Wirtschaft : Versicherer übernehmen Notrufsäulen

BONN/MÜNCHEN (AP).Das Notrufsystem an den deutschen Autobahnen wird künftig von der Versicherungswirtschaft betrieben.Das teilte das Verkehrsministerium am Dienstag in Bonn mit.Die Privatisierung der rund 14 000 Notrufsäulen tritt rückwirkend zum 1.Januar 1999 in Kraft.Für die Autofahrer ändere sich nichts.Die Benutzung bleibe selbstverständlich weiter kostenfrei - was vom Allgemeinen Deutschen Automobil Club (ADAC) jedoch bezweifelt wird.Der übte scharfe Kritik an der Entscheidung.

Das Angebot des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) sei bei der europaweiten Ausschreibung "unter den Bewerbern das eindeutig beste" gewesen, sagte Bundesverkehrsminister Franz Müntefering (SPD)."Wir sparen damit den jährlichen Aufwand von 48 Mill.DM ein." Der GDV soll alle mit dem Notrufsystem verbundenen Kosten für Unterhalt, Erneuerung und Ausbau übernehmen und wird auch für die Errichtung der erforderlichen Schnittstellen zur Weiterleitung der Anrufe an die privaten Betreiber verantwortlich sein.Die technische Umstellung auf den privaten Betrieb soll in den Jahren 2000 und 2001 beginnen.Der GDV teilte mit, daß für die Autofahrer keine Kosten entstünden.

Der schärfste Mitkonkurrent, der ADAC, erklärte, die Autofahrer müßten in Zukunft mit einer eingeschränkten Pannenhilfe und deutlich höheren Kosten rechnen."Die Vergabe an die Versicherer öffnet der Geschäftemacherei auf Kosten der Autofahrer Tür und Tor", erklärte ADAC-Präsident Otto Flimm in München.Der Verband begründet seine Kritik damit, daß bisher die ADAC-Pannenhelfer fast immer direkt vor Ort geholfen hätten.Dies werde sich mit der neuen Praxis ändern, da sich die Versicherer nun frühzeitig in die Unfallabwicklung einschalten würden.



Der GDV teilte mit, künftig wolle er Notrufsäulen auch auf Bundes- und Landstraßen einrichten.Im Laufe von drei Jahren würden die Notrufanlagen an den Autobahnen nach und nach auf die Call-Center des GDV umgestellt.Eingerichtet würden zwei Notrufzentralen, die Meldungen über Unfälle mit oder ohne Verkehrsgefährdung entgegennehmen.

Bei Unfallmeldungen ohne unmittelbare Verkehrsgefährdung könne man grundsätzlich den gewünschten Autobmobilclub, einen Kraftfahrzeughersteller oder einen Versicherer informieren, um von dort Hilfe zu erhalten.Der GDV begrüßte die Entscheidung gegen den ADAC, damit werde der "Monopolisierung rund ums Auto beim ADAC entgegengewirkt."

Derzeit gehen nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums jährlich etwa 1,5 Mill.Notrufe ein, davon 80 Prozent Pannennotrufe und jeweils zehn Prozent Notfälle oder andere Hilferufe.

Der ADAC verzeichnete 1998 ein Pannenhilfe- Rekordjahr: Mit 3,1 Mill.Einsätzen (plus vier Prozent) wurden die "Gelben Engel" so häufig wie noch nie zu Hilfe gerufen.Die Erfolgsquote habe bei fast 82 Prozent gelegen.Hauptursache für unfreiwillige Stopps am Straßenrand waren Mängel in der Fahrzeugelektrik (18,4 Prozent).Aber auch Gedankenlosigkeit ließ die Autofahrer um Hilfe rufen: In 66 300 Fällen mußten die ADAC-Techniker lediglich mit einigen Litern Benzin und Diesel nachhelfen.

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