Versandhändler : Es wird weiter geblättert

Versandhändler erwarten mehr Umsatz. Die Zeit der Universalanbieter ist vorbei.

306033_0_adc74726.jpg

Berlin - Quelle ist am Ende. Bedeutet die Pleite des größten deutschen Versandhändlers auch einen Rückschlag für die gesamte Versandhandelsbranche? „Versandkunden sind Versandkunden und werden auch weiter im Versandhandel einkaufen“, sagt Oliver Claas, Sprecher des Bundesverbands des Deutschen Versandhandels (bvh), zuversichtlich. Die vielen Diskussionen über Quelle hätten der Branche insgesamt nicht geschadet, im Gegenteil: Die Versandhändler sehen sich weiterhin auf Wachstumskurs.

Angesichts der bislang stabilen Konsumstimmung in Deutschland geht der bvh davon aus, dass der Umsatz der Versand- und Onlinehändler im laufenden Jahr um 1,7 Prozent auf 29,1 Milliarden Euro zulegen wird. Auch der gute alte Katalog, der inzwischen von so vielen belächelt wird, wird keineswegs verschwinden. „Der Katalog ist weiterhin eine wichtige Stütze des Internethandels“, sagt Claas. Er werde von rund 70 Prozent der Onlinekäufer vor der Bestellung genutzt.

Wachstumstreiber des Distanzhandels, wie Versand- und Internethandel im Fachjargon heißen, ist jedoch das Internet. Dieses Jahr wird hier zu Lande so viel Geld im Netz ausgegeben wie nie zuvor. Die Branche erwartet Erlöse von 15,4 Milliarden Euro aus dem Onlinegeschäft – 15 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Zum ersten Mal wird das Internet mit einem Anteil von 53 Prozent mehr als die Hälfte des gesamten Versandhandels ausmachen, im vergangenen Jahr waren es noch knapp 47 Prozent.

Die Zeit der großen Universalanbieter wie Quelle ist jedoch vorbei, wie der Handelsexperte Joachim Zentes von der Universität Saarbrücken sagt. So sehr Arbeitnehmervertreter nun auf die Bundesregierung schimpfen, für den Professor war die Pleite angesichts der bisherigen Entwicklung zu erwarten: „Der klassische Kataloghandel ist seit vielen, vielen Jahren rückläufig.“ Dass in diesem Bereich auf Dauer nur ein Anbieter überleben könne, habe sich abgezeichnet. Das Rennen gemacht hat der Hamburger Otto-Konzern, da er sich nach Ansicht des Wirtschaftswissenschaftlers früher und moderner im Internet präsentiert hat. Quelle dagegen sei mit sich selbst beschäftigt gewesen und verschlief die Trends: „Dem Versandhaus haftet der negative Charme der 60er Jahre an.“ Für die Quelle-Töchter Baby Walz und Hess natur dagegen, die Kinder- beziehungsweise Öko-Kleidung anbieten, gebe es berechtigte Hoffnung. vis/dpa

0 Kommentare

Neuester Kommentar