Vermögen und Vorsorge (4): Renditebaustein Immobilien : Ab in den Süden

Viele träumen von einer eigenen Ferienimmobilie – in Spanien und Griechenland fallen die Preise. In unserer Tagesspiegel-Serie informieren wir über die besten Formen der Vorsorge.

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Baugeld ist dank niedriger Zinsen günstig. Ein Ferienhaus sollte man aber nicht aus einer Laune heraus kaufen. Foto: Mike Wolff
Baugeld ist dank niedriger Zinsen günstig. Ein Ferienhaus sollte man aber nicht aus einer Laune heraus kaufen.Foto: Mike Wolff

Sabine Kraus rauft sich noch heute die Haare. Anfang der neunziger Jahre wurde ihr ein Küstenstreifen von einem Kilometer Länge im brasilianischen Palmenparadies Praia do Forte angeboten – für schlappe 10 000 Dollar. Weil Brasilien damals noch eher Ziel für Abenteurer denn für Investoren oder Massentouristen war, schlug sie das Angebot aus. Heute steht an diesem Küstenstreifen ein Luxushotel neben dem anderen. Solche Chancen kehren nicht zurück.

Dennoch findet man nach der Immobilien- und Finanzkrise auch heute noch an manchen gängigen Traumzielen der Deutschen Schnäppchen. Die Preise von Ferienimmobilien sind – je nach Ziel und Lage – um vier bis mehr als 50 Prozent gesunken, allerdings nicht überall. Wer die iberische Sonne liebt oder sich einen Metaxa auf der Terrasse seines eigenen Kykladen-Häuschens gönnen möchte, könnte derzeit gute Konditionen vorfinden.

Jeder vierte Deutsche kann sich vorstellen, eine Ferienimmobilie zu erwerben, ergab eine Emnid-Umfrage im Auftrag des Baufinanzierers BHW. 16 Prozent hegen danach sogar konkrete Kaufabsichten. „Die Immobilie ist eine sichere und rentable Anlageform, das gilt auch für Ferienimmobilien“, bestätigt Georg Hoogendijk von der BHW. Angesichts der niedrigen Zinsen lasse sich das eigene Feriendomizil aktuell günstig finanzieren.

Die kräftigsten Preisnachlässe bieten Spanien, die USA und Griechenland, wo die Krise auch am heftigsten tobte. Mit bis zu 70-prozentigen Abschlägen im Vergleich zu 2007 können Spanienfans inzwischen rechnen, vor allem auf dem Festland in zweiter Reihe hinter den Stränden. Träume vom rustikalen Landhaus im Hinterland der Costa del Sol oder der Costa de la Luz werden bereits ab 100 000 Euro Wirklichkeit, während für Fincas mindestens das Doppelte verlangt wird. Wer sich mit einfacheren Standards zufriedengibt, findet auch an den Küsten eine Bleibe für 100 000 Euro.

Wie überall wird es umso teurer und exquisiter, je mehr man sich den Lieblingsdestinationen des Jetsets nähert. Für größere Villen mit Pool im mallorquinischen Port Andratx etwa beginnen die Preise bei zwei Millionen Euro. Auch auf den Kanaren sind die Abschläge gering. Makler rechnen wegen des enormen Angebots aber mit weiter sinkenden Preisen.

Auch in Frankreich sind Schnäppchen zu finden. Hier allerdings gilt: Was 2007 sehr ambitionierte Preise hatte, ist zwar günstiger geworden, aber alles andere als preiswert. So werden an der Côte d’ Azur oder in Monaco oft „nur“ noch 60 000 Euro statt 100 000 Euro pro Quadratmeter verlangt. Landhäuser im Languedoc und in der Provence sind ab 250 000 Euro zu haben. In weniger gefragten Regionen im Landesinneren, heißt es bei der Deutschen Schutzvereinigung für Auslandsimmobilien, „gibt es viel Einsamkeit und Immobilien für wenig Geld“. In Frankreich finden auch Liebhaber ungewöhnlicher Zweitwohnsitze eine große Auswahl: Da gibt es schon einmal den mittelalterlichen Wohnturm samt Herrenhaus und Nebengebäuden aus dem 13. Jahrhundert für gut 500 000 Euro. Zu beachten sei jedoch, heißt es bei der Schutzvereinigung, dass die baulichen Standards nicht immer deutschen Maßstäben entsprechen und Renovierungsbedarf bestehe. Wichtig sei auch, sich mit dem komplexen französischen Steuer- und Erbrecht auseinanderzusetzen, also einen Fachmann zu Rate zu ziehen. Ähnlich wie in Spanien können die Erwerbskosten zwölf Prozent und mehr erreichen, abhängig von Objekt und Region.

