Wirtschaft : Versatel baut Standort Berlin aus

Telefonanbieter erwartet sinkende Preise für DSL

Corinna Visser

Berlin - Die Telefongesellschaft Versatel will den Standort Berlin stärken. „Wir bauen Berlin zu unserem Regionalzentrum Ost aus“, sagte Versatel-Chef Peer Knauer im Gespräch mit dem Tagesspiegel. „Ab sofort steuern wir den Privatkundenvertrieb für die gesamte Gruppe von Berlin aus.“ Zudem werde auch das Kundenmanagement für Geschäftskunden hier angesiedelt. „In der Regel ist eine Fusion mit einem Personalabbau verbunden“, sagte Knauer. „In unserem Fall zählt Berlin zu den Gewinnern: Wir werden die Zahl der Mitarbeiter leicht erhöhen, von 185 auf 190.“ Im ersten Halbjahr habe Versatel in der Hauptstadt rund 8500 neue Kunden gewinnen können. „Ende Juni hatten wir gut 72 000 Privatkunden in Berlin, 57 000 davon mit DSL-Anschluss“, sagte Knauer.

Von seinem Ziel, der stärkste alternative Kommunikationsanbieter überall dort zu werden, wo Versatel ein eigenes Netz hat, ist Knauer jedoch noch weit entfernt. Im hart umkämpften Berliner Markt sind Arcor und Hansenet mit jeweils deutlich mehr als 100 000 Kunden die größeren Herausforderer des Marktführers Telekom.

Knauer ist seit Januar Chef der Versatel Gruppe Deutschland. Zuvor war er bereits Chef von Tropolys, einem Verbund von Stadtnetzbetreibern mit Sitz in Düsseldorf. Der Hauptgesellschafter der Tropolys, der Finanzinvestor Apax Partners, kaufte im vergangenen Jahr für rund 565 Millionen Euro das Deutschland-Geschäft der niederländischen Telefongesellschaft Versatel. Seit April treten beide Firmen hierzulande gemeinsam unter den Namen Versatel auf. Bundesweit ist das Unternehmen in 170 Städten mit eigener Infrastruktur aktiv und hatte zur Jahresmitte rund eine halbe Million private Telefon- und Internetkunden, 380 000 davon mit schnellem DSL-Anschluss.

In Berlin hat Versatel gerade einen neuen Shop in Spandau eröffnet, jetzt gibt es insgesamt 17 Shops in der Hauptstadt. Ende des Jahres sollen es 20 sein. Doch wer mit seinem Telefonanschluss zu Versatel wechseln will, muss Geduld haben: Derzeit beträgt die Wartezeit, bis der Anschluss von der Telekom auf Versatel umgeschaltet wird, nach den Worten Knauers etwa drei bis vier Wochen.

Im Gegensatz zur Telekom und auch dem Wettbewerber Hansenet glaubt Knauer nicht an den Erfolg von „Triple Play“. So wird in der Branche das kombinierte Angebot von Telefon, Internet und Fernsehen über die Telefonleitung genannt. „Ich denke Triple Play wird überschätzt“, sagte er. „Der Mehrwert müsste deutlich über das hinausgehen, was die 42 frei empfangbaren TV-Programme heute bieten. Das sehe ich nicht.“ Auch einen Kostenvorteil für den Kunden könne er nicht erkennen, da in vielen Fällen der Preis für den Kabelanschluss bereits in der Miete enthalten sei.

Im vergangenen Jahr setzte die Unternehmensgruppe in Deutschland zusammen 560 Millionen Euro um. 2006 soll der Umsatz um 20 Prozent steigen – auch durch Zukäufe. Versatel hat weitere Stadtnetzbetreiber im Visier. Das Unternehmen gehört aber neben Hansenet und anderen auch zu den Interessenten für die DSL-Kunden von AOL. AOL will sein Internetzugangsgeschäft verkaufen. Eine Stellungnahme zum Verkaufsprozess lehnte Knauer jedoch ab.

Knauer geht davon aus, dass nur drei bis vier große Telefongesellschaften auf dem deutschen Markt übrig bleiben werden. „Der Markt wird sich gewaltig verändern“, sagte der Versatel-Chef. „Wir sind dafür gut gerüstet.“ Er erwartet, dass der Boom im DSL-Geschäft im kommenden Jahr noch anhalten wird. „2006 und 2007 werden jeweils noch einmal vier Millionen neue DSL-Kunden hinzukommen“, sagte Knauer. Aber der Markt komme langsam in die Situation, wo es nicht mehr nur darum geht, Neukunden für DSL zu gewinnen. „Das wird den Wettbewerb noch einmal verschärfen“, sagte Knauer. „Es ist mit weiter sinkenden Preisen zu rechnen, da die Unternehmen sich dann DSL- Kunden gegenseitig abwerben.“

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