Wirtschaft : Versicherungen: Selbst kündigen hat Vorteile

gms

Versicherungen lassen sich für oder gegen fast alles abschließen. Was eine Versicherung aber tatsächlich wert ist, zeigt sich oftmals erst, wenn ein Schaden eingetreten ist. In jüngster Zeit verzeichnete etwa die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz in Mainz vermehrt Beschwerden von Verbrauchern, deren Versicherer die Policen nach einem Schadensfall gekündigt haben. "Betroffen sind insbesondere Haftpflicht- und Rechtschutzversicherungen, aber auch Wohngebäude- und Hausratpolicen", berichtet Versicherungsreferent Michael Wortberg. "Die Kündigung wird meist damit begründet, dass der Schadensverlauf vom Durchschnitt aller Versicherten abweiche und man deshalb vom Kündigungsrecht im Schadensfall Gebrauch mache."

Bei der Schadensversicherung ist nach einem Versicherungsfall eine Kündigung auch durch das Versicherungsunternehmen möglich, erklärt Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten (BdV). "Die Kündigungsfrist beträgt einen Monat nach Anerkennung oder Verweigerung der Schadensleistung." Dabei könne der Versicherer frei entscheiden, ob die Kündigung sofort oder zu einem späteren Zeitpunkt wirksam werden solle: "Spätestens jedoch zum Ende des laufenden Versicherungsjahres." Im letzteren Fall müsse die anteilige Jahresprämie erstattet werden.

Das Problem sei jedoch, dass durch den Versicherer gekündigte Versicherungsnehmer "gebrandmarkt" seien. Dadurch hätten sie es - außer in der Kfz-Haftpflichtversicherung - in aller Regel schwer, einen anderen Versicherer zu finden. Es bringe aber nichts, die Kündigung zu verschweigen, weil bei der Antragstellung danach gefragt werde. "Erfolgte die Kündigung beispielsweise wegen Beitragsrückstand, sollten Betroffene unbedingt versuchen, sich mit dem alten Versicherer zu einigen, etwa durch Erteilung einer Einzugsermächtigung", sagt Diplom-Versicherungsbetriebswirt Helge Kühl.

Wurde einem Kunden wegen zu vieler Schäden gekündigt, kann der Betroffene versuchen, mit dem Versicherer über eine höhere Selbstbeteiligung und einen Risikozuschlag zu verhandeln. Lässt das Unternehmen sich nicht darauf ein, schlägt der Versicherungsfachmann einen Kompromiss vor: "Bitten Sie den Versicherer, seine Kündigung zurückzuziehen und bieten Sie ihm Ihre eigene Kündigung zum Ende des Versicherungsjahres an. Dann haben Sie bei der Suche nach einer neuen Versicherungsgesellschaft viel bessere Voraussetzungen." Zunächst sollte aber immer eine Einigung mit dem alten Versicherer erzielt werden. "Wichtig ist es, dabei stets sachlich und höflich zu bleiben, denn der Versicherer sitzt am längeren Hebel", so Kühl.

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