Wirtschaft : Versicherungsbeiträge sinken

HAMBURG (ADN).Die Verbraucher können auch in diesem Jahr in den meisten Bereichen mit niedrigen Versicherungsbeiträgen rechnen.Zwar habe der Preiswettbewerb unter den Unternehmen in einigen Sparten "inzwischen die Grenzen des Möglichen erreicht", sagte der Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Bernd Michaels, am Montag in Hamburg.Dennoch seien Beitragserhöhungen "auf breiter Front derzeit noch nicht in Sicht".Eine Ausnahme bildeten jedoch Autoversicherungen.

Bereits im vergangenen Jahr hatten die Verbraucher vom scharfen Konkurrenzkampf der Versicherer profitiert.Die größten Preisnachlässe gab es in der Kfz-Versicherung, wie Michaels sagte.Die Beitragseinnahmen in diesem Bereich schrumpften dadurch um 4,2 Prozent auf 38,9 Mrd.DM.Gleichzeitig erhöhte sich der Schadenaufwand um 2,1 Prozent auf 38,4 Mrd.DM.Der Vorsitzende des GDV-Hauptausschusses Schaden, Bruno Gas, ergänzte, daß die Unternehmen dadurch im reinen Versicherungsgeschäft einen Verlust von 2,9 Mrd.DM (1997: 450 Mill.) erlitten hätten.Zwar werde dieses Defizit noch durch die Erträge aus den Kapitalanlagen ausgeglichen.Doch die Autofahrer müßten sich nun zunächst bei Neuverträgen "auf Anpassungen nach oben einstellen".

Insgesamt rechnen die GDV-Mitgliedsunternehmen in diesem Jahr bei den Beitragseinnahmen mit dem niedrigsten Wachstum seit mehreren Jahrzehnten.Es werde sich etwa auf dem Niveau von 1998 mit einem Plus von 1,7 Prozent (1997: 3,2) bewegen, sagte Michaels.Die Beitragseinnahmen beliefen sich damit auf 236,8 Mrd.DM.Für die gesamte Branche gab Michaels eine Zunahme um 1,8 Prozent (1997: 2,4) auf 242,7 Mrd.DM an.Als Ursachen für das Ergebnis von 1998 nannte der GDV-Präsident neben dem schwachen Wirtschaftswachstum "den scharfen Wettlauf der Versicherer um die günstigsten Prämien".

In den einzelnen Hauptzweigen der Assekuranz verlief die Entwicklung 1998 sehr unterschiedlich, betonte Michaels.So erzielte die Lebensversicherung ein Umsatzplus von 4,0 Prozent auf 102,7 Mrd.DM und die private Krankenversicherung von 4,6 Prozent auf 38,0 Mrd.DM.Dagegen erlitten die Schaden- und Unfallversicherer Einbußen von 1,9 Prozent auf 93,2 Mrd.DM.Im laufenden Jahr erwartet der GDV, daß das Prämienvolumen in der Schaden- und Unfallversicherung "bestenfalls auf dem Nivau des Vorjahres" verharrt.Bei Lebens- und privaten Krankenversicherern gehe man von einem ähnlichen Wachstum wie 1998 aus.

Die Versicherungswirtschaft bekräftigte zugleich ihre Ablehnung der Steuerreform auch nach den jüngsten Veränderungen durch die Regierungskoalition.Sie halte die "zusätzliche Belastung der Branche von mehr als zehn Mrd.DM für systematisch falsch", sagte Michaels.Außerdem sei die Reform standortschädigend.Abwanderungspläne einzelner Branchen-Unternehmen seien damit "nicht vom Tisch".

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