Wirtschaft : Verluste und hohe Schulden bremsen Fiat

Der italienische Autokonzern Fiat sieht weiter schwierigen Zeiten entgegen. Während das Unternehmen im ersten Quartal 2002 tief in die roten Zahlen rutschte, machte die schwache Autokonjunktur dem Hersteller in Deutschland einen Strich durch die Rechnung. "Unser ursprüngliches Ziel, 2002 in Deutschland rund 136 000 Autos zu verkaufen, haben wir revidiert", sagte der Vertriebschef der Fiat Automobil AG, Jörg Briewig, am Dienstag in Frankfurt. Derzeit verkaufe der Autokonzern auf dem deutschen Markt pro Monat rund 1000 Fahrzeuge weniger als geplant. "Unseren Vorjahresabsatz von rund 124 000 Fahrzeugen der Marken Fiat, Lancia und Alfa Romeo werden wir aber wieder erreichen", sagte Briewig.

Der Verlust des Fiat-Konzerns belief sich im ersten Quartal auf 529 Millionen Euro. Das teilte das Unternehmen am Dienstag auf der Hauptversammlung in Turin mit. Im Vorjahr war in den ersten drei Monaten noch ein Nettogewinn von 193 Millionen Euro erwirtschaftet worden. Wegen des Rückgangs der Autoverkäufe sei der Umsatz um vier Prozent auf 14,1 Milliarden Euro gesunken, hieß es. Allein bei Fiat Auto sei der Umsatz um 11,2 Prozent auf knapp sechs Milliarden Euro gefallen. Die Verschuldung sei von Dezember bis Ende März um knapp 600 Millionen Euro auf 6,6 Milliarden Euro angewachsen. Fiat will versuchen, die Schulden bis Ende des Jahres zu halbieren. Dazu soll vor allem die kürzlich beschlossene Kapitalerhöhung von Fiat beitragen.

Die Aufsichtsräte von Fiat und Ferrari beschlossen am Dienstag weiter, den italienischen Sportwagenbauer Ferrari an die Börse zu bringen. Das Unternehmen solle vom Ende des Jahres an notiert werden. Bereits seit Wochen wurde in Italien über einen Ferrari-Börsengang spekuliert. Fiat hält 90 Prozent an dem Sportwagen-Produzenten, den er 1988 übernommen hatte. "Fiat will auch nach Abschluss der Platzierung die Kontrolle über Ferrari behalten", hieß es.

Die Gesellschafter des italienischen Fiat-Konzerns waren am Dienstag zu der mit Spannung erwarteten Hauptversammlung des krisengeschüttelten Unternehmens nach Turin gekommen. Analysten hatten schon im Vorfeld des Aktionärstreffens erwartet, dass der Automobil-Sektor von Fiat weiter ins Minus gerückt ist. Am Dienstag sollte über Strategien beraten werden, um die Krise in der Auto-Sparte zu bekämpfen. Vor allem müsse eine Lösung für die Verschuldung gefunden werden, sagen Experten. Italienische Zeitungen berichteten, dass Fiat vor allem auf den Entwurf neuer Auto-Modelle, sowie auf eine Reduzierung der Produktion und Verkäufe von kleineren Unternehmensteilen setzen wird. Als schlechtes Vorzeichen werteten Beobachter die Abwesenheit von Fiat-Ehrenpräsident Giovanni Agnelli (81), der sich derzeit in den USA behandeln lässt und erstmals seit 60 Jahren nicht bei der Hauptversammlung präsent ist. "Fiat: Der Tag der Wahrheit", titelte die italienische Zeitung "La Repubblica" am Dienstag.

Eine kurzfristige Erholung des Marktes erwartet Fiat im Gegensatz zu einigen Konkurrenten nicht. "Ich rechne nicht mit dem von vielen Seiten erhofften Aufschwung im zweiten Halbjahr", sagte der deutsche Vertriebschef Briewig. Fiat hatte im vergangenen Jahr in Deutschland in einem insgesamt rückläufigen Gesamtmarkt rund elf Prozent weniger Autos verkauft als ein Jahr zuvor.

Statt allein auf höhere Absatzzahlen und eine Ausweitung des Marktanteils zu hoffen, müsse das Unternehmen zunächst seine "Hausaufgaben machen" und vor allem Kosten reduzieren. "Das heißt aber ganz sicher nicht, am Händlernetz zu sparen", sagte Briewig. Fiat setze trotz der von der EU-Kommission betriebenen Reform des europäischen Automobilvertriebes auf ein starkes Netz autorisierter Automobil-Fachhändler. Kurzfristig ist es laut Briewig "auch nicht unsere Priorität, mit allen Kräften in Deutschland wieder Importeur Nummer 1 werden zu wollen".

Mittelfristiges Ziel der Fiat Gruppe sei es nach wie vor, den Marktanteil in Deutschland deutlich zu steigern. 2001 lag er - die drei Marken Fiat, Lancia und Alfa Romeo zusammengenommen - bei 3,7 (2000: 3,7) Prozent.

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