Wirtschaft : Versicherer zahlen D-Markein und kriegen Euro raus

Mehrere Millionen Policen müssen umgestellt werden

München (dpa).Wenn der Euro kommt, werden sich auf mehreren Millionen Policen für die Sach- und Lebensversicherungen die Rechengrößen ändern.Vor allem bei den mehrjährigen Kapital-Lebensversicherungen kommt es zum großen Transfer: Die derzeit in DM und Pfennig einbezahlten Beiträge werden nach dem derzeitigen Zeitplan zur dritten Stufe der Währungsunion spätestens 2002 in Euro und Cent ausbezahlt.Theoretisch wären bereits am 1.Januar 1999 in allen Sparten Euro-Policen mit Beiträgen und Auszahlungen in der neuen Währung möglich.Ob sie Versicherungen dann schon anbieten, bleibt abzuwarten."Die Marktpsychologie ist entscheidend", heißt es in der Branche. "Die Verbraucher haben durch den Euro nichts zu befürchten", betont ein Sprecher des Berliner Bundesaufsichtsamtes für das Versicherungswesen.Die laufenden Verträge würden automatisch umgestellt.Die Euro-Einführung verändere weder die Geschäftsgrundlage noch die Werthaltigkeit der Verträge.Die Währungsunion sei keine Währungsreform, sondern nur ein Umrechnen.Auch der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Bonn betont: "Kein Versicherungskunde, welche Versicherung auch immer er abgeschlossen hat, muß um die Sicherheit der ihm zugesagten Leistung fürchten." Der Verband und das Aufsichtsamt räumen aber ein, daß es in der Bevölkerung noch starkes Mißtrauen gibt.Viele Detailfragen sind noch ungelöst.Erst Anfang 1998 wird auf Basis der 97er Zahlen feststehen, ob Deutschland die Euro-Währungskriterien erfüllt.Ab 1.Januar 1999 sind dann die Wechselkurse der Teilnehmerländer untereinander und zum Euro unwiderruflich festgelegt.Welcher D-Mark/Euro-Kurs ermittelt wird, ist noch offen.Derzeit hat der Euro-Vorläufer ECU einen Gegenwert von etwa 1,96 DM.Weil zunächst die Euro-Banknoten und Cent-Münzen fehlen, wird die neue Währung von 1999 bis voraussichtlich Anfang 2002 nur als "Buchgeld" in Erscheinung treten.Die öffentliche Verwaltung soll zum 1.Januar 2002 umgestellt werden.Etwa 4000 Bundesgesetze müssen geändert werden. Die Versicherungsbranche, die 1996 gut 232 Mrd.DM Beiträge kassierte und gut 850 Mrd.DM Lebensversicherungsvermögen verwaltete, begrüßt die Euro-Einführung.Der Gesamtverband verweist auf den Wegfall der Währungsschwankungen und die vergrößerten Kapitalanlagemöglichkeit im Euro-Raum, "was die Renditechancen zum Vorteil der Versicherungsnehmer verbessert".Bislang müssen die Versicherungsversprechen in Kapitalanlagen der jeweiligen Währung abgesichert sein.Der Allianz-Konzern beklagte wiederholt den "engen deutschen Finanzmarkt".Jeden Tag muß der Konzern 100 Mill.DM möglichst sicher und renditeträchtig anlegen.Während die Versicherungsbranche durch den Euro mit keiner nennenswert höheren Inflationsrate rechnet, befürchtet der Bund der Versicherten eine weichere Währung."Alles Gift für Anlagen in Geldwerten." Die Experten verweisen auf eine Rundungsproblematik durch den Euro mit fünf Stellen nach dem Komma.Die übliche Lebensversicherungssumme von 200 000 DM könnte zur 105 263,15 Euro-Police werden.Allianz-Vorstand Gerhard Rupprecht sieht bei großen Versicherungsbeständen allein durch die Rundungen Prämienausfälle oder Rückstellungen in zweistelliger Millionenhöhe.Bislang glatte DM-Summen, wie Beiträge zur Lebensversicherung oder die Selbstbeteiligung, Höchst- und Mindestsummen in der Schadenversicherung, werden zu "krummen Euro-Beträgen".Bei Neuverträgen wird es zu Anpassungen kommen.Rechtsexperten betonen, daß über die Änderung der Versicherungsverträge von DM auf Euro die Versicherungsnehmer informiert werden müssen.Rundungsanpassungen zum Nachteil des Versicherungsnehmers bedürften dann der Zustimmung.Ohne Einverständnis des Versicherungsnehmers könnten vor dem Jahr 2002 auch die Verträge nicht umgestellt werden.

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