Versandhandel : Chancen auf Quelle-Transfergesellschaft schwinden

Die Gewerkschaft Verdi und der Quelle-Betriebsrat sehen die Transfergesellschaft für die 3100 Mitarbeiter des Versandhändlers in Gefahr. Sie fordern Millionen vom Staat.

Die Gewerkschaft ver.di und der Quelle-Betriebsrat sehen die Chancen auf eine Transfergesellschaft für die rund 3100 vor der Kündigung stehenden Mitarbeiter des insolventen Versandhauses schwinden. Die Zeit dränge, doch die Finanzierung drohe am Dickicht bürokratischer Vorschriften zu scheitern, warnten die Arbeitnehmer-Vertreter am Freitag in Nürnberg. Insbesondere notwendige EU-Genehmigungen könnten nicht schnell genug beschafft werden.

Die Politik müsse deshalb schon vor dem Genehmigungsverfahren in einem Kraftakt entsprechende Bürgschaften und Zuschüsse bereitstellen, verlangte der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats, Ernst Sindel. Zumindest in Bayern, wo fast 1800 Menschen betroffen sind, sei der Wille dazu auch erkennbar. Letztlich gehe es nur um wenige Millionen Euro. "Die Banken bekommen locker ihre Milliarden", sagte Sindel und spielt auf den staatlichen Rettungsschirm für die Finanzbranche an. "Es gibt eine zunehmende Wut der Arbeitnehmer."

Der Bund und die Länder Bayern und Sachsen hatten der Tochter des ebenfalls insolventen Handelsunternehmens Arcandor jedoch bereits einen Massekredit von 50 Millionen Euro bewilligt. Die Valovis-Bank hatte den Kredit als Sicherheit für ihre Zahlungen an das Versandhaus verlangt. Durch einen Stopp dieser Zahlungen hatte das Essener Bankhaus die akute Finanzklemme bei Quelle ausgelöst.

Die Gesamtkosten für die Transfergesellschaft, in der die gekündigten Mitarbeiter für neue Aufgaben qualifiziert werden sollen, bezifferte ver.di auf rund 38 Millionen Euro. Zur Absicherung sei eine Bürgschaft von 7,2 Millionen Euro nötig. Bürgen müssen die Bundesländer, brauchen dafür aber die Billigung der Europäischen Union. Die Chancen stünden zwar nicht schlecht, sagte ver.di-Sekretär Johann Rösch, doch das Genehmigungsverfahren in Brüssel werde zwei Monate dauern – Zeit, die man nicht habe. Denn schon Anfang Oktober würden voraussichtlich die ersten Beschäftigten freigestellt.

"Es gibt viel guten Willen, wenig Konkretes und nicht ausreichend Geld", fasste Rösch die bisherigen Gespräche zusammen. In Briefen an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die zuständigen Minister baten ver.di und der Betriebsrat deshalb um Hilfe. Gesamtbetriebsratschef Sindel sagte zu den fehlenden Millionen: "Herr Eick könnte es locker leisten." Der als Sanierer beim Mutterkonzern Arcandor angetretene Manager Karl-Gerhard Eick erhält für ein halbes Jahr Arbeit eine Abfindung von rund 15 Millionen Euro.

Quelle: ZEIT ONLINE, dpa

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