Versicherer : Schädliches Klima

Die Zahl der Naturkatastrophen steigt wegen des Klimawandels, doch die ganz großen blieben 2009 aus. Doch die Rückversicherer geben keine Entwarnung.

Moritz Honert
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Mastbruch. Sturm „Klaus“ verwüstete im Januar Küstenabschnitte in Frankreich und Spanien: Vier Milliarden Euro Schaden. Foto: AFPAFP

Berlin - Zwanzig Meter hohe Wellen rollen auf die Atlantikküste zu und lassen einen Frachter kentern. Parallel rasen 200 Stundenkilometer schnelle Windböen über das Land, entwurzeln Bäume und reißen Gebäude ein. Mehr als eine Million Menschen sind ohne Strom und Telefon. Unzählige Straßen sind nicht mehr passierbar. Am Ende werden mehr als zwanzig Tote gezählt.

Was nach dem Drehbuch eines Katastrophenfilms klingt, war im Frühjahr 2009 Wirklichkeit. Zwischen dem 23. und dem 25. Januar verwüstete der Wintersturm „Klaus“ Nordspanien und Südfrankreich. Auf rund vier Milliarden Euro beziffert der Versicherungskonzern Munich Re – früher Münchner Rück – in einer am Dienstag veröffentlichten Statistik den damals entstandenen Schaden. Damit war „Klaus“ die teuerste Naturkatastrophe des Jahres – wenn auch längst nicht die einzige. Erdbeben in Indonesien, Taifune in Asien und Tornados in Amerika sorgten für tausende Tote.

Trotzdem sind die Versicherer 2009 vergleichsweise günstig davon gekommen. Obwohl die Zahl der Naturkatastrophen 2009 weiter stieg, fielen die dabei entstandenen Schäden deutlich geringer aus als im Vorjahr, hat Munich Re ausgerechnet. Grund dafür war die Tatsache, dass die meisten Katastrophen von überschaubarem Ausmaß waren.

In Zahlen: 2009 wurden rund 850 Naturkatastrophen erfasst, die rund 50 Milliarden Dollar Schaden verursachten, von denen die Versicherungswirtschaft etwa 22 Milliarden zu tragen hatten. 2008 betrug der Gesamtschaden noch 200 Milliarden Dollar von denen 50 Milliarden versichert waren – damals forderte allein der Zyklon Nargis 135 000 Menschenleben in Myanmar. Der Durchschnittswert der vergangenen zehn Jahre liegt bei 770 „schadensrelevanten Naturereignissen“ – wie die Katastrophen im Versicherungsdeutsch heißen – und einer Schadenssumme von je 115 Milliarden Euro, von denen die Versicherer je 36 Milliarden zu tragen haben. Die Zahl der Toten lag 2009 mit 10 000 deutlich unter dem Zehn-Jahres-Durchschnitt von 75 000.

In der Zentrale der Munich Re – mit mehr als 40 Millionen Kunden und Beitragseinnahmen von 38 Milliarden Euro einer der größten Rückversicherer der Welt – will trotz der 2009 ausgebliebenen Rekorddesaster niemand von Entwarnung sprechen. „Der Trend zu einer Zunahme von wetterbedingten Katastrophen bleibt bestehen“, erklärt Peter Hoppe, Leiter der Geo-Risikoforschung des Versicherungskonzern. Schuld an dieser Entwicklung sei ersten Analysen zufolge der Klimawandel, sagt Hoppe.

Auch Munich-Re-Vorstandsmitglied Torsten Jeworrek ist sicher, dass der Klimawandel „einen signifikanten Teil“ zu der Zunahme von großen Naturkatastrophen beigetragen hat. Deren Zahl habe sich seit 1950 rund verdreifacht. Seit 1980 sei dabei ein volkswirtschaftlicher Verlust von etwa 1600 Milliarden Dollar entstanden. „Die durch den Klimawandel verursachten Schäden werden in Zukunft weiter zunehmen.“ Angesichts dessen zeigt sich Jeworrek enttäuscht über die Ergebnisse des Klimagipfels in Kopenhagen. Was fehle, sei ein Abkommen, das die Treibhausgasemissionen spürbar senkt. Bis es dazu kommt, fördere sein Unternehmen selbstständig Investitionen in erneuerbare Energien wie das Wüstenstromprojekt Desertec (siehe Kasten).

Wenn es weitergeht wie bisher, bleibt den Versicherern allerdings nur eins: Die Beiträge zu erhöhen. „Wenn sich die Gefährdungslage dauerhaft verändert, müssen wir unsere Preise anpassen“, bestätigte eine Sprecherin.

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