Versandhandel : Verkaufsmaschine Internet

Die Hälfte des Versandhandels läuft übers Netz. Der Verband rechnet 2009 mit zwei Prozent Umsatzplus.

David C. Lerch
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Und ab damit. Am häufigsten werden Schuhe und Textilien bestellt. Foto: dpadpa-Zentralbild

Düsseldorf - Immer mehr Menschen kaufen am eigenen Computer ein, statt ein Geschäft aufzusuchen. Bleibt es bei der derzeit stabilen Konsumstimmung der Verbraucher, dann steigen 2009 die Umsätze aus dem Onlinehandel im Vergleich zum Vorjahr um 15 Prozent auf 15,4 Milliarden Euro. Das geht aus einer Studie des Forschungsinstitutes TNS Infratest mit 30 000 Verbrauchern hervor, die der Bundesverband des Deutschen Versandhandels (BVH) am Dienstag in Düsseldorf vorstellte. Mit dem Rückenwind aus dem Internet rechnet der Verband in diesem Jahr mit einem Umsatzplus beim Versandhandel von knapp zwei Prozent, während der gesamte Einzelhandel um die gleiche Größenordnung schrumpft.

Das Kaufverhalten der Kunden verändert die Branche. „Menschen vergleichen inzwischen ganz selbstverständlich die Angebote in Geschäften und im Internet“, sagte Olaf Roik vom Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE). Darauf müsse der Handel reagieren. Die klassische Aufteilung in Online-Shops und stationären Handel gebe es nicht mehr. Der Anteil der Online-Geschäfte am deutschen Einzelhandel liegt zwar immer noch bei unter vier Prozent, aber er steigt seit Jahren und beeinflusst die Unternehmen. „Ganz gleich, ob stationäre Händler, Warenhersteller oder Apotheken. Es gibt immer mehr Unternehmen, die eigene Online-Shops eröffnen“, sagte BVH-Geschäftsführer Thomas Steinmark. Mit sogenannten Multi-Channel-Strategien setzen Unternehmen auf viele verschiedene Vertriebswege. Das betrifft klassische Versandhäuser wie Otto oder Quelle, die parallel zu Katalogen und Geschäften seit langem auf das Internet setzen. Aber auch immer mehr Elektromärkte oder Fachgeschäfte bauen auf den virtuellen Vertriebsweg.

Dabei haben die Unternehmen Beratern zufolge noch deutliches Entwicklungspotenzial. „In vielen Handelsfirmen sind die Arbeitsabläufe noch vom Stationärgeschäft oder Katalogversand geprägt“, sagte Horst Blume von der Hamburger Unternehmensberatung Putz und Partner. Eine Strategie, die auch das Internet mitberücksichtigt, könne den Umsatz um rund fünf Prozent steigern.

Im Versandhandel werden in diesem Jahr wohl erstmals mehr als die Hälfte der Waren über das Internet geordert. Der Rest stammt aus telefonischen oder schriftlichen Bestellungen. Trotzdem sieht der BVH den Katalog keinesfalls als Auslaufmodell, denn vielfach werde das Interesse der Käufer erst durch schriftliche Angebote geweckt: „Der Katalog ist als Element der Bedarfsweckung unverzichtbar“, sagte Steinmark. Die Studie von Infratest bestätigt das. Danach informieren sich 69 Prozent der Online-Käufer im gedruckten Katalog, bevor sie bestellen. Von den unter 40-Jährigen nutzen noch 64 Prozent den Katalog. Die Insolvenz des Versandhändlers Quelle hatte in den vergangenen Wochen immer wieder die Notwendigkeit von Katalogen infrage gestellt. Nur mit einem staatlichen Notkredit über 50 Millionen Euro konnte das Unternehmen den Druck des Herbstkataloges finanzieren. Der BVH sieht durch die Insolvenz keine Auswirkungen auf den Versandhandel. „Das ist nur Ausdruck des intensiven Wettbewerbs“, sagte Steinmark.

Infratest hat neben den Warenumsätzen auch im Internet genutzte Dienstleistungen wie das Buchen von Flugtickets untersucht. Damit steigen die Online-Ausgaben der Deutschen 2009 voraussichtlich auf 21,8 Milliarden Euro. Das sind 354 Euro pro Kopf. Am meisten geklickt werden Bekleidung, Textilien und Schuhe. David C. Lerch

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