Ohnehin gilt für Ferienimmobilien: Ein Kauf will gut überlegt und geprüft sein. Niemand würde seinen Erstwohnsitz aus einer Laune heraus kaufen und sollte dies auch beim Zweitwohnsitz nicht anders handhaben, warnt der Verband privater Bauherren: „Ein Ferienhaus ist ein Luxus, der schnell zum Klotz am Bein werden kann.“ Zu berücksichtigen sind nicht nur Nebenkosten, sondern auch Fragen der Infrastruktur und der Besteuerung: Ist das Zweitdomizil gut erreichbar? Sind Ärzte und Läden in der Nähe? Fällt beim Verkauf eine Gewinnbesteuerung an? Möchte ich vermieten?

Auch in Griechenland könnten da Fallstricke warten: Zwar sind auch hier die Preise nach dem Beinahestaatsbankrott und den Notverkäufen vieler Griechen unter die Räder gekommen. Doch nun rechnen Experten wegen der klammen Haushaltslage mit steigenden Steuern auf Immobilien beziehungsweise deren Erwerb. Andere gehen von zwei weiteren Jahren Preisverfall aus. Makler wie die auf Griechenland spezialisierte GIS raten, statt einer alten Villa auch den Neubau eines Hauses in Betracht zu ziehen. „Ab 150 000 Euro ist der Neubau eines kleinen Hauses samt Grundstück ganz nach den Wünschen der Käufer realisierbar, Meerblick inklusive“, sagt Christian Seyrer von GIS.

Für die Traumziele in Deutschland gilt dagegen: Open end. Vor allem auf Sylt, aber auch auf Amrum und an der Ostseeküste (Timmendorfer Strand, Usedom, Darß, Kühlungsborn) werden für die erste Reihe hinter Dünen und Deichen Höchstpreise zwischen 10 000 und 25 000 Euro pro Quadratmeter gezahlt. Bescheidenere Lagen gibt es ab 500 Euro, doch ist der Markt größtenteils leer gefegt. Am anderen Ende der Republik zieht es Käufer vor allem nach Garmisch und Berchtesgaden in Oberbayern. Attraktiv wirkt nach Aussage der Maklerfirma Engel & Völkers, dass Alpendomizile in Deutschland deutlich günstiger sind als bei unseren Nachbarn: In Österreich und der Schweiz hat die Finanzkrise kaum Schaden angerichtet. Im Gegenteil: Nach Schweizer Marktanalysen sind Immobilien binnen eines Jahres im Schnitt um knapp sechs Prozent teurer geworden. Vor allem an der Züricher Goldküste und am Genfer See, wo fast jede vierte Immobilie Ausländern gehört, sprechen Marktkenner inzwischen von Preisblasen. An Schickeriazentren wie Davos und St. Moritz ist unter einer Million Euro nichts mehr zu haben. Zudem überlegt die Regierung, die Ausweisung von Zweitwohnsitzen zu beschränken. Günstigere Chalets findet man bestenfalls in den Kantonen Jura und Solothurn. Auch in Österreich werden für Toplagen am Arlberg, in Kitzbühel oder Seefeld phantasievolle Preise verlangt – und gezahlt. Noch gefragter sind Häuser und Grundstücke an den Seen in Kärnten oder im Salzkammergut. Wer direkten Seezugang sucht, fragt nicht nach dem Preis. Doch auch in Österreich findet, wer sich abseits der Karawanen bewegt, Attraktives, etwa in der südlichen Steiermark oder im Burgenland.

Und Bella Italia? Hier liefern sich reiche Engländer, Deutsche, Österreicher, Franzosen und neuerdings auch Russen und arabische Geschäftsleute einen Schaulauf um begehrte Plätze in der Toskana, in Umbrien, an den oberitalienischen Seen und in den Südtiroler Bergen. Während an den Hotspots in Italien auch leicht 6000 bis 10 000 Euro verlangt werden, gibt es gute, aber weniger prominente Lagen ab 1000 Euro pro Quadratmeter und damit günstiger als in der Schweiz oder in Österreich.

Und wo sind die Schnäppchen à la Brasilien? Vielleicht in Kanada? Dort ist Land noch richtig günstig. So bekommt man in Nova Scotia 120 bis 200 Hektar voll erschlossen an einem See noch ab 30 000 Euro. Allerdings ist die nächste große Stadt weit. Oder in Mosambik? Bisher tummeln sich dort nur ein paar adelige Abenteurer, auf der Suche nach einem der letzten unentdeckten Paradiese der Erde. Ein bis zwei Hektar Beachfront mit weißem Sand findet man noch für 30 000 bis 50 000 Dollar, inklusive kleinem Haus.

Das begleitende Heft "Vermögen und Vorsorge" in sechs Teilen finden Sie am jeweiligen Erscheinungstag im gedruckten Tagesspiegel. Die weiteren Folgen erscheinen am 22. und 28. November.

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