Vermögen und Vorsorge (2): Werte schaffen, Werte erhalten : Strategien gegen die Gier

Es gibt keine Rendite ohne Risiko – aber viele Wege zum Anlageerfolg. Finanzprofis und Wall-Street-Legenden zeigen, wie man es macht.

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Juwelen fürs Depot zu finden, ist nicht einfach. Breite Streuung reduziert das Verlustrisiko. Foto: Mike Wolff/gesehen bei Juwelier Lorenz
Juwelen fürs Depot zu finden, ist nicht einfach. Breite Streuung reduziert das Verlustrisiko. Foto: Mike Wolff/gesehen bei...

Geld anlegen, verwalten, bewahren und mehren: Ein Vermögen klug zu managen, ist ähnlich anspruchsvoll wie das Management eines Unternehmens. Basis jeder erfolgreichen Geldanlage ist eine klare Strategie, denn sie bestimmt etwa 70 Prozent des Anlageerfolges. Doch welche Möglichkeiten gibt es? Wie kann man sein Geld sinnvoll anlegen und aufteilen?

Das schweizerisch-deutsche VZ Vermögenszentrum etwa glaubt, dass Geld im Prinzip nicht viel anders arbeiten sollte als eine Fußballmannschaft: Nötig seien nicht nur eine Defensive, sagt VZ- Vermögensberater Michael Huber, sondern auch ein defensives und eine offensives Mittelfeld, ein Sturm und ein Libero.

Wolle etwa ein älteres Ehepaar eine Erbschaft anlegen, dann könnten 25 Prozent als Tagesgeld in der Defensive stecken, 25 Prozent im defensiven Mittelfeld in Pfandbriefen oder Staatsanleihen, ein Drittel im offensiven Mittelfeld in Unternehmens- oder Wandelanleihen, 15 Prozent als Aktien im Sturm – und fünf Prozent in Edelmetallen. Entscheidend für die individuelle Aufteilung des Vermögens sind aber zunächst die Antworten auf folgende Fragen: Wie hoch ist meine Risikobereitschaft konkret? Ertrage ich es, wenn mein Vermögen zeitweise ins Minus rutscht? Wie lange möchte ich das Geld arbeiten lassen?

Für jede Geldanlage gilt: Es gibt keine Rendite ohne Risiko. Es gibt jedoch Möglichkeiten, das Risiko in Zaum zu halten, ohne die Gewinnchancen allzu stark zu reduzieren. Diversifikation heißt hier der Königsweg, den vor allem der US-Ökonom Harry Markowitz in seiner Portfolio-Theorie ausgearbeitet und dafür 1990 den Nobelpreis erhalten hat. Grob vereinfacht sagt Markowitz: Eine sinnvolle Geldanlage besteht nicht aus einer Liste von Wertpapieren, sondern ist eine ausbalancierte Einheit von Elementen, die sich in verschiedenen Börsen- und Konjunkturphasen nicht im Gleichschritt bewegen und damit das Risiko streuen. Wer etwa nur Dax-Papiere kauft, geht ein ebenso unnötiges Risiko ein wie jemand, der zwei Autowerte und zwei Banken im Depot hat – oder wie ein Anleger, der 50 Prozent seines Geldes auf Gold setzt.

Die meisten Anleger suchen seit der Finanzkrise hauptsächlich Sicherheit, gehen am liebsten in Festverzinsliches. Der Vermögensverwalter und Fondsmanager Jens Erhardt glaubt sogar, dass es in den kommenden zehn Jahren grundsätzlich eher um Kapitalerhalt denn um dessen Mehrung gehen könnte. Ehrhardt rät auch vorsichtigen Anlegern zu folgender Aufteilung einer größeren Summe: Je 15 Prozent in Immobilien und Gold, zehn Prozent in Rohstoffe, fünf Prozent in Staatsanleihen, 20 Prozent in Unternehmensanleihen und 35 Prozent in Aktien.

Andere Experten geben den Rat: „Keep it simple“. Der Mannheimer Finanzwissenschaftler Martin Weber (siehe Interview) hat nachgewiesen, dass ein Investor mit 65 Prozent Aktien, 25 Prozent Anleihen und 15 Prozent Rohstoffen ein optimales Depot bauen könne. Welchen Anteil Liquidität, etwa in Tagesgeldern, er daneben als „sichere Bank“ wähle, hänge von seinem persönlichen Risikoprofil ab. Damit Anleger dies umsetzen können, hat Weber in Zusammenarbeit mit der Fondsgesellschaft DWS ein Produkt entwickelt, den Arero Fonds. Arero steht für „Aktien, Renten, Rohstoffe“ und ist ein passiv arbeitender Fonds mit niedrigen Kosten, der wie eine Vermögensverwaltung im Mini- Format über Indizes die gewünschte Marktaufteilung abbildet. Während Weber für eine Anlagestrategie steht, die weder einer Investment-Mode nachjagt noch daran glaubt, dass das gezielte Herauspicken von Aktien („Stockpicking“) vernünftig ist, glaubt Ehrhardt wie viele andere Fondsmanager daran, dass der Value-Ansatz die besten Erfolge verspricht.

