Versicherungen : Allianz verdient wieder Milliarden

Dresdner weg, Aktien verkauft – das zahlt sich aus. Schon seit einem Jahr ist die Allianz-Aktie wieder einer der gewinner im Dax.

Thomas Magenheim

München - Allianz-Chef Michael Diekmann erklärt den Erfolg seines Versicherungskonzerns so: „Wir haben das Risiko stark heruntergefahren“, sagte er am Donnerstag bei Vorlage der Bilanz in München. Trotz der Wirtschafts- und Finanzkrise haben die Münchner im vergangenen Jahr einen Jahresüberschuss von gut 4,3 Milliarden Euro erzielt nach 2,2 Milliarden Euro Verlust 2008. Das Risiko, von dem sie sich getrennt haben, lastet nun teils auf anderen. Das Sorgenkind Dresdner Bank ist an die Commerzbank verkauft, die Aktienquote im Allianz-Konzern von neun auf acht Prozent gesenkt worden. Auch allzu riskante Policen will die Allianz nicht mehr abschließen.

Die neue Sicherheitsstrategie soll auch in diesem Jahr für stabile Geschäfte sorgen. Im eigentlichen Versicherungsgeschäft rechnet Diekmann für das Gesamtjahr 2010 mit Gewinnen, die in etwa auf dem Vorjahresniveau von 7,2 Milliarden Euro liegen könnten – plus/minus einer halben Milliarde Euro. „Ein Ergebnisstrohfeuer war nie unser Fall“, stellt der Konzernchef jedoch klar. Nicht namentlich genannten Konkurrenten aus dem Finanzsektor rät er, kurzfristigen Überrenditen abzuschwören. Die Vorsicht der Allianz macht sich auch für ihre Aktionäre bezahlt. Die Dividende soll um 60 Cent auf 4,10 Euro je Aktie steigen.

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Dennoch lässt die Finanzkrise auch die Allianz nicht ungeschoren. Historisch niedrige Zinsen dämpfen die Renditen. 89 Prozent ihrer Gelder hat die Allianz festverzinslich angelegt. Selbst dort lauern aber Gefahren, wie wacklig gewordene Staatsfinanzen in Griechenland und anderswo zeigen. Auch die Allianz hat Geld in griechische Staatsanleihen gesteckt – aber weniger als andere große Finanzinstitute: So hat nach bisher bekannten Zahlen allein die Commerzbank mit mindestens 3,1 Milliarden Euro, die Hypo Real Estate (HRE) mit einem Betrag von unter zehn Milliarden Euro, die Munich Re mit 1,5 Milliarden Euro und die Postbank mit knapp 1,3 Milliarden Euro in griechische Staatsanleihen investiert. Pfandbriefbanken hatten zuletzt knapp 15 Milliarden Euro an Griechenlandpapieren im Bestand. Die Allianz hat gerade einmal 0,9 Milliarden Euro in griechische Anleihen gesteckt. Weitere 7,6 Milliarden Euro entfallen auf italienische Anleihen. „Wir können ruhig schlafen“, betont Allianz-Vorstand Paul Achleitner dennoch.

Im Kerngeschäft mit Versicherungen blickt die Allianz vor allem bei Kranken- und Lebensversicherungen auf ein sehr erfolgreiches Jahr zurück, das sich 2010 fortsetzen soll. In dieser Sparte sind die Umsätze um ein Zehntel gestiegen, womit sie mittlerweile die Hälfte des gesamten Geschäftsvolumens ausmachen. Die operativen Gewinne haben sich dort verdoppelt. Lebensversicherte könnten darauf vertrauen, dass die Allianz alle garantierten Renditen auch langfristig erwirtschaftet, betonte Diekmann.

Im Hoch ist zudem die Sparte Vermögensverwaltung. Nur bei Unfall- und Sachversicherungen gibt es in einzelnen Ländern Probleme. Speziell das Geschäft mit Kreditversicherungen war wegen der Finanzkrise 2009 unprofitabel. 134 Millionen Euro gekostet hat auch der Aufbau der Allianz Bank, mit der die Münchner ein Bankgeschäft auf Sparflamme betreiben. Insgesamt ist der Konzernumsatz 2009 um fünf Prozent auf 97,4 Milliarden Euro gewachsen. Vorwiegend aus eigener Kraft sollen die Geschäfte auch weiterhin ausgebaut werden. Zukäufe seien aber in ausländischen Wachstumsmärkten und zur Stärkung des Vertriebs möglich, sagte Diekmann.

Im Vertrieb soll auch das Personal weiter aufgestockt werden, während in der Verwaltung Stellen abgebaut werden dürften. Insgesamt halten die Münchner die Stärke ihrer Belegschaft aber weitgehend stabil. Hierzulande arbeiten derzeit rund 49 000 Menschen für das Unternehmen. Weltweit sind es 104 000 weitere Beschäftigte. Thomas Magenheim

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