Versicherungen : Pfleglicher Umgang

Die private Kranken- und Pflegesparte boomen. Dennoch werden die Kunden mehr zahlen müssen

H. Jahberg,R. Woratschka
Teures Heim. Immer mehr Bürger werden pflegebedürftig. Wer sich nicht auf die gesetzliche Pflegeversicherung verlassen will, sorgt zusätzlich privat vor. Foto: p-a/dpa Foto: picture alliance / dpa
Teures Heim. Immer mehr Bürger werden pflegebedürftig. Wer sich nicht auf die gesetzliche Pflegeversicherung verlassen will, sorgt...Foto: picture alliance / dpa

Berlin - Schlechte Nachrichten für Versicherungskunden: Auto- und Krankenversicherungen werden teurer, Lebensversicherungen werden in Zukunft wohl weniger Gewinn abwerfen.

Die lange Glatteisperiode habe in der Kraftfahrtversicherung zu einer Häufung von Schäden geführt, teilte der Präsident des Versicherungsverbands GDV, Rolf-Peter Hoenen, am Donnerstag in Berlin mit. Trotz der jüngsten Preiserhöhungen schreibt die Sparte noch immer rote Zahlen. Konsequenz: Für das kommende Jahr stehen weitere Verteuerungen an.

Auch die Lebensversicherer haben zu kämpfen. Sie leiden unter den niedrigen Zinsen an den Kapitalmärkten (siehe nebenstehenden Artikel). Nach Einschätzung der Rating-Agentur Standard & Poor’s werden die Gewinnbeteiligungen bei den Lebenspolicen sinken. Unter Druck gerieten vor allem kleinere, kapitalschwächere Anbieter. Das könnte zu einem weiteren Rückzug aus der Lebensversicherung führen. Schon in diesem Jahr wird die Sparte 5,7 Prozent weniger Beiträge einnehmen als im Vorjahr, musste Hoenen einräumen. Der Verband rechnet trotz der Senkung des Garantiezinses, der am 1. Januar 2012 von derzeit 2,25 auf 1,75 Prozent reduziert wird, nicht mit einer Jahresendrallye. Angesichts der derzeitigen Überschussbeteiligung von vier Prozent falle die Absenkung nicht weiter ins Gewicht, hieß es.

Der Beitragsrückgang in der Lebensversicherungssparte belastet die gesamte Branche. Erstmals seit Jahrzehnten werden die Versicherer in diesem Jahr weniger Beiträge einnehmen als im Vorjahr. GDV-Chef Hoenen beziffert die Einbußen auf 1,2 Prozent.

Dagegen stehen die privaten Krankenversicherer gut da. Sie haben sowohl bei den Voll- als auch bei den Zusatzversicherungen deutlich zugelegt. Bei der Krankenvollversicherung hängt das nicht unwesentlich mit den Aktivitäten der schwarz-gelben Koalition zusammen. Die neue Regierung hatte gleich nach ihrem Antritt die bisherige Drei-Jahres-Wartefrist für den Wechsel von gesetzlich versicherten Angestellten in eine private Krankenversicherung wieder auf ein Jahr reduziert. Das habe, so der Verband der privaten Krankenversicherung (PKV), zu einer „spürbaren Belebung“ des Geschäfts geführt. Das Neugeschäft im ersten Halbjahr 2011 sei mit 54 000 Neuzugängen „um über 20 Prozent stärker“ ausgefallen als im Vergleichszeitraum 2010. Insgesamt waren damit Mitte des Jahres 8,95 Millionen Menschen privat krankenversichert. Die Zahl der Zusatzversicherungen ist zweieinhalbmal so hoch, sie liegt jetzt bei etwas mehr als 22 Millionen. Im ersten Halbjahr 2011 kamen die Versicherer auf knapp 119 000 Neuabschlüsse, im Vorjahreszeitraum waren es nur 77 000.

Die Zahlen zeigen aber auch, dass die Versicherer ein Kostenproblem haben. Die Leistungen stiegen 2010 um 3,8 Prozent auf knapp 22 Milliarden Euro. Und 2011, so der Verband, werde man wohl 23,12 Milliarden Euro ausgeben. Die Folge: Für Privatpatienten wird es 2012 wohl wieder deutlich teurer.

Einen auffälligen Trend gibt es bei den Pflegezusatzversicherungen: Ihre Zahl erhöhte sich von 2009 auf 2010 um 13,3 Prozent. Im Jahr zuvor hatte sie bereits um 15,6 Prozent zugelegt. Allerdings basieren die Steigerungsraten auf niedrigem Level. Die Gesamtzahl lag Ende 2010 bei gerade einmal 1,7 Millionen.

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