Value-Investoren setzen gerne auf werthaltige Unternehmen, bei denen sich eine gute Marktposition mit stabilen Gewinnen paart und die gleichzeitig zum Kaufzeitpunkt unterbewertet sind. Der berühmteste aller Value-Investoren, der US-Milliardär Warren Buffet, hat fast schon Kultstatus. Doch seine Methode ist „simple, but not easy“: Buffet kauft nie Modetrends, sondern nur „harte Fakten“. In seine Portfolios kommen nur Aktien von Firmen mit leicht verständlichem Geschäftsmodell und erfahrenen Managern. Ganz wichtig: Steigenden Notierungen läuft Buffet nie hinterher. In sein Beuteschema passen „Values“, die unterbewertet sind – etwa, weil die Anlegermasse sie gerade langweilig oder riskant findet. Kaufe, wenn andere ängstlich sind; verkaufe, wenn andere gierig sind, ist eines seiner Credos. Buffett schwimmt also gegen den Strom: Wenn alle verkaufen, ist bald kein Verkaufswilliger mehr da, so dass die Wende ansteht. So hat Buffett im Herbst 2008, als Bank-Aktien nach dem Lehman-Crash gemieden wurden, Goldman-Sachs-Anteile für fünf Milliarden Dollar gekauft und sich dafür eine zehnprozentige Dividende zusichern lassen. Nun werfe allein diese Dividende pro Sekunde 15 Dollar ab, rechnete Buffet seinen Investoren vor. Kurzfristige Marktbewegungen interessieren Buffet nicht, er setzt auf Disziplin, Geduld und langfristigen Erfolg. Seine Bilanz gibt ihm recht: Buffett startete 1956 mit rund 100 000 Dollar, heute ist er geschätzte 50 Milliarden Dollar schwer. Sein Fonds Berkshire Hathaway ist in den vergangenen 20 Jahren um fast 2000 Prozent gestiegen.

Wer Value ablehnt, setzt vermutlich lieber auf das Gegenteil – den Growth-Ansatz. Anhänger des Growth-Stils suchen gezielt nach den großen Geschichten der Zukunft, sie setzen auf künftige Wachstumsmärkte, auf viel versprechende Branchen. Growth-Jünger sind auf dem Internet-Hype mitgesurft, haben Biotechs und Solaraktien gekauft. Viele haben zum Beispiel auch Apple im Depot, am besten schon seit den achtziger Jahren, als das Papier noch für weniger als drei Dollar zu haben war. Heute steht es bei über 300.

Das Problem: Jede Wachstumsstory ist abhängig von fortlaufend neuen, guten Nachrichten und stößt dabei unweigerlich irgendwann an eine Sättigungsgrenze. 2000 platzte die Internet-Blase, auch Telekom-Aktien sind heute keine Kursrakete mehr. Entscheidend für einen Growth-Anleger ist also, rechtzeitig zu erkennen, wann es Zeit ist zu verkaufen.

Vielfach imitiert und fast nie erreicht ist auch das Yale-Modell, selbst wenn es in der Finanzkrise ein wenig von seinem Nimbus eingebüßt hat. Gemeint ist damit jener Anlagestil, mit dem David Swanson das Stiftungsvermögen der US-Elite-Uni Yale managt. Swanson investiert seit 1985 nicht, wie die Masse der Anleger, vor allem in Aktien und Anleihen, sondern auch in Wagnis- und Beteiligungskapital, in Hedgefonds und in Wälder. Er setzt also auf illiquide Märkten mit weniger Marktteilnehmern, in denen Informationsvorsprünge eines einzelnen Investors noch Vorteile verschaffen. An den Aktien- und Anleihemärkten sind hingegen so viele Akteure am Werk, dass alle Informationen zu jedem Zeitpunkt bereits in den Kursen enthalten sind.

Über Hedgefonds beteiligt sich Swanson dennoch auch an Aktien, während er Anleihen untergewichtet, „denn es ist besser, ein Eigentümer zu sein als ein Kreditgeber“. Bis 2008 brachte dieser Ansatz jedes Jahr im Schnitt ein Plus von 17 Prozent ein. Ab 2008, als die Krise illiquide Anlagen zeitweise unverkäuflich machte und Anleihen haussierten, schmolz das Yale-Portfolio um 25 Prozent. Doch Swanson gewann zuletzt seine alten Stärken zurück: der Fonds schaffte im zurückliegenden Jahr knapp neun Prozent.

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