Verpackungen : Das Pfand ist teurer als die Flasche

Eine bessere Kennzeichnung soll den Trend zum Einweg stoppen. Die meisten Verbraucher können offenbar nicht genau zwischen Mehrweg- und Einwegflaschen unterscheiden.

Plastikmüll. Weil sie auch für Einwegflaschen Pfand bezahlen müssen, sehen die Kunden keinen Unterschied zu Mehrwegflaschen, beklagen die Umweltschützer.
Plastikmüll. Weil sie auch für Einwegflaschen Pfand bezahlen müssen, sehen die Kunden keinen Unterschied zu Mehrwegflaschen,...Foto: picture alliance / dpa

Berlin - 25 Cent Pfand zahlt der Kunde im Supermarkt für eine Einwegflasche Mineralwasser, für eine Mehrwegflasche sind es nur 15 Cent: Ursprünglich sollten die Verbraucher durch die Einführung des Einwegpfands dazu angehalten werden, mehr Mehrweg- statt Einwegflaschen zu kaufen. Wie die Deutsche Umwelthilfe (DUH) am Montag mitteilte, geht der Trend jedoch in die umgekehrte Richtung: Die Deutschen greifen im Supermarkt immer öfter zu Getränken in Einwegflaschen oder Getränkekartons. So ist auch 2010 der Anteil von Mehrwegflaschen weiter gesunken. Nur 31,1 Prozent der im vergangenen Jahr verkauften Flaschen Mineralwasser waren Mehrwegflaschen. 2009 waren es laut Umwelthilfe noch 31,7 Prozent, 2005 sogar mehr als 55 Prozent. Die Umwelthilfe bezieht sich auf Zahlen, die das Marktforschungsinstitut GfK erhoben hat.

Auch bei anderen Erfrischungsgetränken sieht die Entwicklung nicht viel besser aus. Sie wurden den GfK-Zahlen zufolge 2010 nur zu 23,5 Prozent in Mehrwegpackungen verkauft, ein Jahr zuvor lag der Wert noch bei 26,2 Prozent. Bei fruchthaltigen Getränken liegt der Anteil von Mehrweg sogar nur noch bei 6,9 Prozent, 2009 waren es 7,4 Prozent.

„Ein Grund für den Rückgang der Mehrwertverpackungen ist der Preiskampf der Discounter“, sagte Franziska Müller von der DUH am Montag auf Anfrage. Eine Einwegflasche mit 1,5 Litern Mineralwasser gäbe es beim Discounter bereits für 19 Cent. Das Wasser kostet dort also weniger als der Pfand auf der Flasche. Deshalb kauften viele Verbraucher lieber den billigen Sprudel aus der Einwegflasche vom Discounter als den teureren in der Mehrwegflasche.

Hinzu kommt: Die meisten Verbraucher können offenbar nicht genau zwischen Mehrweg- und Einwegflaschen unterscheiden. „Sie gehen davon aus, dass sie etwas Gutes für die Umwelt tun, sobald sie Pfand bezahlen“, sagte Müller. Weil aber auch auf Einwegflaschen Pfand entfällt, sei vielen nicht klar, dass diese Flaschen hinterher im Müll landeten und nicht wieder befüllt würden.

Deshalb fordert die DUH jetzt eine bessere Kennzeichnung. Der Verbraucher sollte auf den ersten Blick erkennen können, ob es eine Mehrweg- oder eine Einwegflasche sei. Derzeit müssen Mehrwegflaschen nicht gesondert gekennzeichnet werden. Auf Einwegflaschen ist ein blaues Logo aufgebracht, auf dem eine Dose, eine Flasche und ein Pfeil abgebildet sind. „Dieses Zeichen kennt aber kaum ein Verbraucher“, sagte Müller. Zwei neue Logos sollen deshalb her, aus denen klar hervorgehe, ob eine Flasche wiederverwendet werde oder ob sie im Recyclingmüll lande.

Damit die Kunden auch einen finanziellen Anreiz hätten, mehr Produkte in Mehrwertverpackung zu kaufen, fordert die DUH eine zusätzliche Abgabe auf Einwegflaschen von 20 Cent. Diese Abgabe würde nicht erstattet, wenn die Flasche zurückgegeben wird. cne/AFP

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