Wirtschaft : Versicherer von Rot-Grün enttäuscht

BERLIN (hej).Die Versicherungswirtschaft sieht sich als Opfer der rot-grünen Steuerpläne.Die Assekuranz erwartet für das nächste Jahr Mehrbelastungen von mindestens vier Mrd.DM, sagte der Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Bernd Michaels, am Mittwoch in Berlin: "Damit wird die Versicherungswirtschaft zu einem der größten Nettozahler der Steuerreform".Auf Kritik der Versicherer stößt neben der nur zögerlichen Absenkung der Einkommensteuertarife und der Körperschaftsteuer vor allem die Verminderung der Schadenrückstellungen, das Abzinsungsgebot und die Einführung des Wertaufholungsgebots, das eine Bewertung der Kapitalanlagen nach dem Anschaffungspreis vorschreibt.

Trotz des schwierigen Umfelds kann sich die Branche für das Geschäftsjahr 1998 aber über ein moderates Beitragswachstum von zwei Prozent auf 243,2 Mrd.DM freuen.Das Umsatzplus verdanken die Unternehmen einmal mehr den Sparten private Kranken- und Lebensversicherung, die Zuwächse zwischen vier und fünf Prozent erzielen konnten.Sorgenkind bleibt die Schaden- und Unfallversicherung.Allein die Autoversicherer werden in diesem Jahr ihre Verluste von 446 Mill.DM im Vorjahr auf 2,8 Mrd.DM ausweiten, befürchtet Michaels.Der Grund: Zwar sinkt die Zahl der Schadensfälle, die gemeldeten Schäden werden aber immer teurer.Zugleich nehmen die Versicherer immer weniger ein - Ausfluß des harten Wettbewerbs.Wie im Vorjahr werden die Gesellschaften daher auch in diesem Jahr ihre Verluste im Versicherungsgeschäft mit den Erträgen aus ihren Kapitalanlagen auffangen müssen.Dennoch hält der GDV jede Forderung nach einem Konkurssicherungsfonds für überflüssig.Kein Unternehmen sei derzeit in seiner Substanz gefährdet, betont Michaels.Vielmehr rechnet der GDV im nächsten Jahr mit ersten Preiserhöhungen.

Mit neuen Angeboten wollen die Krankenversicherer auf die Veränderungen beim Zahnersatz reagieren, betonte Peter Greisler, Vorstandsvorsitzender des Verbandes der privaten Krankenversicherung.Wer seinerzeit einen Zahnzusatztarif abgeschlossen habe, bekomme demnächst ein neues Angebot seines Versicherers.Damit wollen die Privaten die Lücken schließen, die nach der gesetzlichen Neuregelung bleiben.Wer an der Zahnzusatzversicherung jetzt aber kein Interesse mehr habe, könne außerordentlich kündigen, betonte Greisler.Rückforderungen der Kunden lehnt die Branche jedoch ab.

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