Versicherungen : Krise? Welche Krise?

Die Münchener Rück hat die Finanzkrise deutlich besser überstanden als viele andere Finanzkonzerne. Im vergangenen Jahr erzielte der weltweit zweitgrößte Rückversicherer mit 3,9 Milliarden Euro den vierten Rekordüberschuss in Folge.

Heike Jahberg
Kyrill
Der Wintersturm "Kyrill" hat die Rückversicherung 390 Millionen Euro gekostet. -Foto: dpa/pa

Berlin - 2006 hatte der Konzern 3,5 Milliarden Euro verdient. Die Belastungen aus der Kreditkrise rund um zweitklassige US-Hypothekendarlehen („Subprime“) hielt sich mit Abschreibungen von 166 Millionen Euro in Grenzen. Davon kamen aus dem vierten Quartal nur noch 15 Millionen Euro hinzu.

„Das strikte Risikomanagement der Münchener Rück hat sich in dieser Krise bewährt“, sagte Konzernchef Nikolaus von Bomhard am Montag in München. Wie Finanzchef Jörg Schneider mitteilte, beträgt das restliche Engagement des Versicherungskonzerns in den kritischen Märkten noch rund 340 Millionen Euro. Das entspreche gerade einmal 0,2 Prozent aller Investments des Konzerns. „Wir haben keinen Grund zur Sorge“, beteuerte Schneider.

Dass der Konzern im vergangenen Jahr erneut einen Rekordgewinn verbuchen konnte, liegt vor allem an seinen profitablen Kapitalanlagen, hohen Veräußerungsgewinnen aus Immobilien und Aktien sowie einem einmaligen Steuereffekt durch die Unternehmensteuerreform, die dem Konzern 385 Millionen Euro bescherte. 630 Millionen Euro nahm die Münchener Rück durch den Verkauf eines großen Immobilienpakets in Deutschland ein, die Aktienquote sank von 14,1 auf 10,8 Prozent.

Dagegen musste die Münchener Rück im eigentlichen Versicherungsgeschäft zahlreiche Großschäden durch Naturkatastrophen verkraften. So kostete der Wintersturm „Kyrill“, der im vergangenen Winter durch Europa tobte, die Rückversicherung 390 Millionen Euro, der „Queen’s-Birthday-Sturm“ in Australien schlug mit 60 Millionen Euro zu Buche, und für die Überschwemmungen in Großbritannien musste die Rückversicherung ebenfalls insgesamt rund 60 Millionen Euro zahlen. Die Schaden-Kosten-Quote stieg in der Rückversicherung im Vergleich zum Vorjahr um 3,8 Prozentpunkte auf 96,4 Prozent. Bei allen Werten unter 100 Prozent arbeitet die Versicherung aber noch profitabel. Im eigentlichen Versicherungsgeschäft verdiente die Rückversicherung 4,2 Milliarden Euro, nach 5,1 Milliarden im Vorjahr. Die Erstversicherungstochter Ergo (Hamburg-Mannheimer, Victoria, DAS, DKV) konnte das operative Ergebnis mit knapp 1,3 Milliarden Euro stabil halten.

Für das laufende Jahr rechnet von Bomhard jedoch mit einem Ende der Rekordjagd. Der Konzerngewinn werde voraussichtlich auf drei bis 3,4 Millionen Euro sinken, prognostizierte der Konzernchef. Allerdings fallen in diesem Jahr auch die Einmaleffekte aus der Unternehmensteuerreform weg.

Die Aktionäre können sich auf steigende Dividenden freuen. Die Ausschüttung soll von 4,50 Euro auf 5,50 Euro erhöht werden. Damit schüttet der Konzern insgesamt 1,1 Milliarden Euro an seine Anteilseigner aus. Um den Kurs zu stabilisieren und sich vor einer Übernahme zu schützen, hatte die Münchener Rück zudem im vergangenen Jahr eigene Aktien im Wert von zwei Milliarden Euro zurückgekauft. „Auch die Aktienrückkäufe kommen unseren Aktionären zugute“, betonte von Bomhard. Die Kapitalstruktur wird verbessert und der Gewinn je Aktie steigt, wenn Anteilsscheine eingezogen werden.

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