Versandhäuser : Otto und das schwierige Erbe von Quelle

Das hatte man sich in Hamburg anders vorgestellt: Ein guter Name für wenig Geld und dazu einen mächtigen Konkurrenten weniger. Doch das Versandhaus Otto hat mit dem Ex-Konkurrenten Quelle Startschwierigkeiten.

David C. Lerch

Als sich der Otto-Konzern im November 2009 die Markenrechte des abgewickelten Versandhauses Quelle sicherte, schien ein strategisch besonders wertvoller Schritt geglückt. Der einstige Widersacher könnte den etablierten Ruf der guten, alten Quelle für sich nutzen, hieß es damals. Doch ein knappes halbes Jahr später ist immer noch nichts passiert. Auf quelle.de sind bisher nur ein paar Links zu anderen Marken des Konzerns angebracht, dazu das dünne Versprechen: „Bald geht es weiter.“ Ob und wie der Name Quelle genutzt wird, darüber will Otto einem Sprecher zufolge in den kommenden Wochen entscheiden. „Wir haben keine Eile“, erklärte er.

Zu dieser Einsicht gelangten die Hamburger indes nicht freiwillig. Denn auch die EU-Kartellbehörde hatte es nicht eilig: Erst vor vier Wochen genehmigte sie den Namenskauf. Das war zu spät, um die langjährigen Quelle-Kunden direkt ins Otto-Lager zu ziehen und von der Pleite der Franken unmittelbar zu profitieren. Das belegen die Zahlen, die Otto in der vergangenen Woche veröffentlichte. Um 200 Millionen Euro stieg der Umsatz im abgelaufenen Geschäftsjahr (bis Februar 2010). Quelle hatte 2008 noch 2,45 Milliarden Euro umgesetzt.

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