Versandhändler : Bayern rettet Quelle vor der Pleite

Der Freistaat gibt eine Bürgschaft über 20 Millionen Euro. Der neue Katalog kann gedruckt werden

Thomas Magenheim

München - Der Fürther Versandhändler Quelle vertraut auf seine Rettung in letzter Minute. Dafür sollen eine Bund-Länder-Garantie über 50 Millionen Euro und Bankenhilfen in dreistelliger Millionenhöhe sorgen. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer hat am Freitag eine Beteiligung seines Landes an einer Bürgschaft in Höhe von rund 20 Millionen Euro zugesagt. Vom Bund sollen weitere 25 Millionen Euro kommen, der Rest vom Land Sachsen. Das für den Bundesanteil zuständige Berliner Wirtschaftsministerium zaudert aber noch.

Das Votum aus Bayern wertet der vorläufige Insolvenzverwalter der Quelle-Mutter Arcandor, Klaus Hubert Görg allerdings als „politischen Durchbruch“, sagte dessen Sprecher. Görg erteilte deshalb den Druckauftrag für den neuen Quelle-Katalog, der für ein Überleben der Franken fundamental ist. Rund die Hälfte aller Umsätze fußen darauf. Görg habe im Vertrauen auf dem „politischen Willen“ von Bund und Ländern gehandelt, weil ungewöhnlich hoher Termindruck bestehe, ließ er mitteilen. Dabei seien Papierlieferant, Druckerei und Katalog- Binder mit ins Risiko gegangen. Mit der Bürgschaft soll die Arcandor-eigene und für Quelle zuständige Finanzierungsbank Valovis wieder flott gemacht werden. Deren Geldstrom an den Versandhändler war im Zug der Insolvenz versiegt und der Katalog konnte bislang nicht gedruckt werden.

Weil Quelle-Kunden auf Raten kaufen, muss die Ware versandhandelsüblich vorfinanziert werden. Außerdem benötigt Quelle Geld, um den Druck des neuen Katalogs zu bezahlen. Die Belegschaft ist optimistisch, obwohl die letzte Einigung der Politik noch aussteht. „Wir hatten Herzstillstand, jetzt hat der Pulsschlag wieder eingesetzt“, zeigte sich Quelle-Betriebsrätin Beate Ulonska erleichtert. „Super, es geht weiter“, meinte eine Beschäftigte, als sie beim Betreten der Fürther Firmenzentrale die Nachricht erfuhr. Nun gebe es wieder Hoffnung auf ein gutes Ende. Dafür gebe es aber keine Garantie, warnte Seehofer. Quelle habe als insolvente Tochter des Pleitekonzerns Arcandor noch einen sehr schwierigen Weg vor sich.

Aus dem Bundeswirtschaftsministerium, das von CSU-Politiker Karl-Theodor zu Guttenberg geführt wird, seien hinsichtlich der Bundesbürgschaft „positive Signale“ gekommen, betonte ein Insider. Über die Staatshilfe hinaus seien aber zur Rettung von Quelle auch Banken gefragt, um die Quelle-Bank Valovis zu refinanzieren. Hier gehe es um eine Summe von 300 bis 350 Millionen Euro. Nur dann könne Quelle auch die Ware bestellen, die sie in ihrem neuen Katalog anbietet. Der soll spätestens Anfang Juli mit einer Auflage von neun Millionen Exemplaren ausgeliefert werden. Bislang laufe das Geschäft trotz Insolvenz „wie in Hochzeiten“, sagt Ulonska. Kunden würden unbeirrt bestellen. Mit Schub durch den neuen Katalog soll das auch so bleiben.

In Fürth widersprechen zudem Management, Belegschaft und auch SPD- Oberbürgermeister Thomas Jung heftig Unkenrufen von Otto-Chef Hans-Otto Schrader, wonach die Quelle nicht sanierungsfähig sei. Finanzkrise und Arcandor-Pleite hätten die laufende Sanierung zwar massiv gestört, räumen die Franken ein. Diese sei ein Marathonlauf, bei dem der seit 80 Jahren existierende Traditionskonzern Quelle aber bei Kilometer 30 oder 40, also kurz vor dem Ziel steht, beschreibt Ulonska die Lage. Beim lange vernachlässigten Online-Handel sei dem Versender hier zu Lande in Rekordzeit der Sprung von Rang sieben auf Rang drei der Branche gelungen. Konkurrent Otto wolle nur die Arcandor-Pleite für sich ausnutzen.

Die Versandhandelsgruppe Primondo mit dem Flaggschiff Quelle sei aber funktionsfähig. Ohne Arcandor, im Falle einer insolvenzbedingten Zerschlagung des Gesamtkonzerns mit seinen Sparten Karstadt (Warenhäuser), Primondo (Versandhandel) und Touristik (Thomas Cook) wäre jedoch ein alternativer Investor nötig. Der könnte die Post sein, sagte Jung. „Ich würde mich sehr freuen, wenn sich die Post an Quelle beteiligt“, betonte er. Immerhin hingen dort 4000 Stellen vom Großkunden Quelle und dessen Paketen ab. Insgesamt stünden in der Metropolregion Nürnberg/Fürth rund 10 000 Stellen auf dem Spiel.

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