• Versicherer erwarten deutlich höhere Unwetter-Schäden 2002 ist Ausnahmejahr Prämienerhöhung noch offen

Wirtschaft : Versicherer erwarten deutlich höhere Unwetter-Schäden 2002 ist Ausnahmejahr Prämienerhöhung noch offen

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Düsseldorf (ali/cd/mwb/HB). Auf die deutsche Versicherungswirtschaft kommen nach den verheerenden Unwettern in Deutschland, Österreich und Italien erhebliche Schadenzahlungen zu. „Für eine Prognose der Schadenzahlungen ist es aber noch zu früh“, sagte ein Allianz-Sprecher. Eine Änderung der zuletzt bereits nach unten korrigierten Gewinnprognose sei wegen der Unwetterschäden aber nicht fällig.

Allerdings wisse niemand, welche Herbst- und Winterstürme noch kommen werden. 1999 hatte der Sturm „Lothar“ im Dezember Schäden von 136 Millionen Euro angerichtet und die Versicherer empfindlich getroffen. „Das Jahr 2002 wird in puncto Sturm- und Überschwemmungsschäden erheblich vom langjährigen Durchschnitt abweichen“, sagt Arno Junke, Leiter des Geschäftsbereichs Deutschland bei der General Cologne Re, dem weltweit drittgrößten Rückversicherer. Besonders betroffen sind Wohngebäude- und Kfz-Versicherer. Marktführer im Kfz-Geschäft sind die Allianz und die Huk Coburg, bei den Wohngebäudepolicen die öffentlichen Versicherer.

Laut Branchenexperten ist es aber noch zu früh, um von der aktuellen Schadenwelle auf Prämienerhöhungen zu schließen. Ob dies nötig wird, hängt von der Entwicklung mehrerer Jahre ab. Die Branche stellt sich aber langfristig auf mehr Schäden wegen der Klimaerwärmung ein. Gleichzeitig rechnet sie mit verstärkter Nachfrage nach Elementarschäden-Policen. Diese Zusatzversicherung schützt vor Überschwemmungsschäden.

Klimawandel wird teuer

Die Zahl der Schäden durch Sturm und Überschwemmung hat sich im ersten Halbjahr 2002 nach Angaben eines Allianz-Sprechers vervierfacht. Allein in Bayern verursachten 30000 Gebäudeschäden einen Schaden von 34 Millionen Euro. Im Juni wurden 10000 Autos durch Hagelschlag beschädigt, was zu einem Schaden von rund 15 Millionen Euro führte. Allein der Sturm in Berlin und Brandenburg im Juli verursachte 12000 Sachschäden mit Kosten von 15 Millionen Euro. Bei den jüngsten Unwettern wurden der Allianz 10000 weitere Sachschäden gemeldet. Bei der genossenschaftlichen R+V heißt es, „nach Jahren sinkender Schäden im Kfz-Bereich gibt es 2002 mehr und teurere Schäden". Und die Schäden bei der Wohngebäudeversicherung hätten sich verdoppelt.

Die Branche rechnet langfristig mit mehr Sturm- und Unwetterschäden. „Der klimatische Veränderungsprozess hat bereits eingesetzt. Die Versicherer müssen sich hier auf mehr Schäden in den nächsten Jahrzehnten einstellen“, sagt Andreas Jahn, Vorstandsassistent der Ergo-Gruppe. Die Statistik belegt einen starken Anstieg heftiger Niederschläge. So verdoppelte sich in Hohenpeißenberg, nahe München, in den vergangenen 120 Jahren fast die Zahl der Tage mit mindestens 30 Litern Niederschlag pro Quadratmeter, sagt Eberhard Faust, Naturgefahrenanalyst bei der Deutschen Rück. Als Folge rechnet die Branche mit einer größeren Nachfrage nach Elementarschäden-Versicherungen. Denn Überschwemmungsschäden sind nicht über eine normale Wohngebäudepolice gedeckt.

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