu steigern, hat Reichelt im vergangenen Jahr etwa 70 Filialen modernisiert, insgesamt 63,9 Millionen Mark wurden investiert. In diesem Jahr sollen zehn bis 15 weitere Ladenlokale folgen. Als Strategie gegen die Billiganbieter setzt Beister auf eine große Sortimentsbreite, Qualität und Frische. Neu im Angebot seien Bio-Produkte und Baby-Gemüse. Auf der anderen Seite sollen die günstigeren Eigenmarken forciert werden. Denn auch Reichelt sieht ein: "Der Wettbewerb wird zunehmend über den Preis geführt."

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