Wirtschaft : „Vernunftehe“ soll die IG Metall retten

Vorstand nominiert erneut Peters und Huber für die Spitze der Gewerkschaft / Steinkühler fordert Geschlossenheit

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Berlin (uwe/brö). Der Machtkampf um die Führung der IG Metall ist vorerst beendet: Der Gewerkschaftsvorstand einigte sich am Mittwoch in Frankfurt (Main) auf eine neue Spitze mit dem bisherigen Vize Jürgen Peters als Vorsitzenden und dem badenwürttembergischen Bezirksleiter Berthold Huber als Stellvertreter. Sie sollen auf einem Gewerkschaftstag Ende August gewählt werden. Doch die Basis ist unzufrieden mit dieser Lösung.

Peters, der als Traditionalist gilt, sagte nach der Vorstandssitzung, das Gremium habe die Empfehlung einmütig ausgesprochen. Mit dieser Entscheidung, die der Vorstand im April schon einmal gefällt hatte, soll der Streit um die Besetzung der Gewerkschaftsspitze beigelegt werden. Ausgelöst hatte ihn die Niederlage der IG Metall im Kampf um die 35-Stunden-Woche in Ostdeutschland. Der bisherige IG-Metall-Chef Klaus Zwickel war am Montag zurückgetreten.

Peters sagte, er sei sich mit Huber einig, dass dieses Duo am ehesten geeignet sei, die Gräben in der Gewerkschaft zu überwinden. „Wir müssen aufhören mit dem Selbstzerfleischungsprozess“, sagte er. In der IG Metall dürfe es keine Lager und keine Fraktionen geben. Alle wichtigen politischen und personellen Fragen werde er mit Huber gemeinsam entscheiden. „Wir schließen Alleingänge aus.“ Auch solle der verlorene Arbeitskampf aufgearbeitet werden. Der bislang für die Tarifpolitik zuständige und wegen der Streikniederlage kritisierte Peters sagte, auf dem Gewerkschaftstag am 29. August solle eine gemeinsame Linie gefunden werden. Huber, der seine Kandidatur nach dem Streik zunächst zurückgezogen hatte, sagte, das Führungsduo sei „eine Vernunftpartnerschaft auf Zeit“, „keine Liebesheirat“. Doch weder er noch Peters hätten sich ihrer Pflicht entziehen können. Ein Neuanfang sei trotz vielfacher Bemühungen unmöglich gewesen. In einer gemeinsamen Erklärung betonten Peters und Huber, die IG Metall brauche „ein Signal der Einheit und des Aufbruchs“.

Noch nicht genau geregelt ist nach Peters’ Worten die Zuständigkeit im Vorstand. Huber werde aber als zweiter Vorsitzender für die Tarifpolitik zuständig sein. Peters will bei der nächsten Wahl in vier Jahren „vermutlich“ nicht noch einmal antreten, damit Huber dann zum Chef gewählt werden könne.

Der frühere IG-Metall-Chef Franz Steinkühler hat die Gewerkschaft zur Geschlossenheit gemahnt. „Wer keine Alternative zur Doppelspitze Jürgen Peters und Berthold Huber hat, muss jetzt das Maul halten, um weiteren Schaden von der IG Metall abzuwenden“, sagte Steinkühler dem Tagesspiegel. Er gilt als eine der Schlüsselfiguren in der Lösung der IG-Metall-Krise. Doch richtig glücklich ist niemand mit der Entscheidung, das alte Führungsduo zum Neuen zu machen: Huber gehe beschädigt in die IG-Metall-Spitze, Peters dagegen sei stärker denn je. Hubers Zögern – erst anzutreten, dann zurückzuziehen und dann wieder anzutreten – habe nicht den Eindruck gestärkt, dass in Huber eine echte Führungsfigur an die Spitze trete. Das habe Konsequenzen für die Machtbalance und für das Vertrauen zwischen den beiden. „Das ist eine reine Vernunftbeziehung, die die Strömungen in der IG Metall nicht versöhnt“, sagte ein Spitzenfunktionär dieser Zeitung. Das Misstrauen sei nach wie vor so hoch, dass Huber sich schriftlich habe zusichern lassen, dass Peters nach vier Jahren tatsächlich seinen Chefsessel räumt.

An der Basis gab es Proteste gegen Peters. So sprachen sich die Opel-Betriebsräte gegen die neue Spitze aus, ebenso Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück. Der Chemnitzer IG-Metall-Bevollmächtigte Sieghard Bender sagte im MDR, die Chemnitzer Delegierten würden ihre Stimmzettel als Denkzettel einsetzen.

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