Versandhandel : Guttenberg warnt vor zu viel Optimismus für Quelle

Der Wirtschaftsminister hält eine Abwicklung des Fürther Versandhändlers noch immer für möglich. Trotz des bewilligten Massekredits sei die Zukunft noch nicht gesichert.

BerlinEr gilt als das ordnungspolitische Gewissen der Union – und hat auch jetzt wieder, im Fall des insolventen Versandhändlers Quelle mahnende Worte gesprochen. Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat den Staatskredit an das Unternehmen zwar verteidigt, gleichzeitig aber vor zu weitreichendem Optimismus gewarnt. "Quelle ist mitnichten, wie es einige behaupten, gerettet", sagte er im ZDF-Morgenmagazin.

Gleichzeitig verteidigte der Minister sein langes Zögern, dem insolventen Versandhändler den Massekredit zu gewähren. Erst kurz vor Ende der vierstündigen Verhandlungen habe man die letzten Zusagen in puncto Sicherheiten seitens des Unternehmens und der Banken bekommen. "Wir haben mit Steuergeldern vernünftig umzugehen." Nun zeigte sich der CSU-Politiker überzeugt davon, dass der Staatskredit wieder zurückfließt. "Und das ist gesichert."

Am späten Montagabend hatten sich der Bund sowie die beiden betroffenen Länder Bayern und Sachsen geeinigt, der Arcandor-Tochter den für das Unternehmen dringend benötigten Massekredit von 50 Millionen Euro zu gewähren. 25 Millionen Euro davon trägt der Bund, 20,5 Millionen Euro das Land Bayern und 4,5 Millionen Euro das Land Sachsen. Benötigt wird nun noch die Genehmigung der EU-Kommission, die für diesen Dienstag erwartet wird. Sollte dies geschehen, kann umgehend mit der Auszahlung der Gelder begonnen werden.

"Quelle hat eine Chance bekommen, eine faire Chance", sagte Guttenberg. Der Versandhändler habe nun bis zum Jahresende die Gelegenheit, sich neu aufzustellen. Allerdings könnte der bewilligte Kredit im schlimmsten Fall auch zur Abwicklung des Unternehmens eingesetzt werden. Damit äußerte er sich auch zu den erheblichen Zweifeln, ob Quelle in seiner jetzigen Form überhaupt überlebensfähig ist.

Zwar gewinnt Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg mit Hilfe des Kredits genügend Zeit, um das lukrative Wintergeschäft über die Bühne zu bringen und einen Investor für Teile des Traditionsunternehmens zu finden. Doch das Missmangement scheint enorm. Das Handelsblatt zitiert ein internes Gutachten der Wirtschaftsprüfungsfirma PwC, das im Auftrag der Bundesregierung erstellt wurde. Dort sei die Rede von "struktureller Komplexität" und "Ineffizienz". Zu guter Letzt hätten die Versandmanager in ihrem aufgeblähten Apparat nicht einmal mehr gewusst, was sie wirklich auf Lager hatten. "Schwierigkeiten im Bestandsmanagement sowie hohe Verwaltungs- und Gemeinkosten", zitiert die Zeitung die Wirtschaftsprüfer, "verschärften die angespannte finanzielle Situation".

In Bayern hängen nach Angaben des Betriebsrates mehr als 10.000 Arbeitsplätze an Quelle. Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Ernst Sindel sprach nach der Entscheidung von "riesiger Erleichterung". Der Kredit versetze Quelle in die Lage, den Geschäftsbetrieb wieder aufzunehmen. "Das gibt wahnsinnige Motivation."

Insolvenzverwalter Görg selbst gab sich dagegen verhalten optimistisch. "Ich hoffe sehr, dass wir jetzt eine Basis haben, auf der wir beginnen können, die Gesellschaft zu reorganisieren." Dies sei aber kein "Selbstgänger". Er hoffe jedoch auf einen "guten Ausgang". Ein Quelle-Sprecher fügte hinzu, dass angesichts der Querelen um die Kreditbewilligung die Kunden zuletzt deutlich weniger bestellt hätten.

Vergangene Woche waren die Differenzen vor allem zwischen dem Bund und der Staatskanzlei in München zu Tage getreten. Während in Berlin die Experten in den zuständigen Ministerien bis zuletzt die Sicherheiten für den Kredit geprüft hatten, waren bayerische Politiker bereits von einer Einigung ausgegangen. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer besuchte die Führter Zentrale des Versandhändlers und zeigte sich demonstrativ mit dem neuen Quelle-Katalog.

Auch die jüngsten Verhandlungen im Bürgschaftsausschuss, beidem neben Vertretern des Bundes und der Länder auch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC geladen war, wurden von mehreren Beteiligten als schwierig bewertet. Sie hätten zwischenzeitlich auch schon einmal vor dem Aus gestanden. Wäre dieser Fall eingetreten, hätte der Bund Quelle die staatliche Nothilfe also versagt, hätte das Versandhaus seinen Betrieb umgehend einstellen müssen. Quelle lebt bereits seit Tagen von der Großzügigkeit seiner Lieferanten und Partnerfirmen, die im Vertrauen auf die Staatshilfe bereits mit dem Druck und der Auslieferung des Katalogs begonnen hatten.

ZEIT ONLINE, kg, dpa, Reuters

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