Vermögensbericht : Reich, reicher, am reichsten

Die Vermögenden besitzen wieder so viel wie vor der Krise. Deutschland liegt hinter den USA und Japan auf Platz drei.

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Kaviar in Dosen. Für Luxusgüter wie Delikatessen, Autos, Schmuck oder Kunst geben die Reichen ein Drittel ihres Vermögens aus.
Kaviar in Dosen. Für Luxusgüter wie Delikatessen, Autos, Schmuck oder Kunst geben die Reichen ein Drittel ihres Vermögens aus.Foto: ddp

Frankfurt am Main - Für manche ist die Krise vorbei, für andere fängt sie gerade erst an. Die Reichen und Superreichen besitzen wieder so viel Geld wie vor dem jüngsten Zusammenbruch der Weltwirtschaft. Zu dem Schluss kommt der Welt-Vermögens-Bericht 2010 von der Beratungsfirma Cap Gemini und der Investmentbank Merrill Lynch. Die Anzahl der Armen hat sich dagegen laut Weltbank durch die Krise weiter erhöht.

Laut Welt-Vermögens-Bericht gab es Ende 2009 weltweit zehn Millionen Menschen mit einem liquiden Vermögen von jeweils mindestens einer Million Dollar – nicht einberechnet die Häuser, Autos oder Jachten der Millionäre. Zusammen besaßen sie 39 Billionen Dollar, das sind rund 19 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Das Vermögen der weltweit 93 000 Superreichen wuchs sogar um 22 Prozent auf insgesamt fast 14 Billionen Dollar. Als superreich gilt, wer mehr als 30 Millionen Dollar besitzt.

Im Schnitt sind die Reichen und Superreichen damit wieder so vermögend wie im Vorkrisenjahr 2007. In Südamerika ist ihr Reichtum in den letzten zwei Jahren sogar um acht Prozent gewachsen, in Asien waren es immerhin zwei Prozent.

In Deutschland ist die Zahl der Millionäre im Jahr 2009 auf 861 000 angewachsen. Das sind 51 000 oder 6,4 Prozent mehr als noch im Vorjahr. Damit rangiert Deutschland weltweit auf Platz drei der Millionärsskala. Absolut gesehen leben die meisten Reichen mit fast 2,9 Millionen (plus 16,5 Prozent) in den USA, dahinter folgt trotz der anhaltenden Wirtschaftskrise Japan mit 1,65 Millionen (plus 21 Prozent). Die USA, Japan und Deutschland halten zusammen mit 53,5 Prozent weiter mehr als die Hälfte des Vermögens der weltweit Reichen und Superreichen.

Die höchsten Wachstumsraten mit Blick auf die Anzahl der Millionäre melden allerdings Indien – plus 51 Prozent auf 127 000 – und China mit einem Zuwachs von 31 Prozent auf 477 000. Auch Afrika holt auf: Dort zählt die Studie aktuell rund 100 000 Dollarmillionäre, davon fast 1 900 Superreiche. Vor allem in Asien sind die Millionäre stark von der Entwicklung der Kapitalmärkte abhängig. In Hongkong etwa ist der Aktienindex 2008 um 50 Prozent gefallen, was die Reichen drastisch zu spüren bekamen. Dafür profitierten sie ein Jahr später, als die Kurse über 70 Prozent zugelegten.

Laut Studie sind die reichen Anleger weltweit vorsichtiger geworden. „Sie legen ihr Geld viel konservativer an als vor der Krise“, sagt Klaus-Peter Meyer, Chef der Finanzsparte von Cap Gemini. Auch bei den Ausgaben für Luxusgüter wie Flugzeuge, Boote, Luxusautos sowie für Schmuck, Kunst oder auch teure Weine hätten sich die Reichen im letzten Jahr zurückgehalten, was unter anderem auch die deutschen Hersteller von Edelkarossen wie Mercedes, BMW und Audi zu spüren bekamen. „Solche Verkäufe wurden von der Krise schwer getroffen und entwickelten sich 2009 schwach. Aber im zweiten Halbjahr gab es Anzeichen für eine Verbesserung“, sagt Meyer.

Insgesamt entfällt rund ein Drittel der Ausgaben der Reichen und Superreichen auf Luxusgüter. Auch für Kunst und Schmuck geben sie Geld aus. Die Studie beziffert das Volumen der Kunstverkäufe für 2009 weltweit mit 4,6 Milliarden Dollar. Auch die Bereitschaft, Geld für soziale und kulturelle Zwecke einzusetzen, habe bei den Reichen 2009 wieder leicht zugenommen, heißt es in der jüngsten Studie. Das gilt allerdings nicht in Nordamerika. Dort sei weniger Geld für wohltätige Zwecke geflossen. Trotzdem würden die Reichen in den USA und Kanada immer noch mehr als 200 Milliarden Dollar pro Jahr spenden oder über Stiftungen weitergeben.

Bedürftige gibt es genug, denn den Armen in der Welt hat die Krise schwer zugesetzt. Zwar gibt es keine konkreten Zahlen für das vergangene Jahr. Weltbank und Internationaler Währungsfonds schätzen aber im „Global Monitoring Report 2010“, dass die Krise weltweit 53 Millionen Menschen zusätzlich in die absolute Armut gestürzt hat und noch stürzen wird. Damit müssen weltweit rund 440 Millionen Menschen von weniger als 1,25 Dollar pro Tag leben. Ein Drittel aller Menschen in den Entwicklungsländern haben ein tägliches Einkommen von gerade mal zwei Dollar.

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