Wirtschaft : Versicherer schielen auf die Pannenhilfe

THOMAS MAGENHEIM-HÖRMANN

Allianz und HUK Coburg wollen Autoschutzbriefe anbieten / Aufruhr beim ADACVON THOMAS MAGENHEIM-HÖRMANN MÜNCHEN.Der Manager des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs (ADAC), Dieter Flerus, findet deutliche Worte."Das ist ein gezielter Angriff auf den ADAC", meint der Vorstand der ADAC-Schutzbrief AG zu einem ernstgemeinten "Aprilscherz" der Allianz.Deutschlands führender Versicherer will zum 1.April 1998 neue Kfz-Haftpflichtpolicen präsentieren, in die zum Dumpingpreis von 13 DM ein Autoschutzbrief integriert ist.Am Montag kündigte nun auch die HUK Coburg, Deutschlands zweitgrößter Autoversicherer, für April ein ähnliches Angebot an - zum Preis von 18 DM. Bei Schutzbriefen ist der ADAC bislang mit nach eigenen Angaben rund 66 Prozent Anteil klarer Marktführer.Nun erwartet Flerus eine neue Dimension des Wettbewerbs.Da der ADAC seine erweiterte Pannenhilfe für ADAC-Mitglieder gerade erst von 69 DM auf 65 DM verbilligt hat, sind ihm die Angebote nicht geheuer.Sie könnten kaum kostendeckend sein und würden wohl subventioniert, vermutet Flerus.Auch andere Versicherer hätten Schutzbriefe angekündigt, zu Preisen von 20 bis 30 DM.Der großflächige Einstieg der Assekuranz in eines der Kerngeschäfte des ADAC stehe nun bevor. Der stieß zunächst auf Schwierigkeiten.Das Kartellamt hatte Ende vergangenen Jahres gegen eine Musterpolice der Kfz-Versicherer im Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) Bedenken angemeldet.Diese Bedenken seien aber zum einen ausgeräumt, erklärte ein Sprecher des Amts auf Anfrage.Zum anderen hätten sie sich ausschließlich gegen den Verband wegen seiner marktbeherrschenden Bedeutung gewendet.Einzelne Unternehmen wie die Allianz hätten bei der Vertragsgestaltung größere Spielräume.Ein Einspruch des Kartellamts komme von daher nicht in Betracht.Dennoch will der ADAC die neuen Angebote genau prüfen und dann über den Rechtsweg entscheiden, sagte Flerus, wobei das Bundesaufsichtsamt für Versicherungswesen ein Ansprechpartner sein könnte. Diese Einschätzung teilt im übrigen auch ein Sprecher des Kartellamts.Denn die Kfz-Haftpflicht sei, wie es der Name sagt, eine Pflichtversicherung, die nun mit einer Zusatzleistung wie dem Schutzbrief kombiniert wird.Der ADAC kann aber auch andere Mittel nutzen, um sich zur Wehr zu setzen.Flerus verwies etwa auf "Verbraucheraufklärung" über das hauseigene Magazin "ADAC Motorwelt", das mit einer Auflage von rund zwölf Mill.über eine beachtliche Breitenwirkung verfügt.Nur eine Senkung der eigenen Schutzbrief-Prämien schloß der ADAC-Manager kategorisch aus.Noch stehe die Offerte der Allianz nur als Versprechen auf dem Papier, stellt Flerus klar. Er hegt offenbar stille Zweifel, ob von den Versicherern und ihren Partnern auch ohne weiteres Pannenhilfe auf ADAC-Niveau geleistet werden kann.Immerhin betreibe der Automobilclub dieses Geschäft seit Jahren und habe Vorsprung durch Erfahrung.Der ADAC leiste etwa drei Mill.mal jährlich Pannenhilfe.Für 13 DM könne schließlich nicht gleiche Leistung geboten werden wie für 65 DM.Beispielsweise sei die Allianz-Schutzbriefkomponente an ein bestimmtes Fahrzeug gebunden.Der ADAC-Schutzbrief sei an eine Person gekoppelt, die mehrere Fahrzeuge benutzen könne.Solche Zweifel kennt die Allianz natürlich nicht.Die Leistung reiche von der reinen Pannenhilfe bis zum Versand von Ersatzteilen und einem eventuellen Rücktransport von Hund oder Katze, verspricht Allianz-Vorstand Friedrich Caspers.Als Notrufzentrale fungiere für die Allianz dabei europaweit die Mercur Assistance GmbH, München, an der neben dem Erstversicherer auch die Münchener Rückversicherungs-AG und die Europäische Reiseversicherung AG beteiligt sind.Die Allianz beteuert, kostendeckend zu kalkulieren und baut auf regen Zuspruch.Bei welcher Kundenzahl für den Schutzbrief, der ausschließlich in Verbindung mit einer Haftpflicht-Police bezogen werden kann, die Gewinnschwelle erreicht wird, wollte die Allianz nicht mitteilen.Zuletzt verwaltete sie über acht Mill.Kfz-Policen.Der ADAC gab über seine Schutzbrief Versicherungs-AG 1996 rund 5,3 Mill.von bundesweit etwa acht Mill.Kfz-Schutzbriefen aus und verbuchte in dieser AG bei 379 Mill.DM Prämieneinnahmen knapp 30 Mill.DM Jahresüberschuß.

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