Wirtschaft : Verschwendete Energie

Stromfirmen stecken Millionen in die Werbung. Trotz großer Preisunterschiede wechseln nur wenige Kunden

Heike Jahberg

Die Stromversorger gehen in die Vollen. Mit neuen Kampagnen und Events versuchen die Stromfirmen, sich in das Bewusstsein der Kunden zu rufen. Yello-Mitarbeiter bauen Abenteuerspielplätze für die nachwachsenden Stromkunden oder verschenken gelbe Rosen. „Strom ist gelb“, lautet die Botschaft des Billigstrom-Anbieters. Eon sieht dagegen rot. Seit kurzem bombardiert der Energieriese auf großformatigen roten Werbeplakaten und in Zeitungsanzeigen verdutzte Passanten und Zeitungsleser mit der philosophischen Frage: „Sind Sie on?“

Die Kundenwerbung kostet Geld, viel Geld. Einen zweistelligen Millionenbetrag investiert Eon, damit sich die neue Marke – ein Zusammenschluss der Energieversorger Veba und Viag – noch tiefer in das Gedächtnis der deutschen Stromverbraucher eingräbt. Nach dem Kühlschrank shakenden Muskelprotz Schwarzenegger und der durchnässten Loreley Veronica Ferres sollen jetzt „On-People“ Werbung für den Stromkonzern machen: Menschen wie du und ich, die entschlossen ihren Weg gehen, Hürden überwinden und nicht aufgeben.

Junge Firmen unter Druck

Bewerben könnten sich gleich die gesamten Newcomer auf dem deutschen Strommarkt. Denn seit der Liberalisierung des Stromgeschäfts vor vier Jahren versuchen die neuen Anbieter verzweifelt, den Platzhirschen Marktanteile abzujagen und müssen dabei immer neue Hürden nehmen. Hatten die einstigen Monopolisten anfangs mit hohen Wechsel- und Zählergebühren wechselwillige Kunden ins Bockshorn gejagt, setzen sie jetzt die Konkurrenz mit hohen Netznutzungsentgelten unter Druck. 300 Prozent liegen zwischen den billigsten und teuersten Netzbetreibern, an die die jungen Stromfirmen wie die EnBW-Tochter Yello, der Ökostrom-Händler Lichtblick oder ares Energie-direkt GmbH Gebühren für die Nutzung ihrer Stromnetze abführen müssen.

„Wir können unsere Preise nur zu 20 Prozent selbst bestimmen“, sagt der Geschäftsführer des Berliner Stromunternehmens ares Energie-direkt GmbH, Sabri Erygit. 80 Prozent seien durch die Netznutzungsentgelte und öffentliche Abgaben fremdgesteuert. Das macht das Geschäft schwer. Denn Strom verkauft sich allein über den Preis. Und oft machen die Platzhirschen den Neuen das Geschäft in letzter Sekunde kaputt. „Wenn der alte Versorger erfährt, dass ein Kunde wechseln will, bietet er ihm Sonderkonditionen und geht mit dem Preis runter“, klagt Eryigit. Viele Verbraucher widerrufen ihre Kündigung dann schleunigst.

Nur vier Prozent der Haushaltskunden haben bislang ihrem angestammten Anbieter den Rücken gekehrt. Gewechselt wird dagegen gern unter dem Dach des bisherigen Stromlieferanten. Rund ein Drittel der Verbraucher sind vom teuren amtlichen Tarif (in Berlin: Bewag Klassik) in einen billigeren Wettbewerbstarif (Multiconnect, Berlin Klassik plus) gegangen. Das spart zwar Geld für die Haushaltskasse, heizt den Wettbewerb aber nicht gerade an.

Wettbewerb anheizen

Deshalb sähe es der Bundesverband der Verbraucherzentralen lieber, wenn die Kunden massenhaft zur Konkurrenz überliefen. Um den Wettbewerb zu beleben, sind die Verbraucherschützer selbst für rigide Maßnahmen zu haben. Sie fordern eigenständige Netzbetreiber, was praktisch auf eine Enteignung der Energiekonzerne hinausliefe, und eine Regulierungsbehörde, die für eine gerechte Gebührenstruktur sorgen soll.

Auch die neuen Anbieter plädieren für eine effektive Kontrolle der Netznutzungsentgelte oder eine Trennung von Netz und Vertrieb. Bei der Kundengewinnung setzen sie dagegen eher auf marktkonforme Methoden. Sie suchen Partner, die ihnen bei der Kundenbeschaffung helfen. So kooperiert ares unter anderem mit den Versicherungen Axa und Huk Coburg, weitere Allianzen sind im Gespräch. Der Ökoanbieter Lichtblick arbeitet mit der Post zusammen. Best Energy, die Billig-Tochter der Bewag, wird von der Zeitschrift „Super Illu“ gepuscht. Yello hat als Vertriebspartnerin die Metro-Tochter Media Markt gewonnen, setzt aber auch auf die direkte Kundenansprache. Yello-Werber klingeln an Haustüren und rufen Verbraucher an, um sie zum Wechsel zu überreden. Auch ares ist nicht untätig, will aber diese Verkaufsmethode reduzieren. Denn viele Kunden, die sich zunächst haben werben lassen, springen später wieder ab. Hinzukommt der Ärger mit Vertretern, die bei der Akquise nicht ganz sauber vorgegangen sind.

Die Verbraucher sollten sich davon aber nicht schrecken und von einem Wechsel des Stromlieferanten abhalten lassen, raten Verbraucherschützer. Denn jetzt ziehen auch die Preise wieder an. Mit Steigerungen von fünf Prozent rechnet die Vereinigung Deutscher Elektrizitätswerke (VDEW), wegen der höheren Ökosteuer werden viele Unternehmen bis zum Jahresende ihre Preise heraufsetzen.

Unsere Tabelle zeigt Ihnen, welche Anbieter derzeit die günstigsten sind. Aber während die Bewag-Tochter Best Energy und der Billiganbieter K & K Energie ihre Preise bereits jetzt erhöht haben, folgen andere erst zum Jahresende. Sollten Sie den Stromlieferanten jetzt noch wechseln wollen, fragen Sie sicherheitshalber nach, welche Preispläne das Unternehmen hat. Die Bewag hat bereits erklärt, die Preise vorerst stabil zu halten. Yello bietet Neukunden eine zwölfmonatige Preisgarantie. Sollten Sie den Wechsel wagen, könnten Sie sich anschließend bei der Eon-Kampagne bewerben – als „On-Verbraucher“: „Ich bin on, weil ich meinen Stromlieferanten gewechselt habe.“

Aktuelle Preisinformationen finden Sie im Internet unter www.stromtip.de . Sie können sich aber auch über die Stromtip-Hotline 0800-8080891 (Montag bis Freitag, 8 bis 20 Uhr) kostenlos beraten lassen.

Auf Wunsch übernimmt Stromtip für Sie auch den Vertragsabschluss mit dem neuen Anbieter und die Kündigung des alten Stromvertrags.

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